Allg. Zeitung Mainz: Egal / Kommentar zur SPD / Von Lars Hennemann
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Begriff der Aporie: ein unauflösbares Problem. Der Volksmund sagt zu
solchen Situationen: Egal was man tut, es ist sowieso falsch.
Willkommen also bei der SPD. Die Entscheidung in puncto
Kanzlerkandidatur hat lange genug gedauert. Und egal wie Gabriel sich
hätte entscheiden können und sich nun entschieden hat: So richtig
optimal ist es nicht geworden. Der bullige Niedersachse ist ein
politisches Naturtalent, vermutlich sogar das größte, das die SPD
seit Gerhard Schröder hatte. Allerdings hat er mit dem ihm eigenen
Charme eines schlecht gelaunten Türstehers oft genug Freund und Feind
vergrätzt. Auch der jetzige Abgang war wieder einmal nicht sauber,
sickerte über mediale Alleingänge durch und bescherte dem
designierten Frontmann Martin Schulz keinen wirklichen Traumstart.
Mit der Entscheidung für das Amt des Außenministers setzt Gabriel
zudem ein deutliches Signal: Er will länger als die paar Monate, die
bis zur Bundestagswahl bleiben, Deutschlands oberster Diplomat sein.
Der Noch-SPD-Chef mag seine Prioritäten neu justiert haben, aber zur
kurzfristigen Verlegenheitslösung macht er sich deshalb noch lange
nicht. Außerdem entkoppelt er sich vom Wahlausgang: Das Außenamt
könnte er sowohl in einer Großen Koalition als auch in anderen
Konstellationen bekleiden. Gabriels Abgang passt zu seiner Amtszeit
Was für Martin Schulz nicht gilt. Es gibt nicht wenige, die sagen,
dass die SPD mit Gabriel die Wahl weggeschenkt hätte. Mag sein. Aber
ob Schulz die glänzende Alternative ist? Er ist international bestens
verdrahtet, hat im Gegensatz zu Gabriel zumindest ansatzweise Talent
zum Volkstribun - und ist trotzdem in den Augen vieler vor allem ein
EU-Funktionär. Im Jahr 2017 nicht die allerbeste Referenz, gegen die
sich prächtig Wahlkampf machen lässt. Immerhin war er nie Mitglied
eines Kabinetts Merkel. Das könnte Pluspunkte bringen. Ob das aber
den Malus eines innenpolitisch weitgehend unbeschriebenen Kandidaten
aufwiegt, ist damit noch lange nicht gesagt. Und somit ist der
Einzige, für den sich die Dinge erst einmal verbessert haben, Sigmar
Gabriel. Seine Einsicht in Notwendigkeiten war überfällig. Für die
SPD hingegen ist nach wie vor so gut wie alles offen. Der Abgang des
Chefs passt irgendwie zur gesamten Amtszeit: 20 Prozent plus X und
auch nach Jahren keine echte neue Perspektive - das sieht nicht nur
in altgriechischer Philosophie ziemlich trostlos aus.
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Datum: 24.01.2017 - 20:42 Uhr
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