DeutscherÄrztetag beschließt zur e-Akte: Patientenrechte und Schweigepflicht haben Priorität
ID: 1725474
Patientenakte müssen die ärztliche Schweigepflicht sowie das Recht
auf informationelle Selbstbestimmung der Patienten bewahrt werden.
Das hat der Deutsche Ärztetag am heutigen Freitag in Münster deutlich
gemacht. Der Ärztetag fordert in einem Beschluss auf Initiative der
Freien Ärzteschaft (FÄ), dass Patienten bereits bei Einführung der
e-Akte die Möglichkeit haben müssen, ihre Daten selektiv zu
speichern, freizugeben oder zu sperren. Damit haben sich die Ärzte
klar gegen die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
positioniert.
"Der aktuellen Planung zufolge soll zunächst das
'Alles-oder-Nichts-Prinzip' gelten", erläuterte FÄ-Vizevorsitzende
Dr. Silke Lüder in ihrem Redebeitrag. "Patienten können demnach nicht
entscheiden, wem sie welche Daten zugänglich machen. Damit könnte
beispielsweise auch ein Physiotherapeut auf den HIV-Test seines
Patienten zugreifen." Ebenso wurde scharf kritisiert, dass es bisher
für die gesamte Telematik-Infrastruktur keine
Datenschutzfolgeabschätzung (TI) gibt - obwohl die ehemalige
Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff diese bereits 2018
gefordert hat. "Unter diesen Bedingungen", haben die Ärzte
beschlossen, "darf die elektronische Patientenakte, wie sie im
Referentenentwurf des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) vorgesehen
ist, nicht eingeführt werden." Zudem dürfe keine Ärztin und kein Arzt
gezwungen werden, Medizindaten in ein unsicheres System
einzuspeichern.
Ärzte kritisieren aktuelle Gesetzgebung
Der Deutsche Ärztetag kritisiert außerdem die staatsmedizinischen
Gängelungen und Bevormundungen freiberuflicher Ärztinnen und Ärzte,
wie im Terminservice- und Versorgungsgesetz bereits erfolgt und im
Digitale-Versorgung-Gesetz geplant. "Wir lehnen die zunehmenden
dirigistischen Eingriffe in die Organisation unserer Praxen ab",
sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich. "Sanktionen für Ärztinnen und
Ärzte, die sich aus guten Gründen und aufgrund besten ärztlichen
Gewissens nicht an die Telematik-Infrastruktur anschließen, sind
zurückzunehmen."
In dem entsprechenden Beschluss fordern die Ärzte stattdessen
positive Anreize zur Verbesserung der Medizin, Wertschätzung sowie
Entlastung der Praxen von Aufgaben, die nicht unmittelbar der
Behandlung der Patienten dienen. "Freiberuflich tätige Ärztinnen und
Ärzte benötigen motivierende, wertschätzende und auch längerfristig
verlässliche Arbeitsbedingungen, um ihre Patienten auf höchstem
Niveau und mit Engagement behandeln zu können", begründeten die
Antragsteller unter anderem von der FÄ ihre Forderung.
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den
Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und
zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene
Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des
Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der
FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im
Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.
Pressekontakt:
presse@freie-aerzteschaft.de
V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de
Original-Content von: Freie Ärzteschaft e.V., übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 31.05.2019 - 13:20 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1725474
Anzahl Zeichen: 3862
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Münster
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 571 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"DeutscherÄrztetag beschließt zur e-Akte: Patientenrechte und Schweigepflicht haben Priorität"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Freie (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die jüngsten Diskussionen um den Austausch der Praxis-Konnektoren und die geplante zentrale elektronische Patientenakte haben es mal wieder gezeigt: in puncto Digitalisierung geht im deutschen Gesundheitswesen Vieles schief. Welche Gefahren diese Projekte für PatientInnen und die ärztliche Schw
Statt Schwächung der ambulanten Arztpraxen durch Lauterbachs Spargesetz: / 300 Mio Euro - "Sofortgewinn" für Krankenkassen durch Verzicht auf den Austausch von Praxis-Routern ...
Experten beweisen: ein Verzicht auf den Hardware-Tausch ist möglich Gegen den Widerstand von Ärzteschaft und parlamentarischer Opposition hat Minister Lauterbach jetzt sein Spargesetz verabschieden lassen. In der Folge wird es deutliche Leistungseinschränkungen im Bereich der ambulanten Medizi
"Diese Gesundheitspolitik schadet Ihrer Gesundheit!" ...
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant, dass alles Geld, welches nach dem "Terminservice- und Versorgungsgesetz" seit 2020 zur Verbesserung der Akutversorgung von Notfall- und Neupatienten in den Arztpraxen investiert worden ist, den Arztpraxen wieder entzogen werden soll.
Weitere Mitteilungen von Freie
Das Erste / "hart aber fair" am Montag, 3. Juni 2019, 21:00 Uhr, live aus Berlin ...
Moderation: Frank Plasberg Das Thema: Drei Minister, ein Problem: Was muss sich bei der Pflege ändern? Die Gäste u. a.: Franziska Giffey (SPD, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) Hubertus Heil (SPD, Bundesminister für Arbeit und Soziales) Jens Spahn (CDU, Bundesg
CARE zur Lage in Idlib: Humanitäres Völkerrecht bei Angriffen auf Krankenstationen erneut gebrochen / Schwangere ohne medizinische Hilfe / CARE-Hilfe erreichte im Mai 70.000 Menschen ...
Nach erneuten heftigen Luftangriffen im Nordwesten Syriens ist die internationale Hilfsorganisation CARE gezwungen, einen Teil ihrer Nothilfe einzustellen. Betroffen sind unter anderem zwei Einrichtungen für Geburtshilfe, die schwere Schäden durch Einschläge erlitten haben. Dort wurden bisher
122. DeutscherÄrztetag / Antibiotikaproduktion nach Europa zurückverlagern ...
Der 122. Deutsche Ärztetag in Münster hat die Rückverlegung der Antibiotikaproduktion nach Europa gefordert. "Kommt es zu einem hygienischen oder technischen Problem, steht die Versorgungssicherheit auf dem Spiel", warnte der Ärztetag. Auch sei bei der Produktion in Schwellenländer
Trinity College Dublin: Europäische Spitzenuniversität stärkt Gesundheitsnetzwerk am Bodensee ...
Beim Transfer von Forschung in die Industrie ist das Trinity College Dublin europaweit Spitze: in den letzten zehn Jahren sind 180 neue Unternehmen aus dem Universitätsumfeld hervorgegangen. Der Kontakt zum Trinity entstand im letzten Jahr über einen Impulsvortrag der Institutsleiterin Orla Sheils




