Allg. Zeitung Mainz: Ein Deutscher / Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Anschlag von Münster
ID: 1598019
Rechtsextremisten wie der unsäglichen AfD-Aktivistin von Storch
scheint es fast leid zu tun, dass der Attentäter von Münster kein
Islamist war. Was für eine perverse Denkweise. Genau so irrwitzig
wäre es andererseits, wollte jemand argumentieren: Schaut her, die
Deutschen, schimpfen auf die armen Flüchtlinge, die angeblich
Dschihadisten sind, und laufen selbst Amok. Es herrscht emotionaler
Unfrieden in Deutschland. Zündler verursachen Flächenbrände,
gebraucht werden deshalb Menschen, die beruhigen, ohne zu
beschwichtigen, ohne Dinge unter den Teppich zu kehren. Solche
Menschen dürfen gerne aus der Politik kommen, von den Kirchen,
sozialen Institutionen, aber generell kann das jeder sein, der sich
dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Ein paar einfache Fakten im Auge
zu behalten, ist hilfreich. Ja, es gab und gibt islamistischen
Terror, etwa 2016 auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Aber Flüchtlinge
dürfen nicht unter Generalverdacht stehen. Ja, es gibt Amoktaten, die
keinen terroristischen, keinen politischen Hintergrund haben,
begangen von Deutschen, Amerikanern, Arabern, Juden, die psychisch
krank oder einfach nur abgrundtief böse und von Vernichtungswillen
getrieben sind. Aber es wäre fatal, diese letztere,
nicht-terroristische Kategorie als "nicht ganz so schlimm"
einzuordnen. Die Neigung dazu scheint zu existieren. Sie könnte sich
in Gedanken manifestieren wie: "Gott sei Dank, kein Terroranschlag,
nur ein normaler Amoklauf." Auch bei "normalen Amokläufen" stellt
sich die Frage, ob und wie Vorbeugung möglich und, falls doch etwas
geschieht, Hilfe effizient ist. Unerlässlich: Sicherheitskräfte
müssen bekommen, was sie für ihre Arbeit brauchen: Personal,
Ausstattung, Gesetze. Der Rechtsstaat muss mit Augenmaß, aber auch
mit Entschiedenheit verteidigt werden. Aufgeklärt und unterbunden
werden muss allerdings auch Behörden-Versagen, wie es beim Anschlag
auf den Berliner Weihnachtsmarkt zutage trat. Mindestens genau so
wichtig ist es, ein gesamtgesellschaftliches Klima zu erzeugen, in
dem Gewalt geächtet ist. Die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung ist in
erschütternder Weise gesunken, ganz allgemein und sogar gegenüber
Menschen, die helfen wollen, Rettungssanitätern, Feuerwehrleuten und
Polizisten. Unfassbar, das darf nie und nimmer hingenommen werden,
hier sind harte Reaktionen unerlässlich. Um vorbeugend einem
Gewalttabu zum Sieg zu verhelfen, sind vor allem Elternhäuser und
Schulen gefragt. Die verdienen jede Hilfe, erklären sich aber immer
häufiger für überfordert. Wo soll das enden?
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Alexandra Maus
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Datum: 08.04.2018 - 19:14 Uhr
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