Kommentar: Arznei-Verlosung ist unethisch
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Muskelatrophie leiden, so gut verstehen: Natürlich wollen sie möglichst schnell
das neue Medikament haben, das die oft tödlich verlaufende Krankheit vielleicht
stoppen kann. Darum ist es gut, dass Novartis nun das Mittel Zolgensma im Rahmen
eines Härtefallprogramms zur Verfügung stellt, bevor es offiziell zugelassen
ist. Solche Programme mit klaren Spielregeln sind vom deutschen Gesetzgeber
ausdrücklich vorgesehen. Auch sind die hohen Kosten kein grundsätzliches
Problem: Pharmaforschung ist teuer und von Rückschlägen begleitet, Hersteller
müssen ihre Kosten wieder reinholen können. Was aber nicht geht ist das
Verfahren, das sich Novartis ausgedacht hat, um die knappen Dosen zu verteilen:
Erstmals in der Pharma-Geschichte soll lebensrettende Arznei verlost werden. Per
Computer, was sich so seriös anhört, aber es bleibt eine Lotterie auf Leben und
Tod. In Deutschland werden pro Jahr rund 50 Kinder mit der schweren Krankheit
geboren. Bei 100 weltweit zu verteilenden Dosen kann man sich die Chance
ausrechnen, ein Glückslos zu ziehen. Das kann es nicht sein.
Zweifellos stecken Hersteller und Krankenkassen in einem Dilemma. Doch dafür
gibt es im deutschen Gesundheitssystem ein ethisch überzeugenderes Verfahren als
das Los. Auch das Angebot an Spenderorganen reicht bei weitem nicht aus, um die
Nachfrage zu decken. Auch hier läuft vielen Patienten die Zeit davon. Doch man
hat ein Prozedere mit klaren Kriterien und Ranglisten entwickelt, das den Umgang
mit den knappen Organen regelt. Es ist unverständlich, warum der Schweizer
Konzern nicht auf ein solches transparentes Verfahren setzt. Man kann nur
hoffen, dass die Millionen-Lotterie nicht Teil des Marketings zur
Produkteinführung ist.
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Datum: 07.02.2020 - 21:32 Uhr
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