NRZ: In Zeiten von Unsicherheit wirkt das Grundgesetz als stabiles Fundament - von MANFRED LACHNIET
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Jubiläum. Gleichwohl wird der heutige Geburtstag unseres
Grundgesetzes besonders intensiv gefeiert. Woran das liegt?
Vermutlich an der politischen Stimmung in unserem Land, in Europa und
ebenso in der Welt. Kein Wunder, wenn hierzulande kaum noch jemand
sagen kann, was politisch links und rechts bedeutet. Wenn im
Nachbarland Österreich der Vizekanzler sein Land verkaufen will. Oder
wenn im Weißen Haus jemand alles über den Haufen wirft, was einmal
mühsam ausgearbeitet worden ist. - Wenn so vieles unsicher erscheint,
dann steht das Grundgesetz da wie eine feste Burg. Tatsächlich können
die Deutschen, die ziemlich spät zur Demokratie fanden, sehr stolz
aufs Grundgesetz sein. Der Text ist zwar kühl juristisch formuliert,
er ist aber dennoch eine berührende Lektüre. Es war der Satz "Nie
wieder", der die Autoren der Verfassung inspirierte. Und so schufen
sie mit Worten ein stabiles Fundament, auf das sich ein neuer und
guter Staat aufbauen ließ. Ein demokratischer und ein sozialer Staat
und einer, der die Würde des Menschen an die Spitze stellt. Die
einzelnen Artikel sind so klug formuliert, dass unser
freiheitlich-demokratisches Gemeinwesen bis heute als eines der
stabilsten in der Welt gilt. Sicher auch deswegen, weil das
Grundgesetz die Politik oft zu Kompromissen zwingt. Natürlich macht
der föderale und komplexe Aufbau unseres Staates manche Mühe. Aber am
Ende ist es immer besser, wenn Macht nicht an einer Stelle sitzt,
sondern klug verteilt wird. Die Verfasser des Grundgesetzes vor 70
Jahren wussten das aus eigener Erfahrung nur zu gut. "Nie wieder"
sagten sie und schufen aus den Lehren ein besseres, soziales und
menschenfreundlicheres Deutschland. Was gibt es Schöneres und
Wichtigeres, als dieses Erbe fortzuführen?
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Datum: 22.05.2019 - 18:15 Uhr
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