neues deutschland: Kommentar zu den Luftangriffen auf ein Flüchtlingslager in Libyen
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eines Luftangriffes auf ein Internierungslager für Flüchtlinge bei
Tripolis. Doch es gibt noch eine weitere Zahl, die genauso wichtig
ist und gerade bei einer solchen Gräueltat in den Hintergrund rückt:
6000. Laut Angaben des libyschen Ministeriums zur Bekämpfung der
illegalen Migration werden derzeit 6000 Menschen in
Internierungslagern festgehalten, die von der Nationalen
Einheitsregierung mit massiver Finanzspritze der EU unterhalten
werden. Die Zustände dort sind bekannt: Folter, Missbrauch und sogar
Sklavenhandel durch die Kämpfer der Einheitsregierung. Augenzeugen
aus dem bombardierten Lager bei Tadschura berichteten, dass nach dem
ersten von zwei Einschlägen die örtlichen Milizen mit Schüssen die
Menschen vor einer Flucht aus ihrer Baracke gehindert hätten. Der
zweite Einschlag traf dann genau diese.
Die EU ist nicht für die Angriffe vom Mittwoch verantwortlich. Das
Morden der lokalen Machthaber in Libyen steht und fällt nicht mit den
Millionen aus Brüssel. Doch die EU ist mitschuldig daran, dass diese
Menschen zwischen den Fronten eines Bürgerkriegs inhaftiert werden -
angeblich auch, um sie vor einer lebensgefährlichen Überfahrt nach
Europa zu schützen. Am Donnerstag verkündete sogar überraschend der
Innenminister der Einheitsregierung, man erwäge nun die Schließung
aller Lager. Die EU sollte diese Idee unterstützen.
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Datum: 04.07.2019 - 18:10 Uhr
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