Kölnische Rundschau: zum Scheitern der Jamaika-Sondierungen
ID: 1553466
CORDULA VON WYSOCKI¶ zum Ende der Jamaika-Gespräche¶
Es wird eng für Angela Merkel. Seit Sonntagnacht, 23.49 Uhr, steht
die mächtigste Frau der Welt mit dem Rücken an der Wand. Nach dem
niederschmetternden Ergebnis der Bundestagswahl, der schlagartigen
SPD-Absage an eine große Koalition noch am Wahlabend und jetzt dem
Aus für Jamaika, hat sie kaum noch eine Option, ein Regierungsbündnis
zu gestalten.
Darüber, wie unser Land künftig geführt wird, entscheiden nach
zwölfjähriger Kanzlerschaft von Angela Merkel nun vor allem andere.
Es liegt in der Hand des Bundespräsidenten, den Weg zu einer neuen
Regierung zu bereiten. Frank-Walter Steinmeier trat gestern wohltuend
entschlossen auf: "Den Auftrag zur Regierungsbildung kann man nicht
einfach an die Wähler zurückgeben." Ohne dass er es aussprach, wird
er alles tun, um Neuwahlen zu vermeiden. Der Bundespräsident kündigte
Gespräche mit den Parteivorsitzenden an, und er wird die SPD nicht
auslassen.
Ob sein Appell an die Genossen letztlich noch etwas bewegen kann,
ist allerdings fraglich. Denn die SPD machte gestern kurzen Prozess
und verkündete vorsichtshalber schon einmal eine halbe Stunde, bevor
der Bundespräsident an die Öffentlichkeit ging: Für eine Neuauflage
der großen Koalition stehen wir nicht zur Verfügung. Warum sich die
Sozialdemokraten mit dieser übereilten Absage erneut verweigern, ist
nicht nachvollziehbar. Denn so ganz unbesorgt, wie sie tut, kann auch
die SPD nicht in Neuwahlen gehen.
Die Partei beginnt gerade mit einem Erneuerungsprozess und würde
nun vorschnell entscheiden müssen, ob sie Martin Schulz noch einmal
als Spitzenkandidat ins Rennen schickt oder nicht. Und dass die
Wähler die GroKo-Verweigerung nicht unbedingt als prinzipientreu
goutieren, sondern als unverantwortlich empfinden könnten, darüber
scheint sich die SPD nicht den Kopf zu zerbrechen. Stoisch behauptet
sie, nicht regieren zu wollen, weil die große Koalition abgewählt
worden sei. Möglicherweise geht das Konzept der Sozialdemokraten auf,
Angela Merkel auf diese Weise aus der Regierung zu drängen, aber um
den Preis, ein von der Verfassung nur als letzter Ausweg vorgesehenes
Neuwahlverfahren zu erzwingen - auf Kosten aller.
Die Jamaika-Sondierer wiederum waren nach dem nächtlichen Ausstieg
der FDP so beschäftigt damit, den Schwarzen Peter hin- und
herzuschieben, dass auch dort der Appell des Bundespräsidenten kaum
durchdrang. Wer nun letztlich schuld war am Scheitern (vermutlich
hatte jede Partei ihren Anteil), ist aber vielleicht gar nicht die
entscheidende Frage. Sondern: Gab es überhaupt eine ernsthafte
Chance?
Dass FDP-Chef Lindner den Chor "Jamaika nicht um jeden Preis"
schon vorher anstimmte und dann im Vierer-Gesang die lauteste Stimme
hatte, war schon ein ungutes Zeichen. Die Liberalen machten keinen
Hehl daraus, dass sie eigentlich keine Lust auf Regierung, also auch
nichts zu verlieren haben.
Auch der CSU war anzumerken, dass sie gebremst von der Sorge, vor
der Bayern-Wahl wichtige Positionen aufgeben zu müssen, nur
halbherzig in die Sondierungsrunde startete.
Und Angela Merkel? Hat sie als Moderatorin der Jamaika-Sondierung
eine ernsthafte Chance gegeben? Zu schnell, und das wird von
Teilnehmern wie etwa dem Grünen Robert Habeck durchaus selbstkritisch
angemerkt, habe man sich in Kleinteiligkeit verzettelt, in
unübersichtlich großen Runden diskutiert, anstatt kleinere Gruppen zu
bilden. Angela Merkel hat es offenbar nicht geschafft, eine
gemeinsame Grundlage für ein schwarz-gelb-grünes Bündnis zu
vermitteln. Das wird ihr anhaften.
Doch die Komplexität der Aufgabe, der hohe Preis zahlreicher
Zugeständnisse und das drohende Scheitern - all das war nach der Wahl
vom 24. September alternativlos. Schon da war klar, dass es für
Merkel eng wird.
Pressekontakt:
Kölnische Rundschau
Sandro Schmidt
Telefon: 0228-6688-526
print@kr-redaktion.de
Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.11.2017 - 19:09 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1553466
Anzahl Zeichen: 4520
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Köln
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 254 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kölnische Rundschau: zum Scheitern der Jamaika-Sondierungen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Kölnische Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Auf das Aufatmen folgte das Entsetzen: Die Erinnerung an den historischen Sieg der ukrainischen Armee in der Schlacht um Kiew ist untrennbar mit der an die Aufdeckung der Massaker in Butscha und anderen Vororten der ukrainischen Hauptstadt verbunden. Die Morde von Butscha sind nicht damit zu erklä
Wider jedes Königsgehabe - Frank Überall (Kölnische Rundschau) über die Demonstrationen gegen Donald Trump in den USA ...
Königliches Gehabe passt nicht zu einer Demokratie - jedenfalls nicht, wenn es statt um bloße Repräsentation darum gehen soll, einsam und allein Entscheidungen zu treffen. Die "No Kings"-Demonstrationen in den USA zeigen, dass in Krisenzeiten der Ruf nach einer ordnenden Hand zwar durch
Auch ein Sieg kann Sorgen machen / Raimund Neuß zum Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz ...
Rückkehr in die Staatskanzlei nach 35 Jahren: Die rheinland-pfälzische CDU von Gordon Schnieder jubelt. Endlich, endlich hat sie die Wählerinnen und Wähler überzeugen können, dass sie ein plausibles personelles und inhaltliches Angebot hat. Seit dem Sturz von Bernhard Vogel 1988 hatte sich ei
Weitere Mitteilungen von Kölnische Rundschau
NRZ: Lindner zersägt Merkels Stuhl - von MANFRED LACHNIET ...
"Nichtstun ist Machtmissbrauch." Dieser Satz steht auf einem Wahlplakat der FDP, und es zeigt - natürlich - Christian Lindner, wie er sich gerade lässig den Mantel überwirft. Es ist genau der Lindner, der am Sonntagabend mal eben die Bundesrepublik in eine Regierungskrise stürzte. W
RTL/ntv-Trendbarometer am Tag nach dem Jamaika-Aus: Mehrheit der Deutschen wünscht sich nun Neuwahlen ...
Nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen zur Bildung einer Jamaika-Koalition wünschen sich die meisten Bundesbürger Neuwahlen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen forsa-Umfrage von Montag für das das RTL/n-tv-Trendbarometer. 45 Prozent aller Wahlberechtigten sprechen sich danach
neues deutschland: Brandenburgs Finanzminister Görke: Abgesagte Kreisgebietsreform Lehrstück für Meinungsstreit ...
Brandenburgs Finanzminister tut es nicht leid um das viele Geld, das für Veranstaltungen und Gutachten zur Vorbereitung der Kreisgebietsreform ausgegeben wurde, die nun aber ausfällt. "Ich bin froh darüber, dass diese Foren stattfanden. Immerhin haben sie ein gründliches Nachdenken übe
Ohoven: Abbruch der Sondierung ist Desaster für Deutschland - SPD sollte jetzt über eigenen Schatten springen ...
Zu den gescheiterten Sondierungsgesprächen sagte Mittelstandspräsident Mario Ohoven in einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv: "Das Scheitern der Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition ist ein Desaster für Deutschland. Wir können die Aussagen von Herrn Lindner vers




