Kulturgüter mit Radiowellen gegen Holzfraß schützen / Forscher entwickeln chemikalienfreie Method

Kulturgüter mit Radiowellen gegen Holzfraß schützen / Forscher entwickeln chemikalienfreie Methode gegen Insektenbefall - DBU gibt 230.000 Euro

ID: 1803163
(ots) - Statt mit umweltbelastenden Chemikalien können Kulturgüter aus Holz durch Erwärmen mit Radiowellen vor dem Insektenbefall geschützt werden. Das fanden Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ (Leipzig) gemeinsam mit Kollegen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig in einem Vorhaben heraus, das fachlich und finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurde. Kulturgüter aus Holz, die bereits mit chlorhaltigen Holzschutzmitteln behandelt worden waren, lassen sich zudem durch ein kombiniertes Verfahren von den Chemikalien befreien. Die Schadstoffbelastung in den Ausstellungs- und Lagerräumen werde dadurch deutlich verringert. "Die neue Methode ist nicht nur besonders umwelt- und denkmalschonend, sondern auch gesünder für das Umfeld", sagt Dr. Cornelia Soetbeer, DBU-Abteilungsleiterin Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz. Erprobt wurden die übertragbaren Verfahren an der national bedeutenden Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha.

Material-Mix der Kulturgüter erfordert spezielle Methode

Nicht nur im Eigenheim ist ein Schädlingsbefall durch so genannte "Holzwürmer", also Bockkäfer und Nagekäfer, gefürchtet, da das Material brüchig wird. Vorsorglich seien früher Dachbalken, Holzmöbel oder auch Kunst- und Kulturgegenstände aus Holz mit einer Reihe von Holzschutzmitteln behandelt worden, die inzwischen größtenteils verboten sind, so Soetbeer. Darunter zum Beispiel Lindan, DDT und PCP - alles Insektenbekämpfungsmittel auf Basis von giftigen chlorhaltigen Kohlenwasserstoffen. Heute setze die Branche dagegen unter anderem auf chemikalienfreie Verfahren wie Heißluftbehandlung, denn spätestens bei 60 Grad würden die Insektenlarven im Inneren des Holzes sterben. "Doch bei national bedeutsamen Kulturgütern ist das nicht so einfach, weil sie oft aus einem Material-Mix bestehen und beispielsweise Blattgold anders auf Erwärmen reagiert als Holz", erklärt Constanze Fuhrmann, DBU-Fachreferentin Umwelt und Kulturgüter. Wenn dadurch große Temperaturunterschiede entstehen, sei das für den kulturhistorischen Wert der Gegenstände aus restauratorischer Sicht auch wie Gift. Man kenne das vom Erhitzen in der Mikrowelle: Bei entsprechend großen Mengen kocht die Speise nach wenigen Minuten schon am Tellerrand, während sie innen noch kalt ist.



Methode eignet sich auch bei Textilien, Leder, Fellen und Tierpräparaten

"Bei national bedeutsamen Kunstobjekten ist ein kontrolliertes langsames und gleichmäßiges Erwärmen nicht nur ausschlaggebend für den Erfolg, sondern auch dafür, dass die Wertgegenstände keinen Schaden nehmen", sagt Dr. Ulf Roland, Leiter des Projekts und Wissenschaftler im UFZ. Denn: "Beispielsweise kann schon ein winziger Haarriss in einer hauchdünnen Blattgoldschicht unter Umständen zu einer punktuellen Überhitzung führen. Selbst die kleinste angesengte oder verschmorte Stelle mindert den kulturhistorischen Wert." Nachgefertigte Modelle und Computersimulationen seien daher, zumindest in der Forschungs- und Entwicklungsphase, bei diesen Methoden notwendig, um die Machbarkeit zu prüfen, ohne das wertvolle Objekt gleich selbst zu behandeln. Bei Radiowellen seien die Risiken für die Kulturgüter deutlich geringer als beim Einsatz von Mikrowellen. Roland: "Darüber hinaus sind wir flexibler, was die zu behandelnden Materialien betrifft." Im Projekt seien neben Holz auch verschiedene Textilien, Leder, Felle und Teile von Tierpräparaten sowie Keramiken erwärmt und damit Jagd auf typische Schadinsekten wie Kleider- und Pelzmotten, Speck-, Pelz-, Teppich- und Kabinettkäfer gemacht worden.

Kombination mit Waschverfahren verbessert Raumluft

Da vor allem die chlorhaltigen Chemikalien jahrzehntelang nach der Behandlung noch im Objekt vorhanden sind, wurde im Projekt außerdem untersucht, ob sie sich durch die Radiowellen-Technologie ausdampfen lassen. Roland: "Durch eine Kombination mit speziellen Waschverfahren ist das möglich. Allerdings sind unter Umständen vielfache Behandlungen notwendig, um ein nahezu komplettes Entfernen zu erzielen, da die anwendbaren Temperaturen durch die Objekte begrenzt sind." Die Forscher empfehlen daher, Strategien zur kombinierten Behandlung zu entwickeln, bei denen ein Teil der Schadstoffe im Kern der Objekte bleiben kann, die Konzentration an der Oberfläche aber deutlich verringert wird. Hierfür haben sie Methoden für eine chemische Umwandlung der chlorhaltigen Schadstoffe untersucht und bereits erfolgreich getestet. "Ausschlaggebend ist ja das Ergebnis der Behandlung, und zwar dass der Schadstoffgehalt in der Raumluft abnimmt und dass die Gefährdung beim Umgang mit den Objekten reduziert wird", so Roland.

Pressekontakt:

Franz-Georg Elpers
- Pressesprecher -
Kerstin Heemann
Sophie Scherler
Jessica Bode

Kontakt DBU
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
0541|9633-521
0171|3812888
presse@dbu.de http://www.dbu.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/6908/4555184
OTS: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Original-Content von: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Corona: Coronavirus: Steirer forschen mit Harvard und Google an Arzneimittel
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.03.2020 - 09:17 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1803163
Anzahl Zeichen: 5317

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Leipzig/Gotha



Kategorie:

Forschung und Entwicklung



Diese Pressemitteilung wurde bisher 519 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kulturgüter mit Radiowellen gegen Holzfraß schützen / Forscher entwickeln chemikalienfreie Methode gegen Insektenbefall - DBU gibt 230.000 Euro"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Wie Moore wieder nass werden / Natürlicher Klimaschutz: DBU Naturerbe veröffentlicht Leitfaden ...
Hitze, Dürre, Starkregen - die Folgen des Klimawandels zeigen schon jetzt, dass der Umgang mit Wasser zu einer zentralen Herausforderung für Gemeinden, Städte, Regionen und Länder geworden ist. Angesichts dessen fordert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) seit langem, die Wiedervernässung

"Neuer Schub für die Energiewende" / DBU: Zukunft ist elektrisch - Digitale Jahrespressekonferenz ...
Die Energiewende in Deutschland benötigt "dringend einen neuen Schub", fordert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Notwendig seien "praxistaugliche Innovationen, die mithilfe digitaler Instrumente und künstlicher Intelligenz (KI) die Wirtschaft ankurbeln, Stromnetze stabilisie

DBU-Stiftungskapital erstmals drei Milliarden Euro/Finanzbilanz 2025 - Digitale Jahrespressekonferenz ...
Premiere und Rekordwert für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU): Erstmals seit Gründung vor mehr als 30 Jahren hat das Stiftungskapital drei Milliarden Euro (https://www.dbu.de/app/uploads/dbu-media-2025-vorwort-jb2025-verwaltung-finanzen.pdf) erreicht. "Die Zahlen zeigen: Die Stiftung h


Weitere Mitteilungen von Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)


Corona: "ZDFzeit" und "Leschs Kosmos" mit Sonderausgaben (FOTO) ...
Das Virus hat Deutschland fest im Griff. Auch eine Woche nach den Schulschließungen ist der Anstieg von Infizierten hierzulande offensichtlich immer noch nicht gebremst. Was macht dieser außergewöhnliche Zustand mit den Menschen? Das beleuchtet am Dienstag, 24. März 2020, 20.15 Uhr, die "ZD

First Graphene entwickelt neuartige Hybrid-Graphenmaterialien ...
Die australische Graphengesellschaft First Graphene (WKN A2ABY7 / ASX FGR) kommt bei der Entwicklung neuartiger Graphen-Hybridmaterialien voran. Ein mögliches Einsatzgebiet wäre das spannende Feld der Superkondensatoren ? eine neuartige Batterietechnologie. Superkondensatoren bieten eine hohe Leis

Neue, kostengünstige Leichtbau-Variante für die Serienfertigung von Fahrzeugkomponenten ...
Im Bereich des Motorsports und im Bereich hochwertiger Sportfahrzeuge sind seit vielen Jahren sehr leichte, strukturstabile Bauteile aus duromeren Faserverbundwerkstoffen im Einsatz. Im sogenannten Resin Transfer Moulding (RTM)-Verfahren können Carbon-Bauteile (kohlenstofffaserverstärkte Kunststof

Beak erarbeitet das Sächsische Natursteinkataster ...
Ende Januar 2020 erhielt die Beak Consultants GmbH vom Sächsischen Oberbergamt den Auftrag zur Erarbeitung des Sächsischen Natursteinkatasters. Die Rohstoffstrategie Sachsens sieht in der Fortschreibung der vorliegenden Rohstoffdatenbanken eine Grundlage dafür, den gewinnbringenden Abbau heimisch


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z