Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Naturwäldern
ID: 1543279
von Marianne Sperb, MZ
Wilde Natur ist was Wunderbares. Aber wer durch unberührte Wälder
spaziert und denkt, nur hier könnte die Vielfalt den idealen Boden
finden, ist auf einem Holzweg. Vogel- und Pflanzenwelt bleiben im
wilden Wald vergleichsweise monoton - und entwickeln sich prachtvoll
auf intensiv bewirtschafteten Forstflächen. Das belegen Studien im
Auftrag des Vereins Game Conservancy Deutschland, im September bei
Fürst zu Oettingen-Spielberg präsentiert. Im Abstand von 25 Jahren
verglichen Wissenschaftler um Gerhard Hofmann vom Waldkunde-Institut
Eberswalde Flora und Avifauna (Vogelwelt) im Forst, auf der
Datenbasis des legendären saarländischen Biogeographen Paul Müller.
Die Langzeit-Untersuchung zeigt: Forstwirtschaftliche Eingriffe sind
fruchtbare Störungen, die die schlafende Samenbank im Waldboden
wecken. Ein Beispiel: Entlang neuer Wege für die Forstwirtschaft
kommen sonnenliebende Pflanzen ans Licht, die dort zuvor nicht belegt
waren. In wilden Wäldern finden sich 300 bis 350 Pflanzenarten. Im
untersuchten bewirtschafteten Waldgebiet dagegen stieg die Zahl der
Pflanzenarten innerhalb von 25 Jahren von 402 auf 434, und auch die
Avifauna gedieh erstaunlich. Die Zahl der Vogelarten kletterte von 67
auf 76. Fischadler, Schwarzstorch, Wendehals und Grauer Specht etwa
zogen zu. Natürlich hängt Biodiversität von vielen Faktoren ab. Das
Thema ist differenziert. Gerade deshalb verdient die Debatte um wilde
Wälder auch eine differenzierte Betrachtung.
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Datum: 22.10.2017 - 19:19 Uhr
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