WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zu Thüringen
ID: 1795233
verlieren. In Thüringen hat die CDU schon viel verloren, hat wohl deshalb Angst
vor Neuwahlen. Es hilft nicht. Neuwahlen sollten auch in ihrem Interesse besser
morgen als übermorgen stattfinden.
Sicher, vor Ort sträubt sich die Partei, die in Thüringen in 24 der 30 Jahre
seit der Wiedervereinigung die Landesregierung angeführt hat. Aus jetziger Sicht
wird die CDU Stimmen verlieren. Doch sollte es für eine Partei Schlimmeres geben
als den Verlust einiger Mandate: das ist der Verlust der Glaubwürdigkeit.
Die CDU hat die Abgrenzung von politischen Extremen aus gutem Grund zu einer
Grundsatzfrage gemacht. In einem Doppelbeschluss wurde Zusammenarbeit sowohl mit
der AfD als auch mit der Partei "Die Linke" ausgeschlossen. Ein Landesverband,
der diese Festlegung gleich zweimal für sich außer Kraft setzt, kann nicht
erwarten, dass er dafür auch noch die Rückendeckung seines Bundesvorstandes
erhält.
Zwar liegen gerade in Thüringen Welten zwischen dem rassisistisch hetzenden
AfD-Chef Björn Höcke und dem sich bürgerlich gebenden und in der vergangenen
Legislaturperiode auch weitgehend bürgerlich regierenden Bodo Ramelow. Aber die
CDU hat nun schon mal bei der Wahl des FDP-Manns Thomas Kemmerich ein Tabu
gebrochen, indem einige Abgeordnete mit der AfD stimmten. Dies wird nicht
dadurch ungeschehen, dass man noch ein Tabu missachtet und nun mit der anderen
Seite kungelt. Dabei war das Angebot einer Minderheitsregierung unter der
früheren CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht verlockend. Trotzdem
schien der Preis - Neuwahlen innerhalb von 70 Tagen - einigen Abgeordneten zu
hoch, vermutlich weil sie bei schnellen Wahlen um ihr Mandat fürchten. Dass sie
dafür bereit waren, ein Jahr unter einem Ministerpräsidenten Ramelow zu
akzeptieren, ist zumindest unverfroren.
Vielleicht verlöre die CDU mit der Haltung der Bundespartei in Thüringen
kurzfristig Wählerstimmen. Aber sie könnte sich Respekt verdienen. Und dieser
wird sich nach einer Zeit in der Opposition wahrscheinlich auch in Erfurt wieder
in Wählerstimmen auszahlen. Rasche Wahlen sind in der verfahrenen Lage richtig,
selbst wenn das vermutete Ergebnis nach aktuellem Stand die Ränder stärken wird.
Die Betonung liegt auf "aktuell". Es gibt keine Gewissheit, aber doch Hoffnung,
dass das Massaker in Hanau selbst im Höcke-Land Wähler zum Nachdenken und von
der AfD wegbringt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Rot-Rot-Grün in Erfurt nach Neuwahlen wieder eine
Koalition bilden kann, ist groß. Aber dann wird das der Wille der Wähler sein,
nicht das zufällige Ergebnis seltsamer Absprachen im Landtag. Und ob eine zweite
Regierung Ramelow so stabil sein wird wie ihre Vorgängerin ist keineswegs
ausgemacht.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Bernhard Hertlein
Telefon: 0521 585-261
wb@westfalen-blatt.de
Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/66306/4527797
OTS: Westfalen-Blatt
Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 23.02.2020 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1795233
Anzahl Zeichen: 3381
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 730 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zu Thüringen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zur Hamburg-Wahl ...
Na also, die SPD kann doch noch Wahlen gewinnen - und wie! Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher lässt das Willy-Brandt-Haus jubeln, obwohl die Parteizentrale herzlich wenig mit diesem Sieg zu tun hat. So liegt auch falsch, wer in diesem Erfolg schon eine Trendwende für die Bundes-SPD sie
Ministerpräsidentin Dreyer lobt Kurs der Hamburger SPD unter Tschentscher ...
Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), hat den Kurs der Hamburger SPD unter Peter Tschentscher als vorbildlich auch für die SPD im Bund und in anderen Ländern bezeichnet. "Peter Tschentscher und seine SPD haben alles richtig gemacht. Politik zahlt sich aus, wenn s
Mitteldeutsche Zeitung zur Wahl in Hamburg ...
Im Jahr vor der Bundestagswahl schütteln sich die politischen Machtverhältnisse in Deutschland kräftig durch. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Grüner oder eine Grüne der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin wird, ist größer als je zuvor. Die Möglichkeit, dass auch auf Bundesebene
Wahl ohne Wähler ...
Gott und die Welt hatte Revolutionsführer Ali Khamenei beschworen, um das Volk an die Wahlurnen zu treiben. Dies sei die religiöse Pflicht jedes Iraners und jeder Iranerin, deklamierte er. Seine Landsleute ließ das kalt. Millionen boykottierten die Abstimmung über das kommende Parlament, ver




