Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Terroranschlägen
ID: 1546735
Terrorist. Das ist das zynische Patentrezept, das der »Islamische
Staat« (»IS«) weltweit propagiert. Mit schrecklichem Erfolg, wie die
jüngste Bluttat in New York gerade erst wieder unter Beweis gestellt
hat. Anders als die »IS«-Truppen im Irak oder in Syrien lassen sich
Einzeltäter militärisch nicht bekämpfen. Sie brauchen weder Waffen
noch Anschluss an eine Tätergruppe. Da mögen die Geheimdienste noch
so sehr die Ohren spitzen: Wer nicht redet, kann sich nicht
verraten. Oder andersherum: Wer, wie der in Schwerin festgenommene
Terrorverdächtige, im Internet über seine Absichten plaudert und
als mordsgefährlich bekannte Chemikalien bestellt, der liefert den
Fahndern mit einiger Sicherheit genügend Beweise, um ein Attentat
auffliegen zu lassen. Deshalb ist das Lob, das Innenminister Thomas
de Maizière (CDU) den Sicherheitsbehörden und damit sich selbst
ausspricht, nur zum Teil berechtigt. Zweifellos: Wäre die Polizei
dem 19-Jährigen nicht in den Arm gefallen, so hätte es in Deutschland
über kurz oder lang möglicherweise sehr viel mehr Opfer gegeben als
jetzt in New York. Für de Maizière und seine Partei dürfte der
Fahndungserfolg von Schwerin deshalb in den Jamaika-Gesprächen ein
mahnendes Argument dafür liefern, die Geheimdienste auch rechtlich so
auszurüsten, dass sie im Kampf gegen den Terrorismus bestehen
können. Vielleicht liefert der Fall sogar FDP und Grünen ein
Argument, um ihrer jeweiligen Basis eine starke Sicherheitspolitik
verkaufen zu können. Andererseits: Der Fahndungserfolg von Schwerin
bedeutet ja nicht, dass es hierzulande keine Auto-Attentate wie in
New York oder wie vor einem Jahr in Berlin mehr geben könnte. Im Fall
des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri ist zwar vielfaches,
haarsträubendes Behördenversagen ans Licht gebracht worden. Ein
Abwehrrezept gegen diese Art von Attentaten ist aber auch knapp ein
Jahr später noch nicht gefunden worden - und wird es wohl auch
niemals geben. Wenn in vier Wochen die Weihnachtsmärkte in Berlin und
in der Region öffnen, dann wird es hier und da zusätzliche
Betonabsperrungen geben oder wie zufällig so geschickt geparkte
Lastwagen, dass möglichen Auto-Attentätern der Weg zu Plätzen und
Einkaufsstraßen versperrt ist. Bewaffnete Polizisten werden wieder an
den Glühweinständen und Karussells patrouillieren - ohne dass damit
hundertprozentige Sicherheit garantiert wäre. So manchen Besucher
wird wieder ein mulmiges Gefühl beschleichen. Dann hilft nur die
abermalige Vergewisserung: Wenn wir uns vom Terror kirre machen
lassen, dann hat der Terror gewonnen. Diesen Gefallen sollten wir den
Terroristen nicht tun - auch wenn es schwerfällt.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 01.11.2017 - 21:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1546735
Anzahl Zeichen: 3222
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 442 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Terroranschlägen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Westfalenpost: Torsten Berninghaus zum Kampf gegen Fake-News ...
Falschinformationen und Propaganda haben die Gremien des US-Senats erreicht. Endlich, möchte man ausrufen. Im Zuge der Russland-Affäre hat ein Ausschuss die obersten Juristen von Facebook, Google und Twitter vorgeladen. Bei der Gelegenheit mussten die Technologie-Riesen eingestehen, dass die Man
Allg. Zeitung Mainz: Herausgefordert / Kommentar von Reinhard Breidenbach zu Terroranschlägen ...
New York ist widerstandsfähig und verständig. Donald Trump ist weder das eine noch das andere. Frankreich und die allermeisten Franzosen sind widerstandsfähig und verständig. Marine Le Pen ist weder das eine noch das andere. Das ist eine Erkenntnis aus dem neuerlichen Terroranschlag in der am
Mittelbayerische Zeitung: "Das Mitgefühl fehlt" / Ein Kommentar der Mittelbayerischen Zeitung zum Terror in Manhattan ...
Entsetzen. Mitgefühl. Ermittlung. Schlussfolgerung. So sollte eigentlich die Reaktion jedes politisch Verantwortlichen auf einen Anschlag wie die mörderische Amokfahrt des Sayfullo S. sein, der mit seinem Pritschenwagen auf einem New Yorker Uferweg über eine Strecke von anderthalb Kilometer wa
Stuttgarter Zeitung: Kommentar zum Reformationstag: Kirche auf der Suche Das Jubiläum des Thesenanschlags von Wittenberg ist gut gewürdigt worden - aber wie geht es weiter? ...
Fast ein Jahrzehnt lang hat das 500-Jahr-Jubiläum des Beginns der Reformation die evangelische Kirche motiviert und vorangetrieben. Am Reformationstag erfolgte in Wittenberg das große Finale, die Spitze des Staates war versammelt, um dem unbeugsamen Kirchenrebellen und Freiheitsliebhaber Luther




