Flüchtlingsschutz nicht kleinmachen/ EKD-Migrationsexperte Präses Rekowski zum heutigen Weltflüch

Flüchtlingsschutz nicht kleinmachen/
EKD-Migrationsexperte Präses Rekowski zum heutigen Weltflüchtlingstag

ID: 1622639
(ots) - Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni
ruft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dazu auf, den
Flüchtlingsschutz in Europa nicht weiter zu gefährden. Präses Manfred
Rekowski, Leitender Geistlicher der Evangelischen Kirche im Rheinland
und Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der EKD
stellte fest: "In der politischen Debatte gibt es kaum mehr Stimmen,
die Schutz für diejenigen fordern, die dort, wo sie zuhause sind,
nicht bleiben können." Er erinnerte daran, die Perspektive der
schutzsuchenden Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren: "Wer mit
Flüchtlingen spricht, weiß: Diese Kinder, Frauen und Männer sind
nicht ohne Grund auf dem Weg. Sie fliehen vor Krieg und Gewalt, weil
ihre Lebensgrundlagen zerstört wurden, als politisch Verfolgte oder
weil sie eine Zukunft suchen, die es in ihrem Land für sie nicht
gibt, an der sie aber Teil haben wollen. Wir brauchen wirksame
Masterpläne für die Bekämpfung von Fluchtursachen, für besseren
Flüchtlingsschutz und für eine moderne Einwanderungspolitik."

Insbesondere kritisierte Präses Rekowski die europäische
Flüchtlingspolitik. Die EU lagere systematisch Verantwortung aus und
bezahle andere Staaten für die Abwehr oder die Aufnahme von
schutzsuchenden Menschen. "Allen politischen Verantwortlichen muss
klar sein, was es heißt, das Asylrecht anzutasten und den
Flüchtlingsschutz kleinzumachen: Menschen werden an Grenzen
abgewiesen, von Land zu Land weitergeschickt, oder sie kommen in
Seenot um. Eine Politik der ausgelagerten Verantwortung ist nicht
hinnehmbar", so Rekowski. All dies habe, so Rekowski, verheerende
Auswirkungen - auch für Europa. "Nehmen wir in Kauf, was jenseits
unserer Grenzen in libyschen Lagern geschieht und dass Jahr um Jahr
tausende Menschen im Mittelmeer ertrinken, bleibt das für uns in


Europa nicht folgenlos. Unsere eigene Würde, ja, unsere Humanität
droht daran zugrunde zu gehen. Denn welchen Stellenwert Rechte und
Freiheiten für uns haben, zeigt sich daran, ob wir sie
Schutzsuchenden zugestehen. Nach christlichem Verständnis sind
Menschenwürde und Menschenrechte unteilbar."

In diesem Zusammenhang erinnerte Rekowski daran, dass im
weltweiten Vergleich nur wenige Flüchtlinge nach Europa kommen. Die
meisten Menschen, die ihr Land verlassen müssen, suchen Zuflucht in
Nachbarländern. Kenia und Jordanien beherbergen die größten
Flüchtlingslager der Welt; der kleine Staat Libanon hat prozentual
weltweit die meisten syrischen Kriegsflüchtlinge aufgenommen. In
Bezug auf Fluchtursachen hob Rekowski hervor: "Viele Flüchtlinge
fliehen vor Folgen, die unsere Politik, unser Wirtschaften und unser
Lebensstil mitverursacht haben. Ob Waffenexporte, Konfliktrohstoffe,
Klimawandel - hinter solchen Stichworten lassen sich die langen
Verantwortungsketten ausmachen, die uns mit den Flüchtlingen
verbinden." Es sei illusorisch zu glauben, der weltweite Austausch
von Waren und Informationen in einer globalisierten Welt könne nur
einseitig funktionieren; im Gegenteil sei die Welt von
Wechselwirkungen geprägt. "Die Tatsache, dass Ende 2017 laut dem
Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen 68,5 Mio. Menschen
weltweit auf der Flucht waren , zeigt: Migration - ob erzwungen oder
freiwillig - ist eine politische Steuerungsaufgabe. Das Weltproblem
Flucht wird nicht durch Symbolpolitik oder nationale Alleingänge
gelöst. Benötigt werden solidarische und menschenrechtsorientierte
Lösungen."

Er stellte klar, dass nicht alle Schutzsuchenden in Deutschland
asylberechtigt seien, forderte jedoch genau deshalb faire und
individuelle Asylverfahren. Ob dies in den geplanten 'AnKER-Zentren'
gewährleistet werden kann, sei sehr fraglich. "Es ist fatal, wenn im
europäischen Asylrecht demnächst nicht mehr nach den Fluchtgründen
gefragt wird. Wenn nur noch geprüft wird, ob es einen anderen
sogenannten 'Sicheren Drittstaat' gibt, in den man die Menschen
abschieben kann, wird die Genfer Flüchtlingskonvention in Frage
gestellt. Das Unsichere lässt sich nicht per Dekret als sicher
umetikettieren. Das gilt zum Beispiel für Libyen wie auch für
Afghanistan."

Hannover, 20. Juni 2018

Pressestelle der EKD

Carsten Splitt



Pressekontakt:
Carsten Splitt
Evangelische Kirche in Deutschland
Pressestelle
Stabsstelle Kommunikation
Herrenhäuser Strasse 12
D-30419 Hannover
Telefon: 0511 - 2796 - 269
E-Mail: presse@ekd.de

Original-Content von: EKD Evangelische Kirche in Deutschland, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  rbb exklusiv: UNHCR-Sprecherin für gesamteuropäische Lösung des Flüchtlingsproblems Susanne Daubner moderiert Kinderschutzpreis HELDENHERZ 2018 /
Bewerbungen für Medienpreis der Stiftung Mittagskinder bis Ende Juli (FOTO)
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.06.2018 - 07:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1622639
Anzahl Zeichen: 5059

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Hannover



Kategorie:

Soziales



Diese Pressemitteilung wurde bisher 584 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Flüchtlingsschutz nicht kleinmachen/
EKD-Migrationsexperte Präses Rekowski zum heutigen Weltflüchtlingstag
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

EKD Evangelische Kirche in Deutschland (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm ruft zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf/Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an (Sacharja 2,12) ...
Anlässlich des bevorstehenden Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) hat der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zu Wachsamkeit gegen Antisemitismus aufgerufen und dabei auch an die Schuld der chri

Bedford-Strohm: "Wir beten für alle, die einen Menschen verloren haben" / Evangelische Kirche unterstützt Gedenkaktion #lichtfenster des Bundespräsidenten ...
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird sich an der Aktion #lichtfenster von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beteiligen und ruft dazu auf, jeden Freitag nach dem Dunkelwerden ein Licht zum Andenken an die Toten der Corona-Pandemie ins Fenster zu stellen. "Ich freue mich sehr

Menschen an den EU-Außengrenzen nicht vergessen / EKD unterstützt Familienzusammenführungen finanziell ...
Auf die Situation der Geflüchteten auf der griechischen Insel Lesbos hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, aufmerksam gemacht: "Auch drei Monate nach dem Brand in Moria bleibt die Situation der geflüchteten Menschen entse


Weitere Mitteilungen von EKD Evangelische Kirche in Deutschland


rbb exklusiv: UNHCR-Sprecherin für gesamteuropäische Lösung des Flüchtlingsproblems ...
Die leitende Pressesprecherin des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR), Melissa Fleming, hat angesichts wachsender Flüchtlingszahlen mehr internationale Solidarität gefordert. Angesichts von Kriegen oder Konflikten hätten viel Menschen keine andere Wahl, als zu fliehen, sagte Fleming

Kindernothilfe-Jahresbilanz 2017: Kindesschutz ist weltweit zentrale Herausforderung ...
Der Schutz von Mädchen und Jungen gerade in schwierigen Lebenssituationen bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der Kindernothilfe. "Wenn Kinder Hunger leiden, auf der Flucht sind, missbraucht werden oder schwer schuften müssen, brauchen sie vertrauensvolle Hilfe an ihrer Seite", sagt

Jury nominiert Journalisten für Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte 2018 / Kinderhilfsorganisation Plan International lädt zur Preisverleihung am 27. September ...
Die diesjährigen Finalisten des Journalistenpreises der Ulrich Wickert Stiftung stehen fest. Für den Preis Deutschland/Österreich nominierte die Jury drei Journalistinnen, die beeindruckende Reportagen über Kinder in Entwicklungsländern eingereicht haben. Darüber hinaus können vier Journ

Weltflüchtlingstag: 36 Millionen Kinder auf der Flucht ...
Noch nie in der Nachkriegszeit waren so viele Kinder auf der Flucht. Jeder zweite Flüchtling weltweit ist ein Kind, insgesamt sind das 36 Millionen. Sie ertrinken, sterben an Hunger und Durst, werden Opfer von Menschenhandel, Kidnapping, Vergewaltigung oder Mord: Anlässlich des Weltflüchtlingst


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z