DEKV-Fachforum. Gutachten von Prof. Schlegel bestätigt: Trägervielfalt und Subsidiarität haben keine rechtliche Schutzfunktion im Krankenhausrecht
ID: 2214091

(ots) - Beim Fachforum "Subsidiarität im Wandel - Zwischen Grundgesetz und Krankenhausreform" hat der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) zentrale Erkenntnisse zur Zukunft freigemeinnütziger Krankenhäuser und der Trägervielfalt im deutschen Gesundheitswesen vorgestellt. Kernstück war das vom DEKV beauftragte Rechtsgutachten des früheren Präsidenten des Bundessozialgerichts, Prof. Dr. Rainer Schlegel, das die Rolle von Subsidiarität und Trägervielfalt im Krankenhausrecht grundlegend bewertet.
Trägervielfalt: gesellschaftlich gewollt - rechtlich wirkungslos
Das Gutachten zeigt klar: Weder Subsidiarität noch Trägervielfalt haben im Krankenhausplanungsrecht eine einklagbare Schutzwirkung. Für die Länder gelten ausschließlich die Kriterien Bedarf, Qualität und Leistungsfähigkeit. Die Trägerform spielt bei Planungsentscheidungen keine Rolle.
"Das Krankenhausrecht kennt keinen Vorrang freigemeinnütziger Träger. Trägervielfalt hat rechtlich nur eine nachgeordnete Bedeutung, wenn die Qualität zweier Anbieter identisch ist", erläuterte Schlegel. Damit bestätigt er eine Entwicklung, die freigemeinnützige Einrichtungen seit Jahren spüren: Die historische Rolle kirchlicher und gemeinnütziger Häuser entfaltet im geltenden Recht keine Schutzwirkung.
Kommunale Defizitausgleiche verzerren den Wettbewerb - bleiben aber zulässig
Von besonderer Bedeutung für die Trägervielfalt ist ein zweiter zentraler Befund: Kommunale Krankenhäuser dürfen unter bestimmten europarechtlichen Bedingungen Verluste durch ihre Träger ausgleichen lassen. Diese Zahlungen gelten nicht als wettbewerbswidrig, solange sie innerhalb eines klar umrissenen Rahmens erfolgen.
Schlegel betonte: "Diese Wettbewerbsbedingungen sind rechtlich zulässig - und auf Bundesebene nicht korrigierbar, weil Subsidiarität und Trägervielfalt keine einklagbaren Ansprüche erzeugen." Für freigemeinnützige Krankenhäuser bedeutet dies einen strukturellen Nachteil, da sie keine entsprechenden Ausgleichsmechanismen nutzen können.
DEKV: Trägervielfalt sichern heißt lokal überzeugen
Der DEKV-Vorsitzende Christoph Radbruch hob hervor, welche Schlussfolgerungen daraus für die freigemeinnützige Trägerlandschaft erwachsen: "Das Gutachten zeigt klar: Die entscheidenden Weichen für die Zukunft der Trägervielfalt werden vor Ort gestellt. Wer in den Regionen überzeugt, hat Chancen."
Da Krankenhausplanung Ländersache bleibt, gewinnen regionale Entscheidungsgremien - Kreistage, Landesministerien, Planungsausschüsse - weiter an Bedeutung. Radbruch ergänzte: "Freigemeinnützige Krankenhäuser müssen sichtbarer machen, welchen Mehrwert sie für die Daseinsvorsorge und die Qualität der medizinischen Versorgung leisten. Nur mit belastbaren Daten und klaren Narrativen können wir Trägervielfalt politisch sichern."
Historische Verantwortung und Zukunft der Trägervielfalt
Prof. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, stellte die Bedeutung freigemeinnütziger und kirchlicher Träger in den historischen Kontext des deutschen Sozialstaats. Sie betonte: "Trägervielfalt ist kein dekoratives Prinzip. Sie ist ein tragender Bestandteil unseres Sozialstaats - gerade dort, wo Versorgung nicht profitgetrieben erfolgen kann."
Noller warnte vor einer Erosion der Trägervielfalt: Wenn kommunale Häuser durch Defizitausgleiche abgesichert seien, während freigemeinnützige Häuser Insolvenzen riskieren, entstehe eine Fehlsteuerung, die das System langfristig verändere.
DEKV stärkt Mitgliedshäuser in der regionalen politischen Arbeit
Der DEKV kündigte an, seine Mitglieder künftig noch gezielter dabei zu unterstützen, ihre Position als verlässliche Versorgungspartner zu festigen und regionale politische Netzwerke auszubauen. Die Sicherung der Trägervielfalt setze voraus, dass freigemeinnützige Krankenhäuser regional sichtbarer werden und ihre Versorgungsbeiträge klar kommunizieren.
"Trägervielfalt bleibt unverzichtbar für ein leistungsfähiges, menschliches und stabiles Gesundheitswesen. Ihre Sicherung verlangt heute mehr politische Überzeugungsarbeit als je zuvor", fasste Radbruch zusammen.
Download Gutachten Subsidiarität in der Langversion (https://dekv.de/wp-content/uploads/2025/11/DEKV_Gutachten.pdf)
Download Gutachten Subsidiarität in der Kurzversion
Pressekontakt:
Medizin & PR GmbH - Gesundheitskommunikation
Barbara Kluge | Eupener Straße 60, 50933 Köln
E-Mail: barbara.kluge@medizin-pr.de | Tel.: 0221 / 77543-0
Melanie Kanzler | Verbandsdirektorin
E-Mail: kanzler@dekv.de | Tel.: 030 200 514 19 0
Original-Content von: Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e. V. (DEKV), übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.11.2025 - 14:51 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2214091
Anzahl Zeichen: 5023
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 249 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"DEKV-Fachforum. Gutachten von Prof. Schlegel bestätigt: Trägervielfalt und Subsidiarität haben keine rechtliche Schutzfunktion im Krankenhausrecht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e. V. (DEKV) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Evangelische Krankenhäuser legen der FinanzKommission Gesundheit konkret berechnete Entlastungsvorschläge vor - ohne Abstriche bei der Versorgung Bei den Fach- und Expertengesprächen der FinanzKommission Gesundheit zum stationären Sektor am 8. Januar hat der DEKV konkrete Vorschläge eingebrach
Notfallreform: DEKV fordert Begrenzung der Planungsregionen und breit angelegte Informationskampagne ...
Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) unterstützt die geplante Notfallreform. Sie ist ein wichtiger Schritt, um die Notfallversorgung in Deutschland dauerhaft leistungsfähig aufzustellen. Dafür setzt der vorliegende Referentenentwurf einen Rahmen. Damit Patientinnen und Patienten im
Wettbewerbsnachteile auf dem Prüfstand: Bundesverwaltungsgericht stärkt Position freigemeinnütziger Krankenhäuser ...
Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem wichtigen Beschluss vom 12. November 2025 entschieden, dass der Streit zwischen AGAPLESION und der Stadt Frankfurt über kommunale Zuschüsse für ein städtisches Krankenhaus vor einem Verwaltungsgericht zu klären ist. Der Deutsche Evangelische Krankenhaus
Weitere Mitteilungen von Deutscher Evangelischer Krankenhausverband e. V. (DEKV)
Mit Blick auf die Feiertage wird Impfschutz immer wichtiger - denn Atemwegserkrankungen werden weiterhin unterschätzt, wie eine neue Umfrage zeigt ...
Mit dem nahenden Jahresende und den bevorstehenden Familienfeiern wird unser Immunsystem besonders gefordert. Zudem herrschen ideale Bedingungen für die Verbreitung von Atemwegsviren zwischen der feuchten Winterkälte und der trockenen Heizungsluft. In diesem Zusammenhang gewinnen vorbeugende Maßn
Millionär dank LOTTO 6aus49 / Glück im Kreis Unna ...
Ein Spielteilnehmer aus Nordrhein-Westfalen wird mit LOTTO 6aus49 in der Gewinnklasse 2 zum Millionär. Einen weiteren NRW-Hochgewinner gibt es bei der Zusatzlotterie SUPER 6. Millionär mit "Sechs Richtigen" In den vergangenen Tagen hielten eisige Wintertemperaturen Einzug in NRW. Richt
Süchtig nach Essen? "Terra Xplore" im ZDF ...
Warum fällt es vielen Menschen schwer, ihr Essverhalten zu kontrollieren? Und wie eng hängen Ernährung und Psyche zusammen? Das will Leon Windscheid in der "Terra Xplore"-Folge "250 Kilo – bin ich süchtig nach Essen?" herausfinden. Im ZDF-Streaming-Portal ist die Sendung ab
EP-Vorschau: Online-Kinderschutz, Verteidigungsindustrie, Entwaldungsgesetz, Digital-Omnibus, Seltene Erden | Plenartagung, 24. - 27. November in Straßburg ...
Vorschau: Plenartagung vom 24. bis 27. November Das Europäische Parlament tagt vom 24. bis 27. November im Plenum in Straßburg. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die unten folgenden Themen. Die laufend aktualisierte Tagesordnung finden Sie unter diesem Link (https://www.europarl.europa




