zu Astrazeneca: Vertrauen retten
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Raimund Neuß zum Moratorium für Astrazeneca
Chaos mit Ansage: Anders kann man den Umgang deutscher Behörden und Politiker mit dem Astrazeneca-Impfstoff nicht bewerten. Tagelang hat das Paul-Ehrlich-Institut mit der Empfehlung gewartet, die Anwendung des Stoffes auszusetzen, bis der Verdacht von Thrombosen als Nebenwirkung ausgeräumt ist. Karl Lauterbach erklärte den Impfstoff für sicher, Markus Söder forderte die Impfung von Politikern als Vorbild. Und dann kommt das Moratorium doch. Größeren Schaden kann man dem Ruf einer Impfkampagne kaum zufügen als durch dieses Hin und Her. Die Gesundheitsbehörden jener Länder, die wie zuerst in Dänemark die Astrazeneca-Impfungen bereits ausgesetzt hatten, unterstellten ausdrücklich nicht, dass dieses Präparat gefährlich sei. Es geht nur darum, Berichten über eine mögliche Nebenwirkung nachzugehen, die - wenn sie denn bestünde - so selten wäre, dass sie in den Zulassungsstudien nicht hätte erfasst werdenkönnen. So etwas lässt sich bei keinem der neuen Impfstoffe ausschließen. Deshalb sind Verdachtsfälle genau zu prüfen, und wenn alles gut geht, steht am Ende die Entwarnung. Gut möglich, dass das auch bei Astrazeneca so ist. Eine sorgfältige Prüfung schafft Vertrauen. Ein Weiter-So, mit dem wir es in Deutschland versucht haben, gefährdet Vertrauen. Und warum die EU-Staaten nicht gemeinsam vorgehen, bleibt ein Rätsel.Jetzt bringt das Moratorium die Terminpläne der Impfzentren durcheinander, es verzögert den Impfstart in den Praxen. Es geht nicht anders. Die Bürger müssen davon ausgehen dürfen, dass trotz des Drucks der Pandemie Sicherheit beim Impfen über alles geht. Das Paul-Ehrlich-Institut hätte dieses Signal früher geben müssen.
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Datum: 15.03.2021 - 18:53 Uhr
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