Mittelbayerische Zeitung: "Merkels Date mit der Geschichte" / Ein Kommentar der Mittelbaye

Mittelbayerische Zeitung: "Merkels Date mit der Geschichte" / Ein Kommentar der Mittelbayerischen Zeitung zum Erfolg der Rechten in Deutschland

ID: 1531065
(ots) - Keine Frage, Angela Merkel hat viele
historische Momente erlebt in ihrer Zeit, von der Wende über die
Euro-Finanzkrise bis hin zur Flüchtlingssituation des Sommers von
2015 mit all ihren Folgen. Viele dieser Momente hat sie mit geprägt
oder deren Kurs bestimmt. Es steht ihr aber noch ein Date mit der
Geschichte ins Haus, und das ist der kommende Sonntag. Wo die
Kanzlerin derzeit spricht, wird gepfiffen, wird gebuht, fliegen
Tomaten. Das ist nichts Neues im Leben einer Politikerin, aber im
Fall Merkel ist es deswegen etwas Besonderes, weil es nicht zum
Stimmungsbild vor der Wahl passen will, zumindest nicht in das, das
uns per Umfragen präsentiert wird. Dort ist die Union die mit Abstand
stärkste Partei und es müsste schon mit einem totalen Versagen der
Demoskopen einhergehen, wenn heute in einer Woche nicht feststeht,
dass eine neue Bundesregierung wieder unter Leitung von Angela Merkel
zustande kommen wird. Merkel steht für die Sicherung des Status Quo
in die Zukunft, sie steht für Verlässlichkeit, Sicherheit,
Stabilität. Zumindest scheint das so zu sein, denn sonst würden nicht
so viele Menschen angeben, sie wiederwählen zu wollen. Aber dann sind
da eben doch die Pfiffe, wie sie auch am Montag in Regensburg beim
Auftritt der Kanzlerin unüberhörbar waren, und die Plakate gegen ihre
Politik, die in der Masse der Menschen vor dem Dom unübersehbar
waren. Es ist richtig, dass man die Gegner nicht überhöhen sollte,
dass es normal und auch gut ist, wenn es Widerspruch gibt, andere
Auffassungen, Protest, auch lautstarken. Das muss auch eine Angela
Merkel hinnehmen, und das tut sie auch. Wir waren das nur lange nicht
gewohnt. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass dieser Protest
auch inszeniert ist. Politiker und Anhänger der AfD machen keinen
Hehl daraus, dass sie die Aktionen gegen Merkel steuern. Aber auch


das ist legitim, weil andere Parteien so etwas in friedlicher Form
auch im Repertoire haben. Neu ist etwas anderes: dass dieser
Widerspruch, dieser Protest und auch die Aggression in Wählerstimmen
gemünzt wird. Und zwar in die der AfD, also jener Partei, in deren
Reihen knallharte Rechtsextreme sitzen (wobei man sich fragt, ob es
moderate Kräfte in der Partei überhaupt gibt; einen Aufschrei aus der
AfD nach Entgleisungen von Höcke, Gauland und Co. bleibt stets aus).
Wenn eines Tages die Merkel-Dämmerung einsetzt und der Erfolg der
CDU-Vorsitzenden endet, was bleibt dann? Wird es die Erinnerung daran
sein, wie sie ihre Partei nach der Spendenaffäre neu gestartet hat?
Wie sie die Männer an der Spitze der CDU reihenweise entsorgt hat?
Wie sie zur Alternativlosen wurde? Werden es die Bilder sein, wie sie
die Sparer erfolgreich davon abgehalten hat, zum Höhepunkt der
Euro-Finanzkrise ihre Konten zu plündern? Oder die Wahlplakate mit
der merkelschen Hand-Raute? Sicher wird man sich an ihr "Wir schaffen
das"-Credo im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise erinnern. Aber
heute, vor der Wahl, wird deutlich, dass noch etwas anderes bleiben
wird: Sie ist die Kanzlerin, unter der Rechtsextreme wieder in den
Bundestag einziehen werden. Dass dem so ist, ist Folge all der Dinge,
die mit Merkel verbunden sind. In den Merkel-Jahren hat sich ein Teil
des Landes, der vielleicht schon lange abgehängt wurde, zu Wort
gemeldet. Weil er sich nicht mehr zuhause fühlt in dieser
Gesellschaft, in dieser Politik, in dieser Welt. Merkels Union hat es
trotz der Schützenhilfe einer zumindest verbal weit nach rechtsaußen
ausscherenden CSU nicht geschafft, den rechten Rand abzudecken. Alle
anderen Parteien, die dem Merkel-Erfolg folgend die Mitte gesucht und
besetzt haben, haben die Gravitation nach rechts beschleunigt. Heute
ist fast alles Mitte - und viel zu viel rechts. Das alles Merkel in
die Schuhe zu schieben, ist falsch. Aber in einer Woche, falls sie
wieder am Ruder steht, muss sie das ändern. Sonst hat ihr Date mit
der Geschichte fatale Folgen, und das nicht nur für sie.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Berliner Zeitung: Kommentar zu Flüchtlingspolitik. Von Christine Dankbar WAZ: Der Preis der Zukunft
 - Kommentar von Michael Kohlstadt
zur NRW-Verkehrspolitik
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 18.09.2017 - 19:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1531065
Anzahl Zeichen: 4582

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Innenpolitik



Diese Pressemitteilung wurde bisher 468 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: "Merkels Date mit der Geschichte" / Ein Kommentar der Mittelbayerischen Zeitung zum Erfolg der Rechten in Deutschland"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Berliner Zeitung: Kommentar zu Flüchtlingspolitik. Von Christine Dankbar ...
Das ist der eigentliche Skandal. Nach zwei Jahren Diskussion über Zuwanderung, Kriegsflüchtlinge und Asylsuchende hat dieses Land noch immer kein Einwanderungsgesetz. Zu uns kommen darf, wer es lebend über das Meer und dann über die Grenze schafft, irgendwie. Das ist falsch. Denn es sagt nic

neues deutschland: Kommentar: K-Frage stellen ...
Wer behauptet, dass dieser Wahlkampf ein spannender wäre, der lügt oder lebt hinterm Mond. Die Frage, ob nun Merkel oder Schulz das Rennen ums Kanzleramt machen, ist wahrlich nur noch eine rhetorische. Eine viel spannendere K-Frage stellt hingegen das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökono

Allg. Zeitung Mainz: Zu nahe / Kommentar zu FDP von Lars Hennemann ...
Wolfgang Schäuble ist am Montag 75 Jahre alt geworden. Zudem ist er dienstältester Abgeordneter des Bundestages, hat in drei Ministerien gedient und war maßgeblich am Zustandekommen der deutschen Einheit beteiligt. Das sind Verdienste, die bleiben. Natürlich lässt sich aus ihnen kein Quasi-

"#felixfragt" im ZDF: YouTube-Star auf Deutschland-Check (FOTO) ...
Was junge Menschen vor der Bundestagswahl umtreibt, das zeigt wenige Tage vor dem Wahlsonntag eine 45-minütige Reportage im ZDF, die mit einer YouTube-Webserie kombiniert ist: "#felixfragt - YouTube-Star auf Deutschland-Check" ist am Mittwoch, 20. September 2017, 0.45 Uhr, im ZDF


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z