Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Priesterseminaren, Autor: Alex Huber
ID: 1511271
Protz-Bischof Tebartz von Elst, der die Skandale der katholischen
Kirche auf die Spitze trieb. Heute fordern die zahlreichen
Verfehlungen ihren Tribut - die Folgen bekommt die Kirche deutlich zu
spüren: Gläubige kehren der Kirche vor allem aufgrund der
Missbrauchsvorwürfe den Rücken. Immer weniger junge Männer wollen
eine kirchliche Laufbahn einschlagen. Dass das Priesterseminar St.
Wolfgang der Diözese Regensburg dem mit seinem Projekt entgegenwirken
will, ist eine gute Idee. Junge Menschen ohne jede Verbindlichkeit
hinter die Kulissen einer sonst so strikten und konservativen
Institution blicken zu lassen, ist ein klarer Fortschritt. Dass der
Glauben für viele noch immer eine große Rolle spielt, steht außer
Frage. Wer also eine kirchliche Laufbahn in Erwägung zieht, kann im
Prinzip bei einem Praktikum den priesterlichen Alltag kennenlernen,
sich einbringen und sich trotz vieler Vorurteile von außen ein
eigenes Bild machen. Und wer dann doch feststellt, dass eine solche
Laufbahn nichts für ihn ist, kann sich problemlos verabschieden.
Allerdings hätte die Kirche viel früher reagieren müssen. Denn: Der
von vielen weiterhin gelebte Weg des strikten Konservatismus
funktioniert heute nicht mehr. Hätte sich die Kirche selbst
frühzeitig ein Stück weit modernisiert, würde sie heute keine Sorgen
um den Klerus tragen. Eine längst überfällige Lockerung des Zölibats
wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wenn die Kirche
noch weiter an ihren althergebrachten Traditionen festhält, wird sich
die Situation um den fehlenden Priesternachwuchs ohne Frage weiter
deutlich verschlechtern.
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Datum: 16.07.2017 - 20:23 Uhr
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