Impflücken: Zahl der Standardimpfungen bricht ein
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Noch nie wurde in Deutschland in so kurzer Zeit so viel geimpft. Rund 110 Millionen Impfdosen sind seit der Zulassung von COVID-19-Vakzinen verabreicht - es ist die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes. Gleichzeitig bricht die Zahl der Standardimpfungen ein - um satte 27 Prozent im ersten Halbjahr 2021. Es drohen gefährliche Impflücken.
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Die Impfkampagne zur Eindämmung der Pandemie läuft seit etwa 300 Tagen - im Durchschnitt wurden seitdem pro Tag rund 365.000 Dosen verimpft. Besonders erfolgreich ist die Kampagne bei den 60-Jährigen und Älteren: Das Impfdashboard (https://impfdashboard.de/) belegt hier eine Impfquote von mehr als 86 Prozent (mind. einmal geimpft, Stand: 25.10.2021). Leider gilt das nur für die COVID-19-Impfstoffe. Bei anderen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für diese Altersklasse empfohlenen Schutzimpfungen werden nicht annährend die propagierten Impfziele erreicht.
Um 27 Prozent ist die Zahl der Standardimpfungen im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Das zeigen Zahlen des forschenden Unternehmens Pfizer auf Basis von Daten des Marktforschungsinstituts Insight Health. Grundlage bilden die Abrechnungsdaten der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Zwischen Januar und Juli 2021 wurden rund 6,9 Millionen Impfdosen abgerechnet, etwa gegen die Grippe und HP-Viren, gegen Infektionen durch Meningokokken oder Pneumokokken, gegen Tetanus oder Masern und Mumps. Im Vorjahr waren es noch rund 2,5 Millionen Dosen mehr gewesen.
Starker Rückgang bei Impfung gegen Pneumokokken
Besonders stark war mit 57 Prozent der Rückgang bei den Pneumokokken-Impfstoffen. Pneumokokken-Erkrankungen werden durch Bakterien ausgelöst und sind für unterschiedliche Krankheiten verantwortlich, "darunter Nasennebenhöhlen-, Mittelohr-, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis)", wie es bei impfen-info.de heißt. "Darüber hinaus sind sie für 20 bis 50 Prozent aller durch Bakterien verursachten Lungenentzündungen bei älteren Erwachsenen verantwortlich. Einige dieser Erkrankungen können lebensbedrohlich verlaufen. Bei schwerem Verlauf stirbt etwa jeder Zehnte der Erkrankten an den Folgen der Pneumokokken-Infektion. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem."
Deshalb empfiehlt die STIKO diese Impfung für Menschen ab einem Alter von 60 Jahren, aber beispielsweise auch für Immungeschwächte oder chronisch kranke Menschen (z.B. Diabetes, Herz- und Atemwegserkrankungen). Doch nur rund ein Fünftel dieser Zielgruppe nahm vor der Pandemie diesen Schutz in Anspruch.
Grippe-Impfung legt leicht zu
Ansonsten gibt es nur bei der Influenza-Impfung Positives zu berichten: Sie nahm im Betrachtungszeitraum um sechs Prozent zu. Bei den Indikationen Masern und Mumps, Hepatitis, HPV oder Meningokokken sind die abgerechneten Impfdosen durch die Bank um rund 30 Prozent zurückgegangen.
Weniger Impfungen - das schlägt sich in einer höheren Krankheitslast nieder. Angesichts der bevorstehenden Erkältungssaison sind deshalb Impflücken keine gute Nachricht, zumal viele Expert:innen eine besonders schwere Welle erwarten. Aber auch langfristig hat dieser Rückgang Folgen, wie das Beispiel der Impfung gegen die Viren der Familie des Humanen Papillomvirus (HPV) zeigt. Krankheitsbilder wie Gebärmutterhalskrebs manifestieren sich erst Jahre nach einer Infektion.
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Datum: 25.10.2021 - 11:06 Uhr
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