Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel zur Uefa/neuem Wettbewerb: Spiel mit Grenzen von Maximiliane Gross
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Volkssport. Ganz egal, ob Bauarbeiter oder Professor, am örtlichen
Fußballplatz treffen sich alle, fiebern mit ihren Teams, diskutieren
hitzig über Schiedsrichterentscheidungen und die Leistung der
Mannschaften. Eigentlich. Aber das ist schon lange nicht mehr die
Realität. Der Fußball ist inzwischen auch Kommerz, er ist ein
Geschäft, er ist hoch professionell organisiert. Das hat den Sport
von dem entfernt, was er einmal war. Wenn die Uefa nun ihre Pläne
wahr macht, und einen weiteren europäischen Wettbewerb einführt, mag
das im Interesse der Offiziellen sein; im Interesse des Fußballs ist
es nicht. Man könnte sagen: Alles nicht so schlimm. Die Fans haben
sich ja schon an andere Dinge gewöhnt. Schließlich läuft die
Champions League seit der laufenden Spielzeit auch schon nicht mehr
im Free-TV. Aber selbst das ist schon unfair. Denn nicht jeder kann
oder will sich ein teures Pay-TV-Abo leisten. Dasselbe gilt für
Fanartikel und Eintrittskarten. Auch hier könnte man schulterzuckend
sagen: Na und? Aber das widerstrebt dem Grundgedanken: Fußball ist
für alle Bevölkerungsschichten gedacht. Darin liegt allerdings auch
das Problem begründet: Wenn es möglich ist, sich als
Fußballbegeisterter quasi überall und fast zu jederzeit mit anderen
Fans weltweit zu unterhalten, ist klar, warum sich mit diesem Sport
so viel Geld verdienen lässt. Das ist an sich nichts Schlechtes. Mehr
Geld, mehr Möglichkeiten. Bessere Spieler, modernere Stadien,
professionelle Ligen mit spannenderen Begegnungen, modernere Technik,
die hilft, die Spiele gerechter zu machen - Stichwort Videobeweis
oder Torlinientechnik. Aber: Bei allen Änderungen darf der Fußball
seinen Ursprung nicht verlieren. Im Moment sind sowohl Uefa- als auch
Fifa-Offizielle jedoch auf dem besten Weg, das Aushängeschild des
europäischen Sports zugrunde zu kommerzialisieren. Dazu kommt, dass
die Uefa nicht ehrlich ist: Es geht nur vordergründig darum, die
kleineren und mittleren Mitgliedsverbände auf internationaler Ebene
präsentieren zu können. Knapp 50 Mannschaften spielen derzeit in der
Euro League und viele von ihnen scheiden nicht ohne Grund bereits in
der Gruppenphase aus. Es wäre interessant zu wissen, wie viele
Fußballfans wirklich Interesse an diesen Spielen haben oder in
Zukunft bereit wären, sich noch mehr solcher Begegnungen anzusehen.
Zudem haben viele der kleinen Vereine nicht die personellen,
finanziellen oder strukturellen Kapazitäten, einen Kader aufzubauen,
der gut genug ist, um mittelfristig auf dem geforderten Niveau
mitzuhalten. Nürnberg etwa war 2008 in der Situation, dass sie als
Pokalsieger international spielten, in der gleichen Saison aber aus
der Ersten Bundesliga abstiegen, weil die Belastung zu viel für die
Mannschaft war. Nein, hier geht es nicht um die Belange der Vereine,
hier geht es um knallharte finanzielle Interessen, die höchstens
zugunsten der Uefa sind. Das Geld, das jetzt in die Hand genommen
werden müsste, um einen neuen, dritten Wettbewerb zu etablieren,
könnte auch anders verwendet werden: Ticketpreise könnten, wenn nicht
billiger, dann zumindest im Preis stabil gehalten werden.
Fußballübertragungen könnten wieder fester Bestandteil im Free-TV
werden, Merchandising-Artikel könnten auch für Familien mit drei
fußballbegeisterten Kindern erschwinglicher sein. Noch stecken die
Pläne für den dritten europäischen Vereinswettbewerb in den
Kinderschuhen - zumindest offiziell. Wie weit die Planungen im
Hintergrund schon sind, hat die Uefa nicht verraten. Es täte dem
Fußball gut, wenn sie in der Schublade blieben. Schon heute geht es
mehr um Transfersummen und Millionengehälter der Stars als um das,
was am Ende auf dem Rasen passiert. Und wenn sich Mannschaften
nurmehr durch zugekaufte Spieler definieren, nicht mehr auf den
eigenen Nachwuchs setzen und am Ende austauschbar werden, verkommt
der Fußball am Ende völlig zum Luxusgut: teuer, aber auch langweilig.
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Datum: 02.09.2018 - 20:36 Uhr
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