Rheinische Post: Fallpauschalen passen nicht zu Kindern
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Die Einführung der Fallpauschale vor rund zehn Jahren war gut
gemeint: Damit kein Krankenhaus mehr versucht ist, Kranke länger und
komplizierter als nötig zu therapieren, sollten konkrete medizinische
Leistungen die Höhe der Rechnung bestimmen und nicht mehr die
Aufenthaltsdauer der Patienten.
Bei der Abrechnung kindermedizinischer Leistungen funktioniert das
aber nicht. Kinder brauchen viel mehr Zeit und Erklärungen als
Erwachsene, bevor sie mit dem Aufschneiden ihres Bauches
einverstanden sind. Sie brauchen auch ein eigenes Sortiment an
Masken, Tuben und Kanülen. Andere Narkosegespräche und vielleicht
auch noch ein zusätzliches Bett für die Mutter oder den Vater, wenn
sie anders nicht einschlafen können. Diesen Mehraufwand
berücksichtigt das komplizierte Fallpauschalen-System aber offenbar
nicht. Der Behandlungsaufwand von Erwachsenen mag ja noch
standardisierbar sein. Dass Kinder - zumal in
Notsituationen - keinem Standard mehr entsprechen, leuchtet
auch dem Laien ein. Man kann es den Krankenhausmanagern nicht
verübeln, wenn sie in ihren Kinderstationen ein wachsendes Problem
sehen.
Trotzdem sollte man die Kirche im Dorf lassen. Das bundesweite
Angebot an kindermedizinischen Kapazitäten ist immer noch gut, und
insbesondere in NRW ist es im Bundesvergleich überdurchschnittlich.
Eine Schieflage mag sich abzeichnen. Aber wirklich dramatisch scheint
die Situation noch nicht zu sein. Wie das ganze deutsche
Gesundheitssystem überhaupt besser ist als sein Ruf. Zwar wird
überall und oft auch mit guten Gründen darüber geklagt. Aber wenn
irgendwo auf der Welt ein Deutscher schwer erkrankt, will er in aller
Regel vor allem eins: schnell nach Hause, um sich dort behandeln zu
lassen. Dafür muss es ja auch einen Grund geben.
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Datum: 13.10.2019 - 19:57 Uhr
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