Erzwungene Geständnisse am 7. Tag des Schauprozesses gegen deutsch-iranischen Regimekritiker Jamshid Sharmahd
ID: 2002171
Im Iran fand heute eine weitere Verhandlung im Prozess gegen den deutschen Staatsbürger Jamshid Sharmahd statt. Am heutigen Prozesstag wurde der bekannte Kritiker des Regimes im Iran - nach offensichtlicher Folter - gezwungen, einige der ihm zu Last gelegten Taten zu gestehen.
Das Bündnis "Save Sharmahd" verurteilt den Prozess gegen den Journalisten auf das Schärfste. Die Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi, die seit 2004 gegen die Todesstrafe kämpft, erklärt dazu: "Die deutsche Öffentlichkeit darf sich von dem inszenierten Schauprozess vor dem Revolutionsgericht in Teheran nicht täuschen lassen. Von einem rechtsstaatlichen Verfahren kann keine Rede sein. Ein Geständnis nach 700 Tagen Isolationsfolter und enormem physischen und psychischen Druck hat keinerlei Wert."
Jamshid Sharmahd ist nun seit mehr als 700 Tagen in Isolationshaft. Isolationshaft gilt als Folter und wird von allen Menschenrechtsorganisationen geächtet. Sharmahd hat keinen Zugang zu einem Anwalt seiner Wahl und fast keinen Kontakt zu seiner Familie. Der 66-Jährige leidet unter Parkinson und unter den Folgen der Isolationshaft und der fehlenden medizinischen Versorgung.
Rebecca Schönenbach vom Verein "Frauen für Freiheit" erklärt: "Der Druck auf Sharmahd ist enorm und vollkommen unmenschlich. Das ist das typische Vorgehen des Unrechtsregimes im Iran: Auf die Gefangenen wird solange psychologisch eingewirkt, bis sie aufgeben und etwas gestehen, was sie nicht getan haben, nur damit die unerträgliche Druck aufhört, der auf sie ausgeübt wird."
Die Tochter des Regimekritikers Gazelle Sharmahd ist in größter Sorge um ihren Vater: "Die Bilder meines Vaters in den iranischen Medien zu sehen, bricht mir das Herz. Er hat nicht nur Gewicht verloren, er kann kaum noch aufrecht gehen, und leidet an Herzschmerzen und Atembeschwerden. Außerdem hat er alle seine Zähne verloren, das wirft in mir die Frage auf, was haben sie mit ihm gemacht? In einem raren Telefonat vor zwei Tagen mit der Familie, wurde deutlich, dass er das Gefühl von Raum und Zeit verloren hat. Er wirkte müde und erschöpft. Mein Vater ist unschuldig: Er wurde inhaftiert weil er sein Recht auf Meinungsfreiheit genutzt hat."
Ulrike Becker vom Mideast Freedom Forum formuliert Forderungen des Bündnisses an die Bundesregierung: "Wir fordern die Bundesregierung und den Bundestag auf, die unverzügliche Freilassung von Jamshid Sharmahd öffentlich zu fordern. Dabei müssen harte Konsequenzen angedroht werden für den Fall, dass Herr Shahrmahd in diesem Schauprozess tatsächlich hingerichtet wird. Darüber hinaus wäre es wichtig, dass alle westlichen Staaten kooperieren und gemeinsam Druck auf das Regime ausüben, damit das Regime westliche Staatsbürger:innen nicht weiter dazu benutzen kann, um vom Westen Zugeständnisse zu erpressen."
Das Bündnis appelliert außerdem an alle Bundestagsabgeordneten und die Öffentlichkeit, sich der Kampagne "SaveJamshidSharmahd" anzuschließen, seine Freilassung zu fordern und öffentlich das Vorgehen des Regimes zu kritisieren.
Weiterführende Informationen zum Fall Sharmahd finden Sie auf der Webseite der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte hier: https://www.igfm.de/kampagne-save-jamshid-sharmahd/ und auf der Seite des Mideast Freedom Forum Berlin: https://ots.de/uXJfzP
Pressekontakt:
Ulrike Becker
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Mideast Freedom Forum Berlin
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Datum: 23.08.2022 - 16:03 Uhr
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