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"nd.DerTag": Bomben statt Diplomatie - Kommentar zur jüngsten militärischen Eskalation zwischen Pakistan und Afghanistans Taliban-Regime

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(ots) - Pakistan hat sich in den vergangenen Wochen einen Ruf als Vermittler erworben, indem es einen scheinbar unlösbaren Konflikt zwischen den USA und dem Iran einer diplomatischen Lösung zuzuführen half. Dieses Gespür fehlt den Regierenden in Islamabad offenbar jedoch, wenn es um die eigenen Interessen geht.

Erneut hat die pakistanische Luftwaffe Ziele in Afghanistan angegriffen und zahlreiche Zivilisten getötet. Man kennt die Begründung für solche Angriffe nur allzu gut von vielen Kriegsschauplätzen: Die Bomben galten angeblich "Terroristen". So argumentiert Israel regelmäßig, wenn Kinder im Gazastreifen zur Zielscheibe werden oder Libanesen unter ihren Häusern begraben werden. Mit dieser Begründung hat die türkische Armee über Jahre den Nordirak und Nordsyrien bombardiert, um angebliche PKK-Kämpfer zu treffen. So agiert auch die US-Armee, wenn sie mit Drohnen eine Hochzeitsgesellschaft im Jemen zur Explosion bringt oder wahlweise vor Venezuela Schlauchboote mit "Drogenschmugglern" in die Luft jagt.

Überflüssig zu erwähnen, dass keine dieser Kriegshandlungen vom Völkerrecht gedeckt ist. Die Angreifer geben sich nicht mal mehr die Mühe, irgendwelche Begründungen für eine unmittelbare Bedrohung durch die zum Ziel erklärten angeblichen "Terroristen" zu bringen. Ihr Wort allein soll zählen; eine offizielle lakonische Erklärung muss reichen, Zweifler und Kritiker zu überzeugen.

Pakistan kann recht ungestört agieren, muss sich kaum ernsthafter Kritik an seinem militärischen Abenteuer aussetzen. Den Taliban im angegriffenen Afghanistan fehlt die Lobby, um international Unterstützung für sich zu generieren. Wen kümmert's, wenn fernab am Hindukusch drei Dutzend Menschen getötet werden, darunter auch Frauen und Kinder?

Vergessen wird bei diesem Konflikt häufig, dass der 1947 aus der Erbmasse der britischen Kronkolonie Indien hervorgegangene Staat Pakistan mit einer 2450 Kilometer langen Nordwestgrenze zu Afghanistan ausgestattet worden war, die nie von den Regierenden in Kabul anerkannt wurde und de jure eine Demarkationslinie darstellt. Willkürlich gemäß den eigenen imperialen Interessen von den britischen Kolonialisten gezogen, trennt sie das Volk der Paschtunen bewusst auf zwei Staaten auf und perpetuiert so einen Konflikt, der bereits viele Menschenleben gekostet hat und weiter kosten dürfte.



Die beiden Staaten sind eigentlich zur Kooperation genötigt, um die Grenze durchlässig zu machen für die diesseits und jenseits der Grenzlinie lebenden paschtunischen Gruppen - doch das ist eine ferne Vision. Viel wäre gewonnen, wenn sich die Kontrahenten an einen Tisch setzen und ernsthaft verhandeln würden. Aber in Islamabad setzt man auf die militärische Überlegenheit, die auf dem Papier nicht zu leugnen ist.

Pakistan ist sogar Atommacht, doch der Frieden mit dem Nachbarn im Norden lässt sich nicht mit Gewalt herbeibomben. Je länger der Konflikt andauert, desto größer die Gefahr, dass terroristische Gruppierungen wie der Islamische Staat-Khorasan (IS-K) davon profitieren.

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Datum: 29.06.2026 - 18:42 Uhr
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