Euler Hermes Studie Brasilien: Was Bolsonaro für Wirtschaft und Unternehmen bedeutet
ID: 1666174
- Kurzfristig profitieren Unternehmen von "Quick Wins" aus
Wahlversprechen: 90.000 zusätzliche Unternehmen für 2019 erwartet
- Bis zu 0,3 Prozentpunkte (pp) an zusätzlichem Rückenwind für die
brasilianische Wirtschaft möglich
- Kein Langzeiteffekt in Sicht: Wahlversprechen vage und teilweise
völlig unrealistisch
- Ungünstiger Cocktail aus steigenden Risikoprämien, höheren
Zinssätzen, sinkendem Vertrauen von Investoren und Abwertung der
Währung am Horizont
- Unternehmensverschuldung wird dadurch zum Problem: insbesondere
Einzelhandel, Automobilzulieferer, Textilindustrie, Lebensmittel- und
Energiesektoren mit hohen Risiken
Die Wahl des Rechtspopulisten Jair Bolsonaro zum neuen Präsidenten
Brasiliens ist für die dortigen Unternehmen die "beste der schlechten
Optionen". Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie des führenden
Kreditversicherers Euler Hermes "Brazil: A leap into the unknown".
Börse und Währung haben seit September beide um etwa 12% zugelegt,
und Unternehmen werden vermutlich zumindest kurzfristig von einigen
der angekündigten "Pro-Business" Maßnahmen profitieren, für die der
Präsident nur eine einfache Mehrheit im Kongress benötigt.
"Der Rückendwind an den Märkten war vorab eine Art
'Freigabestempel' für Bolsonaros Wahlankündigungen", sagt Ludovic
Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe und stellvertretender
Chefvolkswirt der Allianz. "Privatisierungspläne, Investitionen in
Infrastruktur oder auch Reformen zur Reduzierung bürokratischer
Hürden bei der Unternehmensgründung sind gute Nachrichten für
Wirtschaft und Unternehmen. 2019 könnte es so bis zu 90.000 mehr
Firmen geben als in diesem Jahr. Tatsächlich sind im Laufe des
kommenden Jahres außerdem bis zu 0,3 Prozentpunkte (pp) an
zusätzlichem Schub für die brasilianische Wirtschaft drin."
Kein Langzeiteffekt: Höhere Zinssätze und Risikoprämien lauern
schon
Dieser Effekt könnte jedoch von kurzer Dauer sein angesichts der
Risiken, die in naher Zukunft an Brasiliens Tür klopfen dürften.
"Das Comeback der Marktvolatilität sowie steigende Risikoprämien
und dadurch auch höhere Zinssätze lauern schon hinter der nächsten
Ecke", sagt Subran. "Dafür gibt es drei Gründe: Erstens sind viele
Wahlversprechen Bolsonaros entweder vage oder völlig unrealistisch.
Zweitens ist die Wahrscheinlichkeit der lange erwarteten und
notwendigen Rentenreform aufgrund der benötigten
Drei-Fünftel-Mehrheit im Kongress eher unwahrscheinlich. Und drittens
könnte der erstaunliche Widerspruch zwischen seinem aktuellen Kurs
eines opportunistisch geprägten Wirtschaftsliberalismus' und seiner
politischen Vergangenheit in der Militärdiktatur ein brasilianisches
Eigentor werden."
Das anvisierte Ziel, 2019 einen ausgeglichenen primären
Staatshaushalt (das heißt vor Zinsen) zu erreichen, ist nach
Einschätzung der Studie unrealistisch: Es würde Einsparungen in Höhe
von 2,4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erfordern. Ein solches
Sparprogramm jedoch könnte bis zu 1,2pp an Wirtschaftswachstum kosten
- und das liegt im laufenden Jahr bei gerade mal gut +1,3%.
Doch was bedeutet das für die Unternehmen im größten Land
Südamerikas? Die Wachstumsaussichten sind mit einem Zuwachs beim BIP
von 2,5% für 2019 alles andere als berauschend. Die sinkende globale
Liquidität kommt hinzu. Lähmende politische Debatten über
beispielsweise die Rentenreform würden zudem die Frage der
Regierbarkeit aufwerfen und das damit verbundene Vertrauen von
Investoren in Mitleidenschaft ziehen.
Problem Verschuldung: Unternehmen haben Schäfchen noch nicht im
Trockenen
"Brasilianische Unternehmen haben ihre Schäfchen noch nicht im
Trockenen" sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland,
Österreich und der Schweiz. "Die Unsicherheit über die Machbarkeit
von Bolsonaros Wahlversprechen könnte zu einer Abwertung des
Brasilianischen Real (BRL) führen. Mit gleichzeitig steigenden
Risikoprämien und höheren Zinssätzen durch das sinkende Vertrauen von
Investoren wird in diesem ungünstigen Cocktail die
Unternehmensverschuldung zum Problem. Exporteure sollten deshalb
insbesondere den Einzelhandel im Auge behalten, aber auch
Automobilzulieferer, Textilindustrie, Lebensmittel- und
Energiesektoren sind aufgrund der hohen Verschuldung mit erheblichen
Risiken verbunden."
Die meisten dieser Branchen werden von Weltmarktführer Euler
Hermes bereits heute als "mit erheblichen Risiken" oder sogar als
"mit hohen Risiken" eingestuft. Der drohende ungünstige Cocktail aus
wirtschaftlichen und politischen Faktoren kommt zu den bereits
bestehenden Unsicherheiten bei Unternehmen hinzu.
"Bei einigen brasilianischen Unternehmen steigt voraussichtlich in
Zukunft das Risiko, dass sie ihre Schulden nicht zurückzahlen
können", sagt Van het Hof. "Sie müssen erst einmal in der Lage sein,
die erheblich höheren Kosten zu stemmen, die sich aus steigenden
Zinssätzen und gleichzeitiger Abwertung der Währung für ihre Kredite
ergeben."
Eine Abwertung der Währung wäre außerdem für Unternehmen ein
Problem, die stark auf Importwaren angewiesen sind, wie
beispielsweise bei Transportausrüstungen, Haushaltsgeräten, im
Maschinen- und Anlagenbau sowie im Elektroniksektor.
"Mit der zarten wirtschaftlichen Erholung nach der Rezession haben
sich die Unternehmensrisiken insgesamt seit Ende 2017 in Brasilien
leicht verbessert", sagt Subran. "Allerdings ist das noch lange keine
Entwarnung. Wir bewerten 61% der dortigen Sektoren mit 'erheblichen
Risiko' - weltweit liegt der Schnitt im Vergleich bei lediglich 23%.
Es gibt in Brasilien zudem keine Branche mit niedrigem Risiko. In
ganz Lateinamerika sind immerhin 11% der Sektoren mit nur geringen
Risiken verbunden. Die brasilianische Wirtschaft hat also auch nach
der Wahl noch Nachholbedarf und einen langen Weg vor sich. Ob der
neue Präsident einen echten Durchbruch erzielen wird, bleibt
allerdings fraglich."
Link zur vollständigen Euler Hermes Studie: http://ots.de/NAxxeL
Euler Hermes ist weltweiter Marktführer im
Kreditversicherungsgeschäft und anerkannter Spezialist in den
Bereichen Kaution, Garantien und Inkasso. Das Unternehmen verfügt
über 100 Jahre Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende
Finanzdienstleistungen an, um sie im Liquiditäts- und
Forderungsmanagement zu unterstützen. Über das unternehmenseigene
Monitoring System verfolgt und analysiert Euler Hermes täglich die
Insolvenzentwicklung kleiner, mittlerer und multinationaler
Unternehmen. Insgesamt umfassen die Expertenanalysen Märkte, auf die
92% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen. Das
Unternehmen mit Hauptsitz in Paris ist in 52 Ländern vertreten und
beschäftigt rund 6.050 Mitarbeiter. Euler Hermes ist eine
Tochtergesellschaft der Allianz und wird von Standard & Poor?s mit
einem Rating von AA bewertet. 2017 wies das Unternehmen einen
konsolidierten Umsatz von EUR 2,6 Milliarden aus und versicherte
weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 894 Milliarden.
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beträchtlich abweichen. Zu solchen Faktoren gehören u.a.: (i) die
allgemeine konjunkturelle Lage einschließlich der
branchenspezifischen Lage für das Kerngeschäft bzw. die Kernmärkte
der Euler-Hermes-Gruppe, (ii) die Entwicklung der Finanzmärkte
einschließlich der ?Emerging Markets? einschließlich
Marktvolatilität, Liquidität und Kreditereignisse, (iii) die
Häufigkeit und das Ausmaß der versicherten Schadenereignisse
einschließlich solcher, die sich aus Naturkatastrophen ergeben;
daneben auch die Schadenkostenentwicklung, (iv) Stornoraten, (v)
Ausmaß der Kreditausfälle, (vi) Zinsniveau, (vii)
Wechselkursentwicklungen einschließlich des Wechselkurses EUR-USD,
(viii) Entwicklung der Wettbewerbsintensität, (ix) gesetzliche und
aufsichtsrechtliche Änderungen einschließlich solcher bezüglich der
Währungskonvergenz und der Europäischen Währungsunion, (x) Änderungen
der Geldpolitik der Zentralbanken bzw. ausländischer Regierungen,
(xi) Auswirkungen von Akquisitionen, einschließlich der damit
verbundenen Integrationsthemen, (xii) Umstrukturierungsmaßnahmen,
sowie (xiii) allgemeine Wettbewerbsfaktoren jeweils in einem
örtlichen, regionalen, nationalen oder internationalen Rahmen. Die
Eintrittswahrscheinlichkeit vieler dieser Faktoren kann durch
Terroranschläge und deren Folgen noch weiter steigen. Das Unternehmen
übernimmt keine Verpflichtung, zukunftsgerichtete Aussagen zu
aktualisieren.
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Datum: 01.11.2018 - 09:00 Uhr
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