Juristisches Ringen um Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln - Pflichtverletzungen von Bistumsverantwortlichen festgestellt
ID: 1884947
Das Risiko juristischer Schritte amtierender oder ehemaliger Amtsträger des Bistums gegen die Darstellung ihrer Rolle im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt war ein Grund, warum Woelki ein erstes Gutachten im Oktober 2020 unter Verschluss nehmen ließ.
Auf die Frage, ob sich dies jetzt wiederholen könne, zeigte Gercke sich gelassen. "Gehen Sie davon aus, dass wir Ihnen, Ihren Kolleginnen und Kollegen und der Öffentlichkeit am 18. März ein umfassendes Gutachten präsentieren werden. Wir stehen in diesen Tagen in einem teilweise sehr intensiven Austausch, weil wir immer noch sehr umfassend Post von Anwälten bekommen, die auf Basis von Wortlautprotokollen unserer Befragungen für ihre Mandanten bestimmte Dinge klarstellen oder anmerken wollen." Es liege "rechtsstaatlich in der Freiheit der Verantwortlichen, Vorwürfe auszuräumen". Deren Verhalten sei "sehr, sehr unterschiedlich", erklärte der Jurist. "Auch das werden wir darstellen. Die einen sind mit Anwalt erschienen, die anderen ohne. Auch der Umgang in den Befragungen war sehr verschieden."
Zu seinem Vorgehen erläuterte Gercke, dass sämtliche Fälle, deren Zahl Gercke mit gerundeten Werten von 200 Beschuldigten (Klerikern und Laien) sowie 300 Opfern angibt, in einer "gestrafften, abstrahierenden Darstellung in Kurzform" in sein Gutachten eingingen. Ausführlicher würden die Fälle geschildert, "in denen wir Pflichtverletzungen nachgewiesen haben". Diese würden an den Vorgaben des weltlichen und kirchlichen Rechts gemessen. "Wir erstellen kein moralisch-ethisches Gutachten. Das können wir auch gar nicht. Wir sind Juristen und bleiben auch bei unserer Disziplin."
Die Einreichung eines Gutachtens, bei dessen Vorlage - wie jüngst im Erzbistum Berlin - Hunderte von Seiten mit Falldarstellungen und Beurteilung von Verantwortlichkeiten fehlten, schloss Gercke aus. "Aber es ist ein Ringen mit dem Äußerungsrecht, damit die Öffentlichkeit am Ende ein Gutachten präsentiert bekommt, das Ross und Reiter nennt".
Juristische Aufarbeitung sei nur ein "Teilaspekt", betonte Gercke. Sein Gutachten werde Vorschläge zur Veränderungen von Organisationsstrukturen unterbreiten. Männerbünde oder andere Schlagworte wie Kaltherzigkeit kämen zwar "nicht als streng juristische Regelverletzung" in den Blick, aber als ein "Verhalten, das zu Normverstößen führen kann". Insofern bleibe so etwas nicht völlig beiseite. "Aber es liegt uns tatsächlich fern, Ausführungen etwa zur katholischen Sexualmoral im Allgemeinen zu machen."
Die Frage nach Rücktritten überschreite seine Kompetenz und Tätigkeit als Gutachter. "Wir zeigen Pflichtverletzungen auf. Und dann ist die Debatte eröffnet. Es gibt sicher Situationen, in denen man sich unabhängig von persönlicher Schuld die Frage stellen muss, ob man eine 'politische' Verantwortung hat. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen."
Pressekontakt:
Kölner Stadt-Anzeiger
Newsdesk
Telefon: 0221 224 2080
Original-Content von: Kölner Stadt-Anzeiger, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 01.03.2021 - 13:28 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1884947
Anzahl Zeichen: 4073
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Köln.
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 335 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Juristisches Ringen um Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln - Pflichtverletzungen von Bistumsverantwortlichen festgestellt"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
K (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Musikerin und Model Sarah Bora leidet bis heute unter den Folgen ihrer früheren Beziehung, in der sie jahrelang psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt war. "Ich fühle mich in keinem Zuhause sicher", sagt sie im Podcast "Talk mit K" des "Kölner Stadt-Anzeiger&qu
Deutsch-Iraner nach Schüssen auf Essener Synagoge festgenommen - Vorwurf: Anstiftung zum Anschlag ...
Nach den Schüssen an der Alten Synagoge in Essen ist ein Mann festgenommen worden. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe) berichtet, handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen Deutsch-Iraner. Ihm wird die Anstiftung zu einem Anschlag vorgeworfen. Nach Informationen der Z
Evangelischer Präses sagt ökumenische Adventsvesper mit Woelki ab - Sorge vor "Überlagerung" durch innerkatholische Auseinandersetzungen ...
Wegen der anhaltenden Auseinandersetzungen um den Kölner Kardinal Rainer Woelki hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, die traditionelle ökumenische Vesper zum Advent kurzfristig abgesagt. "Der Gottesdienst am Anfang des Advents wird durch die Ereignisse im
Weitere Mitteilungen von K
1500 Kirchenaustrittstermine für Mai in Köln nach wenigen Stunden ausgebucht ...
Bereits einen halben Tag nach Freischaltung der Kirchenaustrittstermine beim Amtsgericht Köln für den Monat Mai sind sämtliche 1500 Online-Angebote ausgebucht. Bei einer Abfrage um 11:00 Uhr zeigte das Portal justiztermine.nrw.de noch 20 freie Termine an, eine halbe Stunde später waren auch dies
PIRATEN fordern Gleichstellung von Cannabis und Alkohol im Straßenverkehr ...
Die Piratenpartei Deutschland lehnt die Ungleichbehandlung von Alkohol und Cannabis ab. Daher fordern die PIRATEN die Anpassung des THC-Grenzwertes für Bußgelder im Straßenverkehr auf 5 ng/ml, wie es bereits in den USA, den Niederlanden und in Kanada gängige Praxis ist. [1] Die PIRATEN kritisi
Sylvia Limmer: Entlarvendes Schweigen: EU-Kommission macht das Geschäft der E-Auto-Lobby! ...
Am 7. Dezember 2020 veröffentlichte die OECD ihre Studie zu den Nicht-Auspuff-Feinstaubemissionen aus dem Straßenverkehr. Die Studie hält fest, dass sich die Politik bislang fast nur um Auspuffemissionen, kaum aber um Nicht-Auspuffemissionen gekümmert habe, die von Reifenabrieb, Bremsvorgängen,
nd.DerTagüber die Sperrung von Geldern von Demokratieprojekten gegen rechts ...
Was wurde den Angehörigen der Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau jüngst zum Jahrestag nicht erneut alles staatlicherseits versprochen. Doch kaum hat sich die Aufmerksamkeit wieder anderen Themen zugewandt, wird öffentlich, dass aktuell zahlreiche Demokratieprojekte, die sich gegen rechtse




