Mittelbayerische Zeitung: Trumps Horror-Show / Das Bild, das der US-Präsident neben dem Kreml-Chef

Mittelbayerische Zeitung: Trumps Horror-Show / Das Bild, das der US-Präsident neben dem Kreml-Chef abgab, war jämmerlich. Von Karl Doemens

ID: 1631359
(ots) - Er hat ihn tatsächlich gefragt. Aber Putin hat
"Nein" gesagt. Keine Troll-Angriffe auf soziale Netzwerke, keine
Hacker-Attacke auf die Rechner der US-Demokraten, kurzum: keinerlei
Einmischung in den US-Wahlkampf. "Er hat gesagt, dass Russland es
nicht war", erklärte Donald Trump nach seinem mehr als zweistündigen
Vier-Augen-Gespräch mit dem russischen Präsidenten treuherzig: "Und
ich sehe keinen Grund, warum sie es gewesen sein sollen." Man muss
zwei oder dreimal durchatmen, um die Ungeheuerlichkeit dieser Szene
zu erfassen: Seit zwei Jahren liefern sämtliche US-Geheimdienste
immer neues Material, aus dem hervorgeht, dass Personen in St.
Petersburg und in Moskau 2016 gezielt und massiv versucht haben, die
demokratischen Präsidentschaftswahlen in den USA zu beeinflussen.
Gerade erst hat der vom US-Justizministerium eingesetzte
Sonderermittler Robert Mueller Anklage gegen zwölf russische
Geheimdienstoffiziere erhoben. Seine Papiere listen minutiös auf, wie
die Cyber-Attacke ablief. Unklar ist nur, ob die Aktion von Putin
angeordnet worden war. Aber ein fremdes, autokratisch regiertes Land
hat versucht, Einfluss auf das höchste Gut jeder Demokratie zu nehmen
- die freie, gleiche Stimmabgabe seiner Bürger. Und was macht der
amerikanische Präsident bei seiner Begegnung mit dem fremden
Staatschef? Er windet sich, relativiert, befeuert
Verschwörungstheorien, kritisiert die heimische Opposition und stellt
sich schließlich gegen seine eigenen Behörden auf die Seite des
Autokraten. Keine Kritik, nicht einmal eine Ermahnung, nichts. "Sie
haben gerade eine der vielleicht beschämendsten Vorstellungen eines
US-Präsidenten verfolgt", gab CNN-Starreporter Anderson Cooper seine
professionelle Zurückhaltung auf, und selbst republikanische
Politiker mochten ihm nicht widersprechen. Der von Trump seit Monaten
angepriesene Gipfel von Helsinki hat den denkbar schlechtesten


Verlauf genommen. In der Sache hat er offenbar keine Fortschritte
gebracht. Zwar prahlte Trump anschließend wie üblich: "Es lief sehr
gut!" Doch schon sein Verzicht darauf, die Begegnung zum
bedeutendsten Ereignis des Jahrhunderts zu verklären, war verdächtig.
Tatsächlich hatten die beiden Präsidenten in ihrer Pressekonferenz
kaum mehr als Plattitüden zu verkünden: Man müsse das Vertrauen
zwischen den Supermächten stärken, für den Frieden arbeiten und die
Verbreitung von Atomwaffen begrenzen, erklärten sie. Weder zum
Bürgerkrieg in Syrien, noch zur Zukunft der Ukraine gab es
irgendetwas Konkretes. Das Treffen mit Putin werde seine einfachste
Übung sein, hatte der Poltergeist im Weißen Haus vorher herausposaunt
und auf eine Wiederholung der "Trump-Show" für seine Anhänger
gesetzt. Offensichtlich hat er den kühlen Machtstrategen Putin
sträflich unterschätzt. Während der US-Präsident im Vorfeld mit
seiner Kritik an der Nato, Attacken gegen Deutschland und der
Diffamierung der Europäischen Union als "Feind" den Westen gespalten
und Russland in die Karten gespielt hatte, blieb Putin mit maliziösem
Lächeln eisenhart. Von Anfang an hatte er bei der Begegnung die
Oberhand. Erst ließ er Trump fast eine Stunde warten, dann
widersprach er ihm offen in der Iran-Politik und bei der Gas-Pipeline
Nordstream 2, und warf ihm schließlich einen WM-Ball zu, woraufhin
Trump erklärte, die USA wollten 2026 versuchen, ein ähnlich guter
Gastgeber zu sein wie Russland. Das ganze Bild, das Trump neben dem
stets kontrollierten Kreml-Chef abgab, war jämmerlich. Natürlich
erwähnte er weder die Lage der Menschenrechte in Russland, noch
sprach er sich für die Pressefreiheit aus. Das wäre auch schräg
herübergekommen, nachdem er zuhause die Journalisten als "Feinde des
Volkes" beschimpft und sich inzwischen weigert, Fragen des
US-Nachrichtensenders CNN zu beantworten. Je länger die
Pressekonferenz in Helsinki dauerte, desto mehr schien Trump den
Anlass zu vergessen und von seiner aberwitzigen Selbstfixierung
übermannt zu werden. "Es gab keine Zusammenarbeit" (mit den Russen),
beteuerte er mehrfach: "Wir haben eine brillante Kampagne gemacht.
Deshalb bin ich Präsident." Für das schlechte Verhältnis zu Russland
machte er die US-Demokraten und Sonderermittler Mueller
verantwortlich. Putin hatte die letzte Antwort schon beendet, als
Trump noch einmal nach dem Mikrofon griff: "Das Ganze ist eine
komplette Hexenjagd", stieß er aus. Als Zuschauer fühlte man sich
eher in einer Horror-Show. Der Gedanke, dass bei dem Gespräch mit
Putin außer zwei Dolmetschern keinerlei Ohrenzeugen dabei waren und
die Welt wahrscheinlich nie erfahren wird, was dort vereinbart wurde,
wirkt beunruhigend. Bislang schien es kompromittierendes Material
gegen einen US-Präsidenten, das in Moskauer Panzerschränken
schlummert, nur in der fiktiven Welt der Agenten-Thriller zu geben.
Nach dieser bizarren Vorstellung ist man sich nicht mehr so sicher.



Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

Original-Content von: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Allg. Zeitung Mainz: Kaninchen / Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Gipfeltreffen Trump - Putin Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Bessere Bedingungen für die Pflege
Motivation
Dirk Müller
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 16.07.2018 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1631359
Anzahl Zeichen: 5606

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Regensburg



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 409 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Trumps Horror-Show / Das Bild, das der US-Präsident neben dem Kreml-Chef abgab, war jämmerlich. Von Karl Doemens"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Dunkle Wolken am Tag der Arbeit / Die Gewerkschaften stehen vor großen Herausforderungen. Hohe Tarifforderungen sind nachvollziehbar, aber sie dürfen die Inflation nicht zu sehr befeuern. ...
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C

Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt

Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,


Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung


Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Bessere Bedingungen für die Pflege Motivation Dirk Müller ...
Es ist eine prägende Erfahrung. Wer je krank und schwach und auf die Hilfe von Mitmenschen angewiesen war, weiß, was Hilflosigkeit mit Würde zu tun hat. Wer dann Zuwendung erlebt, die gleichermaßen professionelle Fähigkeit und Mitmenschlichkeit ausstrahlt, kann sich glücklich schätzen. Man

Allg. Zeitung Mainz: Kaninchen / Kommentar von Reinhard Breidenbach zum Gipfeltreffen Trump - Putin ...
Mit Trump und Putin ist es so wie mit dem Kaninchen und der Schlange. Nur, dass das Kaninchen sich für unglaublich schlau und stark hält und mit Abscheu Befürchtungen zurückweist, es könnte ein Opfer der Schlange werden. Und die Schlange lässt das Kaninchen in diesem Glauben. Materiell betr

Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zum Putin-Trump-Gipfel ...
Putin kann das Treffen mit Trump in jedem Fall als Erfolg verbuchen, hat er doch die neue Stärke seines Landes in der Welt demonstriert. Auch wenn sich in Russland die Stimmen mehren, die eher bessere Lebensverhältnisse daheim fordern. Trump kann für sich in Anspruch nehmen, den Dialog

NRZ: Wenigstens nichts kaputt gemacht - ein Kommentar von JAN JESSEN ...
US-Präsident Donald Trump hat das Gipfeltreffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin zwar ohne substanzielle Ergebnisse, aber immerhin auch ohne außenpolitische Verwüstungen hinter sich gebracht. Aufatmen in der einen oder anderen westlichen Hauptstadt. Trump hat Putin keine allzugro


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z