Flugtickets: Passagiere sollen Klima-Abgabe bezahlen und gleichzeitig als Steuerzahler klimaschädliche Subventionen (FOTO)
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(ots) - "Report Mainz" lässt Kosten der Kerosinsubvention pro Flug
berechnen / Dienstag, 3. Dezember 2019, 21:45 Uhr im Ersten / Moderation: Fritz
Frey
Obwohl Fluggäste laut dem Klimapaket der Bundesregierung in Zukunft beim Kauf
von Flugtickets eine höhere Luftverkehrssteuer ("Ticketabgabe") bezahlen sollen,
bleibt Kerosin weiter steuerbefreit. Im Auftrag von REPORT MAINZ haben die
Ökonomen vom "Forum für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft" (FÖS) jetzt exklusiv
berechnet, wie hoch die Kosten der klimaschädlichen Kerosinsubvention pro
Passagier und Flug sind.
Klimaschutz und klimaschädliche Subventionen
Das Ergebnis: Auf innerdeutschen Strecken reicht die Ticketabgabe kaum aus, um
die Kerosinsubvention auszugleichen. Die Steuer soll im April 2020 für
Kurzstrecken auf 13,03 Euro angehoben werden, derzeit liegt sie bei 7,38 Euro.
Zusätzlich schlägt die Kerosinsubvention auf einem innerdeutschen Flug
durchschnittlich mit 10,16 Euro zu Buche. Flugreisende zahlen zukünftig also
einerseits für den Klimaschutz während sie andererseits als Steuerzahler
weiterhin klimaschädliche Subventionen finanzieren. Auf der meistgeflogenen
innerdeutschen Verbindung - zwischen Berlin-Tegel und München - beträgt die
Subvention sogar 12,27 Euro pro Passagier und Flug, so dass die erhöhte
Ticketabgabe nur 0,76 Euro darüber liegen wird.
Für die beliebteste Strecke von einem deutschen Flughafen ins Ausland, von
Düsseldorf nach Palma de Mallorca, werden in Zukunft ebenfalls 13,03 Euro
Ticketabgabe fällig. Die Kerosinsubvention dagegen beträgt 32,32 Euro pro
Passagier und Flug. Im Durchschnitt wird das Kerosin für internationale Flüge,
die in Deutschland starten, sogar mit 103,85 Euro subventioniert. Die
Ticketabgabe wird dagegen nur 33,01 Euro für Mittelstrecken und 59,43 Euro für
Langstrecken betragen.
Kritik: Kerosin wird weiterhin nicht besteuert
Uwe Nestle, Geschäftsführer des FÖS, kritisiert, dass Kerosin weiterhin nicht
besteuert wird. Gegenüber "Report Mainz" sagte er: "So wird kein Anreiz für die
Fluggesellschaften geschaffen, energieeffizienter zu fliegen. Beispielsweise,
indem sie etwas langsamer fliegen, energiesparendere Routen nehmen oder beim
Kauf eines Flugzeugs darauf achten, dass dieses möglichst energiesparend
unterwegs ist."
Die Ökonomin Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt"
am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hält es für grundsätzlich
richtig, für den Klimaschutz das Fliegen zu verteuern. Allerdings seien die
Erhöhungen der Ticketabgabe zu gering, um viele Menschen zum Umstieg auf die
klimafreundlichere Bahn zu bewegen. Und auch sie fordert, dass mit dem
Klimapaket die Kerosinsubvention abgeschafft wird: "Die Kerosinsteuerbefreiung
ist nicht im Sinne des Klimapakets oder des Klimaschutzes. Man sollte diese
Steuer deutlich erhöhen und die Befreiung schnellstmöglich aufheben. Man würde
damit Einnahmen generieren, die man zur Stärkung des nachhaltigen Verkehrs
ausgeben sollte," erklärte sie gegenüber "Report Mainz".
Klimapaket baue keine klimaschädlichen Subventionen ab
Auch das Umweltbundesamt (UBA) kritisiert, dass mit dem Klimapaket keine
klimaschädlichen Subventionen abgebaut werden. "Es ist ziemlich absurd, auf der
einen Seite ein Klimaschutzprogramm in Angriff zu nehmen und auf der anderen
Seite weiterhin umweltschädliche Subventionen zu gewähren," sagte Andreas
Burger, Leiter des Fachgebiets "Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche
Umweltfragen, nachhaltiger Konsum" im UBA. Das UBA schätzt, dass klimaschädliche
Subventionen wie die Steuerbefreiung für Kerosin insgesamt in Deutschland
jährlich rund 57 Milliarden Euro betragen. Andreas Burger: "Letztlich ist das
eine inkonsistente Politik, die dem Steuerzahler sehr teuer zu stehen kommt."
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Datum: 03.12.2019 - 17:09 Uhr
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