Allg. Zeitung Mainz: Wenn's hilft / Kommentar von Reinhard Breidenbach zu Steinmeier und Jamaik

Allg. Zeitung Mainz: Wenn's hilft / Kommentar von Reinhard Breidenbach zu Steinmeier und Jamaika

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(ots) - Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass es
nun ausgerechnet ein ehemaliger Kanzlerkandidat der SPD ist, der
womöglich auch auf die Sozialdemokratie einredet wie auf ein krankes
Pferd, auf dass es doch noch rasch zu einer Regierungsbildung kommt.
Der Bundespräsident als Seelendoktor, Beichtvater, Zuchtmeister?
Warum nicht - wenn's dem Land dient. Ein nicht unerheblicher
Nebenaspekt: Steinmeier könnte damit nachhaltig Fuß fassen in dem
Amt, dem er mit Sicherheit gewachsen ist, in dem er bislang aber noch
nicht ankam - woran auch immer das liegen mag. Eine exzellente Rede
zum Tag der Deutschen Einheit: viel mehr stand bislang noch nicht auf
der Haben-Seite des Präsidenten Steinmeier - bis zu diesem Montag. Da
ließ die Art und Weise, wie er den Parteien ins Gewissen redete, klar
erkennen, wozu dieser Mann im Positiven fähig ist, wenn er in Fahrt
kommt. Denkbar, dass er zum Katalysator wird. Vielleicht zeigt er
Christian Lindner auf, dass Aversionen gegen die Kanzlerin und
waidwundes Beleidigtsein über angebliche schwarz-grüne Kungeleien
eines wirklichen Staatsmanns nicht würdig sind. Vielleicht macht
Steinmeier allen klar, dass Verhandeln bis zum Umfallen in
tiefschwarzer Nacht doch keine so gute Idee war. Für Taxi- und
Lkw-Fahrer schreibt das Gesetz Ruhezeiten vor, wieso nicht für
Verhandler? Allerdings, was die SPD angeht: Um jetzt doch noch auf
Groko einzusteigen, bedürfte es in der SPD mehrerer brachialer
Umstürze. Natürlich ohne Schulz. Aber mit dem Risiko, nach der
nächsten Groko bei 18 Prozent zu landen. Man kann der SPD wahrhaftig
nicht verübeln, das jetzt lieber nicht zu probieren.



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Datum: 21.11.2017 - 20:00 Uhr
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