Greenpeace-Recherche enthüllt: Amazon zerstört systematisch Neuwaren
ID: 1781236
Lagerbestände
Eine komplette LKW-Ladung originalverpackter und neuwertiger Waren schickt
Amazon im niedersächsischen Winsen an der Luhe pro Woche zur Verschrottung. Das
ergeben jüngste Recherchen von Greenpeace. Fotos und interne Dokumente, die
Greenpeace vorliegen, zeigen eine Vielzahl an Produkten und belegen die Abholung
durch eine Entsorgungsfirma. Ausgehend von den Erkenntnissen aus Winsen muss es
sich deutschlandweit um Millionen von Artikeln handeln, die Amazon regelmäßig
zerstört. "Es darf nicht sein, dass der Platz im Regal für den Onlinehändler
anscheinend wertvoller ist als das Produkt, das drin liegt", sagt Viola
Wohlgemuth, Konsum-Expertin von Greenpeace. "Eine solche Verschwendung ist ein
Klimaverbrechen, das wir uns in Zeiten der Klimakrise nicht mehr leisten
können."
Die Fotos zeigen unter anderem Halogen-Heizstrahler, Tonerkartuschen,
Kunststoff-Trinkflaschen, originalverpackte Decken, Bettüberwürfe und Bücher.
Alle Produkte sind nagelneu und nicht verderblich. Sie stammen aus
Lagerbeständen von Drittanbietern und werden zerstört, um die Kosten für Lager
oder Rücksendung zu vermeiden.
Zwar erklärt Amazon öffentlich, die Menge der von ihnen entsorgten Produkte sei
extrem klein, und verschrottet würde meist nur aus hygienischen Gründen oder
aufgrund von Beschädigungen (beispielsweise https://bit.ly/2M9F1K1). Konkrete
Zahlen nennt der Konzern dabei allerdings nicht, und die Greenpeace-Recherche
belegt, dass - gerade in der Vorweihnachtszeit - riesige Mengen völlig intakter
Produkte ungenutzt in der Schrottpresse landen. Schließlich sind die Abläufe bei
Amazon hochgradig standardisiert, somit die Prozesse von Winsen auf andere
Logistikzentren übertragbar. Man kann sogar davon ausgehen, dass an anderen
Standorten noch mehr Neuware zerstört wird, da vielerorts zu den Lagerbeständen
noch Retourware hinzu kommt, die in Winsen nicht anfällt. "Amazon gibt sich nach
außen gerne einen grünen Anstrich. Hier sehen wir die hässliche Realität eines
Geschäftsmodells, das keinerlei Rücksicht auf die Ressourcen nimmt, solange es
dem Profit dient", so Wohlgemuth.
Greenpeace fordert von Amazon, die Vernichtung von Neuwaren - egal ob aus
Retouren oder aus Lagerbeständen - umgehend einzustellen. Die Politik ist
aufgefordert, das Spenden der Ware steuerlich zu begünstigen. Denn bisher fällt
bei der Spende solcher Artikel Mehrwertsteuer an - was einen Anreiz zur
Vernichtung schafft. Zudem muss mit der aktuellen Novellierung des
Kreislaufwirtschaftsgesetzes die Vernichtung von völlig neuwertigen Produkten
verboten werden (Greenpeace-Stellungnahme zur Gesetzesnovellierung unter:
https://act.gp/38W1rbg).
Pressekontakt:
Rückfragen bitte an Viola Wohlgemuth, Tel: 0151-22180971
(viola.wohlgemuth@greenpeace.de), oder Pressesprecherin Sonka
Terfehr, Tel: 0175-5891718 (sonka.terfehr@greenpeace.de). Fotos unter
https://media.greenpeace.org/shoot/27MZIFJ8AA330 , Tel: 0151- 21497430
Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/6343/4474548
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Datum: 20.12.2019 - 07:06 Uhr
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