dbb: Tarifeinheitsgesetz wird weiter für Unfrieden sorgen

dbb: Tarifeinheitsgesetz wird weiter für Unfrieden sorgen

ID: 1992501
(ots) -

Das Tarifeinheitsgesetz wird aus Sicht des dbb weiter für Unfrieden sorgen - auch wenn es nicht gegen die Europäische Konvention für Menschenrechte verstößt.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat am 5. Juli 2022 seine Entscheidung zu Individualbeschwerden des dbb und weiterer Gewerkschaften gegen das Tarifeinheitsgesetz (TEG) veröffentlicht. Demnach liegt kein Verstoß gegen die Grundrechte auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit aus der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) vor.

"Wir hätten uns eine klare Bestätigung unserer Rechtsauffassung gewünscht, denn das TEG ist unbestreitbar ein unverhältnismäßiger Eingriff in das Grundrecht auf die Koalitionsfreiheit einzelner Beschäftigter und in die Tarifautonomie", sagte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach in einer ersten Reaktion auf die Entscheidung des EGMR. "Zudem sind die auch vom Bundesverfassungsgericht erkannten Schwierigkeiten der Ermittlung, wer wo die meisten Mitglieder hat, bis zum heutigen Tag noch immer nicht geklärt", kritisierte Silberbach. "Die Gewerkschaften werden in Anbetracht der Rechtslage ihr Werben um Mitglieder massiv verstärken und ausweiten. Das TEG sorgt in der Tariflandschaft also weiter für Unfrieden, Chaos und Ungerechtigkeit und bleibt ein Fall für die Gerichte. Das ist das Gegenteil von alldem, was der Gesetzgeber mit dieser überflüssigen Normierung der bislang funktionierenden Sozialpartnerschaft erreichen wollte. Vor diesem Hintergrund wäre es verantwortungsvoll, die Fehlentscheidung zu diesem Gesetz zu revidieren und es vernünftigerweise dorthin zu befördern, wo es hingehört: In den Papierkorb."

Silberbach hob hervor, dass die Entscheidung des EGMR nicht einstimmig war und zwei Richter in einer gesonderten Stellungnahme ausführlich erläuterten, dass mit dem TEG durchaus unverhältnismäßig in Grundrechte Arbeitnehmender eingegriffen werde und daher tatsächlich ein Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention vorliege. "Wie die Sondervoten zweier Richter im Urteil des Bundesverfassungsgerichts zeigt die Straßburger Stellungnahme, dass unsere Rechtsauffassung auch höchstrichterlich geteilt wird", so Silberbach.



Hintergrund

Im Dezember 2017 hatte der dbb gegen das ursprüngliche Tarifeinheitsgesetz Beschwerde vor dem Straßburger Gerichtshof erhoben. Durch den Urteilsspruch des BVerfG am 11. Juli 2017 stand der Weg zum EGMR (Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte) offen. Die Individualbeschwerde richtet sich, wie auch zuvor die erste Verfassungsbeschwerde im Jahr 2015, gegen das im Juli 2015 in Kraft getretene Tarifeinheitsgesetz vom 3. Juli 2015. Nicht nur der dbb hatte diesen Rechtsweg beschritten, auch die im dbb organisierte Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Marburger Bund hatten Beschwerden gegen das TEG in Straßburg eingereicht.

Pressekontakt:

dbb - beamtenbund und tarifunion
Dr. Frank Zitka
Telefon: 030.4081-5510
Fax: 030.4081-5599
Email: zitka@dbb.de

Original-Content von: dbb beamtenbund und tarifunion, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Kommunale IT-Dienstleister machen die Verwaltungsdigitalisierung: Best-Practice Dialoge von Vitako voller Erfolg auf dem 8. Zukunftskongress Staat und Verwaltung (FOTO) Staatsrechtler: Einrichtung kommunaler Kinder- und Jugendparlamente in Deutschland verfassungsrechtlich möglich
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 05.07.2022 - 14:06 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1992501
Anzahl Zeichen: 3270

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Kommune



Diese Pressemitteilung wurde bisher 226 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"dbb: Tarifeinheitsgesetz wird weiter für Unfrieden sorgen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

dbb beamtenbund und tarifunion (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

dbb begrüßt Gesetzentwurf zur Beamtenbesoldung ...
"Damit hält Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sein Versprechen, das Thema zügig voranzubringen", sagte dbb-Chef Volker Geyer. Mehrere Urteile des Bundesverfassungsgerichts, zuletzt eines aus dem November 2025, hatten umfangreiche Reformen der Besoldung in Bund und Ländern nötig g

Einkommensrunde öffentlicher Dienst der Länder / Tage der Entscheidung - wettbewerbsfähig oder abgehängt? ...
Hier wird über die Wettbewerbsfähigkeit der Länder entschieden", erklärt dbb-Chef Volker Geyer vor der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam. Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigten der Länder 7 Prozent höhere Einkommen, mindestens 300 Euro. "In dieser Runde wird sich zeig

"Auftakt zu unbequemen Zeiten!" / dbb kündigt flächendeckende Streiks bei der Autobahn GmbH an. ...
"Am Dienstag findet der Auftakt zu unbequemen Zeiten für die Autobahn GmbH statt", äußerte dbb Tarifchef Andreas Hemsing mit Blick auf die wenig zielführende Verhandlungsführung der Autobahn GmbH. "Zuletzt gab es viele Worte, aber kaum Konkretes und letztlich kein Angebot. Damit


Weitere Mitteilungen von dbb beamtenbund und tarifunion


Kommunale IT-Dienstleister machen die Verwaltungsdigitalisierung: Best-Practice Dialoge von Vitako voller Erfolg auf dem 8. Zukunftskongress Staat und Verwaltung (FOTO) ...
Vom 20. bis 22. Juni fand der diesjährige "Zukunftskongress Staat & Verwaltung" in Berlin statt. Vitako e. V. war als Hauptpartner zum 8. Mal mit einem eigenen Stand dabei und beteiligte sich mit dem Vitako-Kommunalforum und drei eigenen Best-Practice Dialogen zu aktuellen Themen de

VBKI-Symposium: Stadtgesellschaft diskutierteüber das Berlin von morgen / Olympische Spiele als Chance für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Metropole (FOTO) ...
14 Ausschüsse, 8 Diskussionspanels, ein einzigartiges Format: Gemeinsam mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Berliner Stadtgesellschaft hat der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) intensiv über das Berlin von morgen diskutiert. Mit dabei unter anderem: Franziska Giffe

Flussbad Berlin: Umstrittenes Projekt hat bisher schon 6 Millionen gekostet ...
Das Projekt Flussbad Berlin im Spreekanal im Zentrum der Hauptstadt hat bereits knapp 6 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln gekostet. Die Summe geht aus der Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Felix Reifschneider hervor, die rbb24 Recherche exklusiv v

LAST MILE CITY LOGISTICS feiert in Berlin erfolgreiche Live-Premiere (FOTO) ...
Städte und Kommunen sind gefordert MYFLEXBOX expandiert nach Deutschland BDKEP begrüsst die Spezialveranstaltung Community-Plattform und Neuauflage in 2023 als nächste Schritte Wie kann das steigende Aufkommen an Paketauslieferungen auf der 'letzten Meile' auch zukünftig bewälti


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z