Rheinische Post: Kommentar /
Höchste Zeit für Ampel und Zuckersteuer
= Von Antje Höning
ID: 1768016
sind erschütternd: Jeder zwölfte Rheinländer leidet an Diabetes vom Typ 2. Bei
den 80- bis 90-Jährigen sind sogar 30 Prozent betroffen. Dabei ist Diabetes kein
lästiges Übel, das zum Altwerden gehört wie graue Haare. Diabetes ist ein
Leiden, mit dem wegen der drohenden Folgeerkrankungen nicht zu spaßen ist. Zwar
machen moderne Blutzuckermess- und Spritzsysteme den Alltag leichter. Doch es
drohen Nierenschäden, diabetischer Fuß bis hin zur Amputation, Erblindung und
Infarkt. Das bedeutet großes Leid für die Betroffenen und kostet die
Versichertengemeinschaft Milliarden. Dabei ist Diabetes vom Typ 2 oft
vermeidbar. Denn neben genetischen Faktoren spielt auch schlechter Lebensstil
eine Rolle: Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und ungesunde Ernährung
erhöhen die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken.
Zu Recht legen AOK und andere Krankenkassen deshalb so viel Wert auf Aufklärung
und Prävention. Doch sie haben in der Nahrungsmittel- und vor allem der
Zuckerindustrie mächtige Gegenspieler. Deutschland hätte längst eine
aussagekräftige Ernährungsampel haben können, die Verbrauchern anzeigt, wie süß,
fettig oder salzig das Produkt ist, das sie sich da gerade in den Einkaufskorb
legen. Jetzt soll es 2020 endlich so weit sein. In Richtung der Jugendlichen,
die den zuckersüßen Softdrinks verfallen sind, mag eine solche auf Aufklärung
setzende Ampel wirkungslos blinken. Hier wäre es wirksamer, eine Zuckersteuer
einzuführen, wie sie auch andere Länder haben. Wenn die klebrige Cola plötzlich
doppelt so teuer ist, dürfte das heilsame und lenkende Wirkung haben. Frankreich
und Großbritannien haben es vorgemacht. Die Diabetes-Quote liegt in beiden
Ländern deutlich unter der in Deutschland.
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Datum: 05.11.2019 - 20:55 Uhr
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