BERLINER MORGENPOST: Passagierboom statt Flugscham / Kommentar von Thomas Fülling zum Flugverkehr

BERLINER MORGENPOST: Passagierboom statt Flugscham / Kommentar von Thomas Fülling zum Flugverkehr

ID: 1742314
(ots) - Kurzform: Um es klar zu sagen: Wer einmal im Jahr
länger Urlaub hat, muss sich nicht dafür schämen, wenn er dafür auch
mal in den Flieger steigt. Der darf durchaus auch mal ein Stück
weiter wegfliegen. Die Möglichkeit, andere Länder zu bereisen und
andere Kulturen kennenzulernen, darf nicht wieder zum Privileg
kleiner und vermögender Eliten werden.

Der vollständige Kommentar: Der Verzicht auf klimaschädliche Flüge
ist eine der Hauptforderungen der gerade in Berlin so populären
Fridays-for-Future-Bewegung. Im Alltagshandeln schlägt sich das
bislang allerdings kaum nieder. Trotz um sich greifender Flugscham:
Urlaubsreisen mit dem Flugzeug sind bei den Berlinern so beliebt wie
nie. Wirklich überraschend kommt das nicht. Andere im Allgemeinen und
den Staat im Besonderen zum Handeln aufzurufen, ist naturgemäß
leichter, als das eigene tägliche Tun auf den Prüfstand zu stellen.
Und so ist für viele Familien der Urlaub auf Mallorca oder auf einer
griechischen Insel fester Bestandteil der Jahresplanung. Alternativen
ohne Flug gibt es zwar. Doch jeder, der einmal eine Ferienwohnung auf
Usedom mitten in der Hauptsaison gebucht hat, weiß: Ein
kostengünstiges und auch noch wetterfestes Vergnügen ist das nicht
unbedingt. Um es klar zu sagen: Wer einmal im Jahr länger Urlaub hat,
muss sich nicht dafür schämen, wenn er dafür auch mal in den Flieger
steigt. Der darf durchaus auch mal ein Stück weiter wegfliegen. Die
Möglichkeit, andere Länder zu bereisen und andere Kulturen
kennenzulernen, darf nicht wieder zum Privileg kleiner und
vermögender Eliten werden. Doch es gibt genügend Möglichkeiten, auch
ohne Urlaubsrestriktionen etwas zu tun. So ist es mehr als fraglich,
ob im Supermarkt wirklich das ganze Jahr über Kiwis und Mangos
verfügbar sein müssen. Sie werden fast immer über weite Strecken mit


dem Flugzeug transportiert. Auch die noch immer zwei Amtssitze der
Bundesregierung und die damit verbundene häufige Pendelei der Beamten
gehören auf den Prüfstand. Besonders wichtig ist, die Bahn wieder zu
einem leistungsfähigen Verkehrsmittel zu machen, das mich zuverlässig
von einem Ort zum anderen bringt. Gern auch auf längeren Strecken in
einem bequemen Nachtzug. Spürbare Veränderungen in der Mobilität sind
möglich, auch ohne Verbote und erhobenen Zeigefinger.



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Datum: 02.08.2019 - 20:22 Uhr
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