Westdeutsche Zeitung: Warum ein Zentralabitur notwendig ist (Leitartikel von Olaf Kupfer)
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Bildungspolitiker und Fachleute genau hinsehen, wenn der Bund ein
Zentralabitur einführen möchte, wie er das schon 2007 wollte: Je nach
Regierungsfarben werden dem einen dann die falschen Prioritäten
gesetzt, andere finden, dass mit einem bundesweit einheitlichen
Standard fast immer der niedrigste manifestiert wird. Und dann gibt
es natürlich das Stöhnen der Länder: Alles ganz speziell bei uns,
uneinheitliche Fächer, andere Traditionen und überhaupt (dann
unausgesprochen): Warum sollten wir eigentlich eines der letzten uns
verbliebenen politischen Hoheitsrechte im Land aufgeben? Das hat dann
auch etwas mit der Angst vor politischer Selbstverzwergung und
Bedeutungslosigkeit zu tun.
Wenn man ehrlich ist, sind das aber alles Argumente, die an der
Sache nicht sonderlich viel Interesse zeigen. In der geht es nämlich
darum, eine Vergleichbarkeit von Schülerleistungen zu erreichen, die
deren weiteren Lebensweg zu fairen Bedingungen initiiert. Dann, wenn
es um die Aufnahme an Universitäten geht, an denen sich aus aller
Herren Länder Schülerinnen und Schüler um die gleichen Studienplätze
bewerben. Oder dann, wenn Lieschen Müller aus Duisburg in
Nordrhein-Westfalen nach Traunstein in Bayern umzieht und zu völlig
anderen Bedingungen ins Abitur geführt wird, als ihr das in der
Heimat begegnet war.
Und zuletzt: Warum sollten wir uns bei der Vereinheitlichung denn
tatsächlich immer auf dem untersten Niveau treffen? Das würde
viel unwahrscheinlicher, wenn das Zentralabitur nicht ein kläglicher
Kompromiss aus politischem Kuhhandel und politisch niederer
Besitzstandswahrung wäre, sondern ein sinnvolles Curriculum von
Experten und Fachleuten, die sich aus Abhängigkeiten befreien und die
höchste Bildung im Sinn haben. Ob der dann am Ende Nationaler
Bildungsrat heißen muss, sei dahingestellt.
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Datum: 08.07.2019 - 20:20 Uhr
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