Kirchenrechtler Schüller: Papst wird auch Finanzierung von Kölner Hochschule prüfen
ID: 1962886
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ist nach Einschätzung des in Münster lehrenden Kirchenrechtlers Thomas Schüller jetzt "Erzbischof auf Abruf". Schüller sagte der Kölnischen Rundschau: "Woelki ist jetzt tatsächlich in einer Probezeit - so, wie Administrator Rolf Steinhäuser es erwartet hatte. Das Rücktrittsangebot liegt beim Papst, der jetzt abwarten wird, wie Woelki in Köln arbeitet, wie er mit den Gläubigen zurechtkommt. Er ist jetzt Erzbischof auf Abruf."
Schüller verwies in diesem Zusammenhang auf den Fall des früheren Limburger Bischofs Franz-Peteer Tebartz-van Elst und das auch als Konsequenz daraus ergangene auf das Apostolische Schreiben "Come una madre amirevole" (Wie eine liebende Mutter) des Papstes von 2016 über den Rücktritt von Bischöfen. Neben Fehlern bei der Missbrauchsaufarbeitung und Verstößen gegen wirtschaftliche Regeln des Kirchenrechts seien nach diesem Schreiben auch pastorale Gründe für eine Amtsenthebung maßgeblich, über die dann der Papst nach Vorbereitung durch die Bischofskongregation entscheide.
Schüller fragte allerdings: "Warum brauchte es fast fünf Monate Auszeit, bis wir wir von diesem Rücktrittsangebot erfahren? Und wie lange will der Papst nun mit seiner Entscheidung warten?" Der Papst lege oft eine "ignatianische Unentschiedenheit" an den Tag. Schüller: "Das ist eine Zumutung für alle Seiten. Eine Zumutung zuallererst für den Kardinal, wie lange soll diese Situation dauern? Eine Zu-Mutung aber auch für die Gläubigen, auf sie kommt es ja an, ob Woelki weitermachen darf. Und nach welchen Kriterien will der Papst dann entscheiden? Ob es Buhrufe bei Woelki-Auftritten gibt? Oder wie sich Geistliche und Verbandsfunktionäre nach Gremiensitzungen äußern? Das sind dann ja dann immer noch nicht die normalen Gläubigen und die einfachen Pfarrer."
Für die Entscheidung des Papstes werden nach Schüllers Einschätzung auch die noch von Steinhäuser angestoßenen Untersuchungen des Umgangs mit Mitteln aus dem erzbischöflichen BB-Fonds maßgeblich sein. Wirtschaftlich viel bedeutender als die zunächst diskutierten Ausgaben für Gutachten und Beratung sei die Frage, ob die Finanzierung der Kölner Hochschule für Katholische Theologie kirchenrechtlich ordnungsgemäß erfolgt sei. Schüller: "Das Beispiel der Theologischen Fakultät Fulda, die jetzt gerade abgewickelt wird, zeigt doch die Probleme: So eine Institution kostet zehn bis 15 Millionen Euro im Jahr, das ist aus freien Mitteln oder gar aus so einem Fonds nicht finanzierbar, und die Kirchensteuereinnahmen, die man heranziehen müsste, brechen gerade ein." Das Erzbistum Köln könne schon jetzt seinen Haushalt nur durch Auflösung von Rücklagen ausgleichen, "bilanzrechtlich ist es in einer Schieflage". Das alles werde der Papst einbeziehen müssen.
Pressekontakt:
Kölnische Rundschau
Raimund Neuß
Telefon: 0228-6688-546
print@kr-redaktion.de
Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.03.2022 - 16:47 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1962886
Anzahl Zeichen: 3126
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Köln
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 279 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Kirchenrechtler Schüller: Papst wird auch Finanzierung von Kölner Hochschule prüfen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
K (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Musikerin und Model Sarah Bora leidet bis heute unter den Folgen ihrer früheren Beziehung, in der sie jahrelang psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt war. "Ich fühle mich in keinem Zuhause sicher", sagt sie im Podcast "Talk mit K" des "Kölner Stadt-Anzeiger&qu
Deutsch-Iraner nach Schüssen auf Essener Synagoge festgenommen - Vorwurf: Anstiftung zum Anschlag ...
Nach den Schüssen an der Alten Synagoge in Essen ist ein Mann festgenommen worden. Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe) berichtet, handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen Deutsch-Iraner. Ihm wird die Anstiftung zu einem Anschlag vorgeworfen. Nach Informationen der Z
Evangelischer Präses sagt ökumenische Adventsvesper mit Woelki ab - Sorge vor "Überlagerung" durch innerkatholische Auseinandersetzungen ...
Wegen der anhaltenden Auseinandersetzungen um den Kölner Kardinal Rainer Woelki hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, die traditionelle ökumenische Vesper zum Advent kurzfristig abgesagt. "Der Gottesdienst am Anfang des Advents wird durch die Ereignisse im
Weitere Mitteilungen von K
Krieg in der Ukraine: Bundeskanzler Olaf Scholz bei "maybrit illner" im ZDF (FOTO) ...
Von einer "Zeitenwende" sprach Bundeskanzler Olaf Scholz am vergangenen Sonntag im Bundestag: Waffen für die Ukraine, 100 Milliarden für die Bundeswehr, eine neue Außen- und Sicherheitspolitik. Was bedeutet das für die Ukraine, für Europa und für Deutschland? Am Donnerstag, 3. Mär
"Zur Sache: Zwei Seiten" - Neues Format im Netz und SWR Fernsehen / Landespolitisches Magazin jetzt auch mit eigenem Format für User:innen im Netz / Start am 3. März 2022 (FOTO) ...
Mehr Raum für Meinungsvielfalt und politischen Diskurs will das neue Format "Zur Sache: Zwei Seiten" ermöglichen. Am 3. März 2022 startet es als Rubrik innerhalb des landespolitischen Magazins "Zur Sache Rheinland-Pfalz" im SWR Fernsehen, einige Tage zuvor geht es als rund 1
Jan Schiffers MdL: Abtreibungslobby bekämpft Grundrechtsschutz für Ungeborene - Angebliche Versorgungslücken dienen als Vorwand für Abschaffung des § 218 StGB ...
Pro-Abtreibungs-Lobbyorganisationen wie pro familia oder die "Doctors for choice Germany" setzen sich offensiv für eine Abschaffung des § 218 StGB ein. Dabei weisen diese Organisationen immer wieder auf vermeintliche "Versorgungslücken" im ländlichen Raum hin. Dies geht oft
Über die allgemeine Dienstpflicht schreibt Michael Brandt: ...
Ein modernes Dienst- oder Gesellschaftsjahr muss vor allem zwei Kriterien erfüllen: Es muss erstens alle jungen Menschen in einer bestimmten Altersgruppe meinen. Eine Festlegung auf Männer wie einst beim Militärdienst wäre damit ausgeschlossen. Und zweitens muss es eine Gleichgewichtung der In




