Transatlantische Täuschungen
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(ots) - Bequem hatte sich das wiedervereinigte Deutschland in der postsowjetischen Zeit eingerichtet. Landesverteidigung spielte in den Szenarien der Politik plötzlich keine Rolle mehr. Schließlich war die Republik nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nur noch von befreundeten oder verbündeten Mächten umgeben. Und über allem wachte ja der große Bruder - die Sicherheitsgarantien der USA galten als unumstößliches Naturgesetz. Dieses Gefühl der Unverwundbarkeit hatte, wie wir heute wissen, fatale Folgen:Während andere Staaten Lehren aus den Kriegen in Georgien und Tschetschenien, aus der Annexion der Krim und dem Geschehen im Donbass zogen, hielt Deutschland unbeirrt an seiner "Friedensdividende" fest. Die Bundeswehr wurde kaputtgespart, die Truppenstärke reduziert, die Wehrpflicht ausgesetzt. Man ging gemeinhin davon aus, dass die Welt sich schon irgendwie nach deutschem Gusto entwickeln würde - kooperativ, friedliebend, handelspolitisch eng verflochten.Nun, es kam anders. US-Vizepräsident JDVance riss auch den letzten Transatlantiker aus seinen Träumen, als er vor einem Jahr ausgerechnet auf der Münchner Sicherheitskonferenz den Europäern gehörig die Leviten las. Quasi in seiner Replik räumte Kanzler Friedrich Merz nun mit den Dogmen deutscher Außen- und Sicherheitspolitik auf. Sein Matra:Deutschland darf nicht länger der naive Schützling sein, der hofft, Onkel Sam werde es schon richten. In der neuen Welt der Großmächte, in der das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts ersetzt, heißt es, den Helm aufzusetzen und selbst Verantwortung zu übernehmen - oder geopolitisch unterzugehen.Unweigerlich kommt einem vor dem Hintergrund des russischen Säbelrasselns gegenüber dem Westen der alte Slogan "Lieber tot als rot" aus dem Kalten Krieg in den Sinn. Die außenpolitisch irrlichternden Gestalten aus den Reihen der AfD und das einstige "kommunistische Maschinengewehr" Sahra Wagenknecht mögen das anders sehen - doch Wladimir Putins Großrussland muss mit aller Macht verhindert werden. Europa muss sich dafür, wie von Merz skizziert, von den USA emanzipieren - politisch, wirtschaftlich und militärisch. Das wird ein Kraftakt auf Jahrzehnte. Nötig ist ein Dreiklang aus militärischer, finanzieller und ökonomischer Unterstützung der Ukraine, harten Sanktionen gegen Russland sowie der Stärkung der Nato-Ostflanke: also Abschreckung statt Anbiederung.
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Datum: 13.02.2026 - 21:25 Uhr
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Kommentar der Fuldaer Zeitung zur Münchner Sicherheitskonferenz
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