Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur "UN-Klimakonferenz":

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ID: 1551919
(ots) - Zentrale Herausforderung, Schicksalsfrage der
Menschheit. Wer könnte diesen hehren Worten Angela Merkels, mit der
sie auf der UN-Konferenz die Klimafrage kennzeichnete, wohl
widersprechen. Außer Donald Trump und einigen notorischen Leugnern
der Klimakrise, etwa in der AfD, wohl niemand. Doch Merkel konnte
gestern nicht als Klimakanzlerin glänzen. Das lag vor allem daran,
dass sie der hochkarätig besetzten Konferenz in Bonn nur die
hinlänglich bekannten, schönen Absichtserklärungen zu bieten hatte.
Samt dem achselzuckenden Eingeständnis, dass Deutschland "noch ein
ganzes Stück" an den selbst gestellten Klimazielen fehle. Über die
konkreten Maßnahmen, wie der einstige Klimaschutz-Vorreiter seine
Hausaufgaben erledigen kann, wird derzeit in Berlin erbittert
gestritten. Vermutlich scheitern die schwarz-gelb-grünen Partner an
der ersten wirklichen Hürde auf dem langen Weg zur Begrenzung der
Erderwärmung auf höchstens zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts,
auf das sich die internationale Gemeinschaft vor zwei Jahren in Paris
verpflichtet hatte. Dass Deutschland bis 2020 den Ausstoß von
Kohlendioxid im Vergleich zum Einheitsjahr 1990 um 40 Prozent
verringern wird, wäre nur noch mit drastischen Maßnahmen zu
bewerkstelligen. Auch unter den Jamaika-Sondierern sitzen einige, die
das ehrgeizige deutsche Klimaziel bis 2020 für zu ambitioniert
halten. Ehrlicherweise muss dazu gesagt werden, dass diese Zielmarke
zu einem Zeitpunkt ausgegeben wurde, als von einem raschen Ausstieg
aus der Atomenergie noch keine Rede war. Zudem basiert dieses
mittelfristige deutsche Klimaziel auf dem Sondereffekt, dass
zahlreiche ostdeutsche Braunkohle-Kraftwerke zu Beginn der neunziger
Jahre still gelegt werden mussten. Mit den Dreckschleudern
verschwanden auch deren Emissionen. Doch diese Effekte schlagen in
der Klimabilanz nur einmal zu Buche. Dass Wirtschaftswachstum


einerseits und Klimaschutz andererseits versöhnt werden können, ist
ein schlichter Satz, aber in der Realität eine gigantische Aufgabe.
Die Wachstumsjahre nach der Finanzkrise haben zu einem Anstieg der
Emissionen von Treibhausgasen geführt. Deutschland ist insofern,
trotz seiner riesigen und milliardenschweren Anstrengungen bei
erneuerbaren Energien, leider - noch - kein Vorbild für den Rest
unseres Planeten. Der praktische Beweis, dass Wachstum zu
bewerkstelligen ist, ohne dass immer mehr Treibhausgase in die
Atmosphäre geblasen werden, ist noch nirgendwo erbracht worden. Dabei
verfügt die Menschheit, zumal die Industriestaaten, längst über das
technische und technologische Instrumentarium dafür. Die Crux ist,
dass sich Klimaschutz noch nicht - zumindest nicht ausreichend -
rechnet. Nun könnte man sich darauf zurückziehen, dass es auf unser
Land mit gerade mal zwei Prozent Anteil an den weltweiten Emissionen
doch gar nicht ankomme. Sollen doch erst einmal die großen
Klimasünder China und USA vorangehen. Allerdings wäre eine solche
Haltung gefährlich. Erstens weil Klimaschutz in Technologien und
Produkten immer mehr zu einem Wettbewerbsfaktor wird. Und zweitens
weil die Entwicklungsschübe längst aus einem Hightech-Land wie
Deutschland kommen, kommen müssen. In der Photovoltaik hat China den
einstigen Vorreiter Deutschland jedoch bereits überholt. Auch in den
USA schläft man nicht, trotz oder gerade wegen Trumps Absage an das
Klimaabkommen von Paris. Um es mit Angela Merkel zu sagen,
Klimaschutz ist nicht nur eine riesige Herausforderung, sondern auch
eine enorme Chance. Für Deutschland und alle Staaten der Erde.



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Datum: 15.11.2017 - 18:43 Uhr
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