Stuttgarter Zeitung: Care Deutschland: 250.000 Jemeniten "akut vom Tode bedroht"
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Karl-Otto Zentel, begrüßt die von den UN vermittelte und beobachtete
Waffenruhe rund um die jemenitische Hafenstadt Hudaida. "Der
Waffenstillstand ist eine tolle Sache - aber er kann nur der erste
Schritt sein. Denn selbst wenn nicht gekämpft wird, kommt kein Gramm
Nahrungsmittel mehr ins Land, dann verhungern immer noch Menschen",
sagte er im Interview mit "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter
Nachrichten" (Montagausgabe).
Zentel hat das Bürgerkriegsland zuletzt Anfang Oktober bereist.
"Der Jemen ist sehr sehr weit von Aussöhnung entfernt", sagte er. Die
Lage sei hochkompliziert. Es gebe viele Interessengruppen, die in
einen Friedensprozess eingebunden werden müssten. "Ich kann nur
hoffen, dass zumindest die Versorgung besser wird und das Sterben
verringert werden kann - ich bin aber auch sehr pessimistisch." Von
20 Millionen hungernden Menschen befänden sich zehn Millionen in
einem extrem kritischen Zustand, und etwa 250.000 seien akut vom Tode
bedroht.
Die staatliche Unterstützung für den Jemen sei - verglichen mit
anderen Krisen - im abgelaufenen Jahr sehr gut gewesen. Für 2018
hatten die Vereinten Nationen knapp drei Milliarden US-Dollar
gefordert - von denen 81 Prozent gekommen seien. Für 2019 rechneten
die UN jedoch mit Kosten von vier Milliarden US-Dollar. "Der
humanitäre Bedarf wächst von Jahr zu Jahr", sagte Zentel.
Massive Kritik übte der Care-Generalsekretär an den großen
Rüstungsexportnationen, die insbesondere die kriegführenden Länder
Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate weiter
beliefern: "Die Tatsache, dass die westliche Welt nicht mal in der
Lage ist, ein Waffenembargo gegen die hauptverantwortlichen Länder zu
verhängen, ist beschämend und ein Armutszeugnis", betonte Zentel.
"Dies wäre zumindest mal ein Signal." Da stünden offenbar
wirtschaftliche vor humanitären Interessen. Der humanitäre Bedarf
koste wahrscheinlich mehr, als an den Waffen verdient werde.
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Datum: 23.12.2018 - 14:00 Uhr
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