Weser-Kurier: Philipp Jaklinüber Olaf Scholz
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Emotionalität ist die Sache von Olaf Scholz nicht. So deutlich wie
nie zuvor haben die Hamburger das nach der traumatisierenden
Erfahrung der Gewaltexzesse während des G20-Gipfels zu spüren
bekommen. Es fiel ihrem Bürgermeister irritierend schwer, die
richtigen Worte zu finden, Solidarität mit den Anwohnern zu zeigen
und eine geschundene Stadt wieder moralisch aufzubauen. Am Mittwoch
versuchte der SPD-Mann, der plötzlich in die Rolle des linkischen
"Scholzomaten" zurückgefallen schien, einiges nachzuholen. In seiner
Regierungserklärung vor der Hamburgischen Bürgerschaft zeigte sich
Scholz "fassungslos und wütend" angesichts der Zerstörungswut, "tief
bewegt", dass die Stadt hinterher gemeinsam fegte, aufräumte und
Polizisten mit Blumen bedachte. Vor allem: Scholz entschuldigte sich
für ein Sicherheitsversprechen, das er abgab und nicht einhalten
konnte. Diese Entschuldigung war nötig. Auch den flapsigen Vergleich
mit Staus wegen des Hafengeburtstags bereut Scholz zu Recht. Aber
muss der Bürgermeister wegen einiger unbedachter Äußerungen
zurücktreten? Weil er im Moment der Krise überfordert schien?
Natürlich nicht. Überfordert mit der Situation waren alle, nicht nur
die Polizei, versagt im Umgang mit bestimmten Gewaltformen hat am
Ende die Gesellschaft insgesamt. Trotzdem war es richtig, den Gipfel
an der Elbe abzuhalten. Scholz hat recht: Als weltoffene und liberale
Stadt, die vom Handel und dem Austausch zwischen den Völkern lebt,
hatte Hamburg keine Wahl. Und Gewalt darf nicht diktieren, welches
Forum die wichtigsten Staaten der Welt wählen, um globale Probleme
gemeinsam zu lösen. Bitter für Scholz, dass ihn die Parteifreunde
Martin Schulz und Sigmar Gabriel in dieser Frage bloßstellten, indem
sie reguläre Treffen in New York forderten. Kurz vor einer
programmierten Wahlschlappe einen nächsten Kanzlerkandidaten in spe
derart zu demontieren - das schafft nur die SPD.
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Datum: 12.07.2017 - 20:46 Uhr
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