Die letzte Chance / Kommentar von Raimund Neuß zu Woelki
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Was hat sich Weihbischof Rolf Steinhäuser nicht an Häme aus ultrakonservativen Kreisen anhören müssen, als er letztes Jahre eine Probezeit für Kardinal Rainer Maria Woelki nach dessen Rückkehr in Aussicht stellte. Die gebe es nicht im Kirchenrecht, hieß es da, Steinhäuser stifte als Übergangsleiter des Erzbistums Köln Verwirrung, und es sei nur die Frage, ob er aus Unerfahrenheit oder aus Kalkül so rede.
Von wegen. Steinhäuser hatte das einzig Richtige vorgeschlagen. Genau das, was jetzt passieren wird. Woelki ist bis auf weiteres Kölner Erzbischof, aber auf Probe. Der früher so bestimmt auftretende, synodalen Reformideen abholde Kardinal legt die Entscheidung über seine Zukunft in die Hände des Papstes und bittet die Gläubigen um eine zweite, wohl letzte Chance.
Das ist beispiellos, aber Papst Franziskus hat weise entschieden: Er nimmt Woelkis Rücktrittsangebot erst einmal nicht an, er lässt den Fall in der Schwebe. Ja, es geht um Bewährung, aber es ist nicht allein der Erzbischof, der auf der Probe steht. Sicher muss Woelki unter Beweis stellen, dass sein überraschend neuer Tonfall für eine dauerhafte Veränderung steht. Zudem muss er in Sachfragen für Klarheit sorgen. Bis dato ist vom Erzbistum zum Beispiel keine Auskunft zu erhalten, ob mögliche schwere Fehler im Fall des pädosexuellen Serientäters Hans Bernhard U. untersucht werden. Woelki muss auch klarstellen, welche Risiken er bei der Finanzierung seiner Kölner Theologiehochschule eingegangen ist.
Aber mit ihm müssen sich alle prüfen - Klerus und Laien. "Woelki ade", "Woelki nach Rom", solche Slogans eignen sich für eine Kampagne, aber nicht für eine ernsthafte, christliche Auseinandersetzung.
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Datum: 02.03.2022 - 16:52 Uhr
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