Rheinische Post: Kommentar /
Wahl mit Risiko
= VON EVA QUADBECK
ID: 1653192
Erstmals in der Ära Merkel hat Volker Kauder bei der Wahl zum
Fraktionsvorsitz einen Gegenkandidaten. Der Mann ist kein Revoluzzer
und auch als Kritiker der Kanzlerin war der Finanzexperte bisher nur
sehr dezent zu vernehmen. Da gibt es andere Kaliber in der
Unionsfraktion. Eigentlich ist er ein Typ, den Merkel auch selbst
hätte vorschlagen können. Doch obwohl Ralph Brinkhaus ein loyaler
Fraktionschef werden möchte, wäre Merkel im Fall seiner Wahl
irreparabel beschädigt. Bei der Entscheidung Kauder oder Brinkhaus
geht es um mehr als um ein Signal für Weiter-so oder Neuanfang. Es
geht um das Schicksal der Kanzlerin. Merkels Chancen sind gut, dass
es Kauder noch einmal schafft. Die krisenhafte Lage spielt dem
Amtsinhaber in die Hände. Nach der zweiten Regierungskrise in nur
vier Monaten ist der Bedarf nach Chaos bei allen Abgeordneten
gedeckt. Das Risiko, das einer Wahl von Brinkhaus anhaftet, wird
viele Abgeordnete davon abhalten, ihr Kreuz bei Brinkhaus zu machen -
auch jene, die ihn sich eigentlich an der Fraktionsspitze wünschen.
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Datum: 24.09.2018 - 21:10 Uhr
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