Neue Westfälische (Bielefeld): Hackerangriff
Der neue Krieg
Carsten Heil
ID: 1684378
gelangweilt abwenden. Ach, schon wieder ein paar persönliche Daten
sind gehackt und veröffentlicht worden. Diesmal von Politikern und
anderen Prominenten. Was geht es mich an? Kennen wir doch schon.
Diese Reaktion wäre fatal. Denn der neuerliche Angriff ist nur ein
Beispiel für inzwischen tausendfache Cyber-Angriffe auf alle
Lebensbereiche. Wenn nur ein paar persönliche Daten auf diese Weise
veröffentlicht werden, ist das eine üble Tat und kriminell. Der
Betroffene mag sich ärgern, hat den Schaden und viel Arbeit. Mehr
nicht. Allerdings mehren sich gezielte Attacken auf öffentliche
Einrichtungen und Institutionen, die teils lebensnotwendig sind. Zwar
ist der Roman "Blackout" von Marc Elsberg eine Erfindung. Aber
ausgeschlossen sind solche Angriffe nicht mehr. In dem Werk legen
Hacker Kraftwerke und Stromnetze in ganz Europa und den USA lahm. Die
komplette Versorgung der Menschen bricht binnen Tagen zusammen, purer
Existenzkampf hält Einzug. Eine Schreckensvision, die so
unrealistisch nicht mehr ist. In der Ukraine kam es im Winter 2015 zu
einem massiven Stromausfall nach einem Cyberangriff, im Baltikum
wurden Regierungs- und Parlamentsnetze infiziert und auch der
Deutsche Bundestag war wiederholt im Visier ausländischer Hacker. Die
Täter können oft gar nicht ermittelt werden. Erst im August
vergangenen Jahres warnte das Nationale Cyberabwehrzentrum vor einem
so herbeigeführten Stromausfall in ganz Europa. Auch gezielte
Angriffe ausländischer Geheimdienste sind Thema. Erst vor wenigen
Tagen wurde bekannt, dass die Kommunikation hoher EU-Beamter und
Diplomaten ausgespäht worden ist. Besonders im Verdacht sind immer
wieder Russland und China, aber auch die westlichen Staaten sind
nicht untätig. Es geht nicht mehr nur darum, sein eigenes
persönliches Passwort so stark wie möglich zu haben, für alle Dienste
unterschiedliche Sicherungen zu nutzen und ganz wichtige und sensible
Daten auf einer externen Festplatte ohne Internet-Anschluss zu
speichern. Es geht um die nationale Sicherheit. Der neue Krieg ist
digital. Angriffssysteme werden immer raffinierter. Die Abwehr muss
mithalten. Das Cyberabwehrzentrum sollte deutlich aufgerüstet und
besser ausgestattet werden. Die IT-Sicherheit sollte nicht einer
Behörde in Bonn mit gut einem Dutzend Mitarbeitern überlassen sein,
sondern ins Zentrum rücken. Der aktuelle Datenklau ist hoffentlich
ein Weckruf.
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Datum: 04.01.2019 - 20:30 Uhr
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