Zum Welt-Nashorn-Tag (22.9.): Jeden Tag werden drei Nashörner gewildert / Studie: Wildtiermafia ver

Zum Welt-Nashorn-Tag (22.9.): Jeden Tag werden drei Nashörner gewildert / Studie: Wildtiermafia verlegt Verarbeitung von Nashorn-Horn nach Südafrika

ID: 1531345
(ots) - 19.09.2017: Jeden Tag werden allein in Südafrika
beinahe drei Nashörner getötet - mehr als tausend im Jahr. Darauf
weist der WWF zum Welt-Nashorn-Tag am Freitag hin. Die seltenen
Dickhäuter sind massiv von der Wildereikrise betroffen, die Afrika
vor rund zehn Jahren erfasst hat. Über 7.100 der Tiere fielen der
illegalen Jagd kontinentweit seitdem zum Opfer. Angesichts der nur
noch rund 25.000 lebenden Individuen in Afrika spricht der WWF von
einer ernsthaften Bedrohung für die Rhinos. "Die Wildtiermafia fällt
in die ländlichen Gebieten ein, wo der Staat an vielen Fronten
überfordert ist. Trotz erheblicher Bemühungen fehlen oftmals die
Ressourcen, um es mit den hochgerüsteten Banden aufzunehmen", sagt
Katharina Trump, Referentin für Wildartenkriminalität beim WWF
Deutschland.

Hauptschauplatz des Nashorn-Dramas ist Südafrika. In dem Land
leben fast 80 Prozent aller afrikanischen Rhinos, gleichzeitig finden
mehr als 90 Prozent aller Wildereifälle hier statt. Ziel der Wilderer
ist der Export des Horns nach Asien, wo es hohe Preise auf dem
Schwarzmarkt erzielt. Wie eine neue Studie von Traffic zeigt, setzt
die Mafia mittlerweile auf neue Strategien, um ihre Ware ungehindert
durch den Zoll zu bekommen. Anstatt das gesamte Horn auszuführen,
werde es zunehmend noch in Südafrika verarbeitet und dann in Form von
Armreifen, Scheiben, Kugeln oder als Pulver auf dem Luftweg
verschickt - ummantelt mit Wachs oder Aluminium und eingerieben mit
Zahnpasta, um den Geruch zu überdecken.

Positiv bewertet der WWF, dass dem Thema mittlerweile auch in der
internationalen Politik Beachtung geschenkt werde. Vergangene Woche,
am 11. September erneuerte die Vollversammlung der Vereinten Nationen
eine Resolution, in der sie die organisierte Wilderei auf Nashorn,
Elefant und weitere Arten als schweres Verbrechen einstuft. Neben der


akuten Bedrohung der Artenvielfalt geht es bei der Entscheidung auch
um die Stabilität ganzer Gesellschaften. "Die Wilderei untergräbt die
Rechtsstaatlichkeit, fördert Korruption und andere illegale Geschäfte
und ist Hemmschuh für Entwicklung", so Katharina Trump. "Ziel muss
sein, dass Afrika von seiner Artenvielfalt und intakten Natur
profitiert, ohne sie dabei zu zerstören."

Kritisch sehen die Umweltschützer im Gegenzug die Entwicklung in
Südafrika selber. Vor rund einem Monat fand in dem Land zum ersten
Mal eine legale Nashorn-Horn-Auktion statt. Der Nashorn-Züchter John
Hume hatte die Versteigerung mit einer Klage vor dem
Verfassungsgericht durchgesetzt. Doch anstatt die juristische Lücke
zu schließen, arbeitet die südafrikanische Regierung nun an einer
rechtlichen Grundlage für den nationalen Handel und denkt darüber
nach, auch internationale Exporte für den persönlichen Gebrauch zu
ermöglichen. Neben einer erheblichen Erschwernis für die
Strafverfolgung rechnet der WWF damit, dass dies die Nachfrage und
damit auch die Wilderei anfeuern wird, da die legalen Bestände
niemals ausreichten, um den Bedarf zu decken.

Das Horn der Nashörner gilt vor allem in China und Vietnam als
Statussymbol und wird in Pulverform gegen diverse Krankheiten und
Gebrechen konsumiert, obwohl wissenschaftliche Hinweise auf
Wirksamkeit fehlen. Der WWF setzt daher neben der Verfolgung der
Wilderer und Händler auch auf Aufklärung in Asien. Unter anderem
arbeitet er mit Studenten der traditionellen chinesischen Medizin
zusammen, um Nashorn-Horn aus dem Repertoire der Praktiker zu
verbannen. Daneben weisen die Umweltschützer auf die sozialen
Probleme hin, die hinter der Wildereikrise in Afrika steckten. Gerade
im ländlichen Raum und in Nashorn-Gebieten lebten viele Menschen in
Armut ohne Perspektive auf ein geregeltes Einkommen. Es sei nicht
verwunderlich, dass sich manche in der Hoffnung auf einen
zusätzlichen Verdienst den Wildererbanden anschlössen. Hier sei auch
die internationale Entwicklungszusammenarbeit gefragt.



Pressekontakt:
WWF World Wide Fund For Nature
Pressestelle
Immo Fischer
Telefon: +49 30 311 777 427
E-Mail: immo.fischer@wwf.de

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Datum: 19.09.2017 - 12:00 Uhr
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