Rheinische Post: Digitale Weiterbildung ernster nehmen
Kommentar Von Birgit Marschall
ID: 1728672
Millionen Erwerbstätigen. Viele kleinere und mittlere Unternehmen
sind überfordert damit, ihre Mitarbeiter so zu schulen, dass sie die
Chancen der Digitalisierung voll ausschöpfen können. Fortbildungen
kosten Zeit und Geld. Die Mehrheit der Arbeitnehmer hilft sich daher
selbst - durch Learning by Doing auch in der Freizeit. Wenn nun die
Bundesregierung mit den Sozialpartnern eine Vereinbarung über eine
"Nationale Weiterbildungsstrategie" trifft, klingt das hochtrabend
und wohlfeil. Zunächst steht diese längst überfällige Strategie auch
nur auf dem Papier. Regierung und Sozialpartner müssen ihren Worten
Taten folgen lassen. Setzt die wackelige große Koalition ihre Pläne
um, käme das Land einen guten Schritt voran. Auch ohne
Digitalisierung ist es richtig, denen, die keinen Berufsabschluss
haben, die Chance zur Nachqualifizierung zu geben oder die
unübersichtliche Vielfalt an Weiterbildungsangeboten auf einer
Plattform zu bündeln. Auch das Kurzarbeitergeld mit
Qualifizierungsangeboten zu verknüpfen, kann sinnvoll sein. Einen
Rechtsanspruch auf Weiterbildung kann und wird es aber nicht geben.
Er würde die Unternehmen schlicht zu viel kosten. Und der Staat in
Gestalt der Bundesagentur für Arbeit wäre de facto nicht in der Lage
einzuspringen und ein solches umfassendes Weiterbildungs-Versprechen
an alle praktisch umzusetzen. So bleibt es letztlich die Aufgabe
jedes einzelnen, fit zu werden für das digitale Zeitalter. Viele
Arbeitgeber müssen ihre Verantwortung allerdings künftig noch ernster
nehmen: Sie sollten ihren Mitarbeitern proaktiv mehr
Fortbildungsangebote machen und Weiterbildungswünsche auch nicht
abbügeln. Dass bisher nur ein bis zwei Prozent aller Arbeitnehmer ihr
Recht auf Bildungsurlaub wahrnehmen, spricht Bände.
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Datum: 12.06.2019 - 19:17 Uhr
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