junge Welt: Kulturzeitschrift Melodie& Rhythmus erscheint weiter/ Mit einer Crowdfunding-Kampagne schaffen Lesende, Künstler und Verlag Voraussetzungen für die nächsten Ausgaben
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Rhythmus wird weiter erscheinen. Das teilte die herausgebende Verlag
8. Mai GmbH, in der auch die Tageszeitung junge Welt erscheint, am
Freitag in Berlin mit. Möglich sei dies, weil sich in den letzten
Wochen zahlreiche Leserinnen und Leser, aber auch viele Künstler und
Kulturschaffende für die Weiterführung des 1957 in der DDR
gegründeten Magazins stark gemacht haben und über 1.200 zusätzliche
M&R-Abonnenten gewinnen konnten. Damit sei eine zentrale materielle
Voraussetzung geschaffen, die Produktion wieder aufzunehmen, so
Verlagsgeschäftsführer Dietmar Koschmieder.
Mit der vorläufig letzten Ausgabe, die Anfang Januar 2018 auf den
Markt kam, teilte der Verlag noch mit, dass das quartalsweise
erscheinende Magazin eingestellt werden müsse: Durch die
Weiterentwicklung von einer Musikzeitschrift zum Magazin für
Gegenkultur würden wesentlich höhere inhaltliche Anforderungen
gestellt, die mit den bisherigen ökonomischen Möglichkeiten auf Dauer
nicht realisiert werden könnten. Aufgrund zahlreicher Proteste und
Nachfragen von Leserinnen und Lesern, aber auch vieler Künstler
entwickelte der Verlag eine spezielle Form von Crowdfunding und
teilte Anfang April mit, dass die Produktion der Zeitschrift wieder
aufgenommen werden könnte, wenn bis zum 30. Juni mindestens 1.000 und
bis zum Jahresende weitere 400 Abonnements beim Verlag eintreffen.
Über viele Aktionen, Veranstaltungen, Infostände, Abobeileger und
Anzeigen in linken Zeitungen und Zeitschriften kamen bis Freitag
1.214 Abonnements zusammen. Für die nächsten vier Hefte wurden bisher
vorab Anzeigen im Wert von 14.000 Euro geschaltet. Über 40 Künstler
haben ihre Fans aufgerufen, sich für die M&R einzusetzen, so der
Liedermacher Konstantin Wecker, der Kabarettist Christoph Sieber, der
Theaterregisseur Johann Kresnik, der Soziologe Moshe Zuckermann, der
Fotograf Steffen Diemer, die Sängerin Esther Bejarano, der
Schriftsteller Dietmar Dath, der Maler Hartmut Kiewert, die
Cumbia-Ska-Punkband Che Sudaka, das Weber-Herzog Musiktheater, der
Psychoanalytiker Klaus-Jürgen Bruder, der Rapper Albino, der
Komponist Nicolaus A. Huber, die Liedermacherin Dota Kehr, der
Graffiti-Künstler Sozi36 und der Songpoet Aernschd Born - um nur
einige zu nennen.
Als erster Schritt für eine nächste Nummer des Magazins wird nun
das Produktionsteam der Melodie & Rhythmus wieder aufgebaut. Neben
bewährten Kräften wie Chefredakteurin Susann Witt-Stahl werden neue
Mitstreiter gesucht, so ein weiterer Redakteur bzw. eine Redakteurin
zur Stärkung des Teams. Auch die Künstlerinitiative soll
weiterentwickelt werden. Läuft alles nach Plan, können die neuen und
alten Abonnenten das nächste Heft des Magazins für Gegenkultur Mitte
Dezember im Briefkasten finden. Dieser Erfolg kam selbst für die
Blattmacher überraschend. "Das wir noch vor dem 30. Juni so deutlich
über dem angepeilten Ziel liegen, damit haben wir nicht gerechnet",
freut sich Susann Witt-Stahl. "Das Ergebnis der Aktion zeigt das
große Interesse an einer alternativen Kulturzeitschrift, die dem vom
Marktinteressen gesteuerten Mainstream und den kulturellen
Hegemonieansprüchen von ganz rechts etwas Kraftvolles entgegensetzen
kann." Noch seien nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt, aber mit
solcher Unterstützung seien auch diese zu nehmen. Bis zum Jahresende
2018 sollen nun insgesamt 1.700 neue Abonnements gewonnen werden -
dieses Ziel war ursprünglich für das Jahresende 2019 vorgesehen.
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Datum: 29.06.2018 - 11:20 Uhr
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