Rheinische Post: Haushalt außer Kraft
ID: 331850
Am Montag war an dieser Stelle zu lesen, Nordrhein-Westfalen sei
ein Land ohne Opposition. Dies bedarf heute einer Korrektur. Es gibt
eine Opposition. Sie ist 63 Jahre alt, trägt Bart und rote Robe,
heißt Michael Bertrams und ist Präsident des
Landesverfassungsgerichtshofs. Natürlich hat Richter Bertrams nur
seines Amtes gewaltet, das aber wirkungsmächtig. Ein Hauch von "Wir
sind das Volk" weht durch das Schreiben, mit dem er Rot-Grün weitere
Kreditaufnahmen verbietet. Bertrams gelang, was die
Oppositionsfraktionen nicht geschafft hatten: die Aufmerksamkeit
einer breiten Öffentlichkeit auf das rot-grüne Finanz-Unwesen zu
lenken. Das Gericht hat die Schuldenorgie der Minderheitsregierung
kontrolliert und als für keinen Tag länger erträglich befunden. Noch
ist das nur ein Vorgang von immenser Symbolik: Höchstrichterlich,
wenn auch vorläufig, bescheinigt Bertrams Rot-Grün, nicht mit Geld
umgehen zu können. Im Land der Bausparer ist das ein Image-GAU.
Haushalt außer Kraft sozusagen. Um wahrgenommen zu werden, musste der
Jurist allerdings Rechtsgeschichte schreiben. Erstmals schaltet sich
ein Gericht in einen laufenden Haushalt ein und konstatiert nicht
erst im Nachhinein die Unvereinbarkeit eines Etatentwurfs mit der
Verfassung. So berührt die Rechtsprechung das vornehmste Recht des
Parlaments, das Haushaltsrecht, und lähmt die ausführende Gewalt, die
Regierung. Es lohnt, die Folgen des Münsteraner Eingreifens
weiterzudenken: Schwer vorstellbar, dass sich Rot-Grün der Gefahr
aussetzt, seine Finanzpolitik dauerhaft als unseriös zerpflücken zu
lassen. Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann müssen ihren
Regierungsmodus umstellen: von "Versöhnen statt spalten II" auf
"Eiserne Ladies". Das ist riskant. Rot-Grün in Berlin, Stichwort
"Agenda 2010", hat das umgebracht. Für das Land richtig war es
trotzdem. Die Linke fällt jedoch als Mehrheitsbeschaffer für eine
solche Politik aus. Die Liberalen könnten eine Option für Rot-Grün
sein. Mehr spricht aufgrund der großen Geschlossenheit der Koalition
aber dafür, dass sich Rot-Grün doch durch Neuwahlen ein Mandat für
einen Kurs der Konsolidierung holen könnte. Denn das Signal aus
Münster gilt nicht nur der Politik, sondern uns allen. Wir haben es
uns in einem Denken bequem gemacht, das viel vom Staat erwartet, aber
möglichst wenig zurückgeben will. Regierungen versuchen, Rot-Grün
geradezu exzessiv, diese Erwartungshaltung zu befriedigen. "Privat
vor Staat", "schlanker Staat", Politikansätze, die auf dem
Konzept-Müllhaufen der jüngsten Geschichte gelandet schienen,
gewinnen an Aktualität. Rot-Grün wie jede andere Konstellation muss
einen verfassungsgemäßen, bis 2020 sogar ausgeglichenen Haushalt
aufstellen. Dies geht nur mit Kürzungen bei Personal und Privilegien,
der Reduktion staatlicher Aufgaben sowie einer Senkung unserer
Ansprüche. Willkommen in der Wirklichkeit.
Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion
Telefon: (0211) 505-2303
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 19.01.2011 - 20:06 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 331850
Anzahl Zeichen: 3335
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Düsseldorf
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 232 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Rheinische Post: Haushalt außer Kraft"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Rheinische Post (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Neu-Nationalspieler Florian Neuhaus mag keine Vergleiche mit Toni Kroos und Ex-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. "Beide sind große Spieler, die eine Ära des deutschen Fußballs geprägt haben. Natürlich ist es faszinierend, wie Kroos die Kontrolle über ein Spiel hat, und alles, was er
Ex-Nationalspieler Uwe Rahn an Darmkrebs erkrankt ...
Der frühere Nationalspieler und Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga, Uwe Rahn, ist an Darmkrebs erkrankt. Das sagte der 58-Jährige im Interview mit der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Dienstag). "Die Diagnose war für mich natürlich ein Schock. Da der Krebs fortgeschritten
NRW-Oppositionsführer Kutschaty fordert Ende von Armin Laschets "Stop-and-Go-Politik" ...
Kurz vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag dringt die SPD-Landtagsfraktion auf einen klaren Kurs der nordrhein-westfälischen Landesregierung: "Armin Laschet muss seine Strategie überdenken und rauskommen aus dieser Stop-and-Go-Politik. Lock
Weitere Mitteilungen von Rheinische Post
Mitteldeutsche Zeitung: zu Bundeswehr und Feldpost ...
Dass der Bundesnachrichtendienst hinter den Vorgängen steckt, ist unwahrscheinlich. Gut möglich, dass er sich für Soldaten-Briefe interessiert. Doch dass er auf eine Weise vorgeht, die so offensichtlich ist, scheint eher unwahrscheinlich. Die zweite Möglichkeit ist, dass die Sicherheitsbehör
RNZ: Yan und Dollar ...
Von Klaus Welzel Gobalisierung ist manchmal ganz einfach zu verstehen: Geht es den Amerikanern schlecht, bestellen die Chinesen weniger Druckmaschinen in Heidelberg. Sinkender Bedarf in den Staaten an bedruckten Etiketten made in China. Kein Land agiert alleine in der Welt. Und somit ist es
RNZ: Yuan und Dollar ...
Von Klaus Welzel Gobalisierung ist manchmal ganz einfach zu verstehen: Geht es den Amerikanern schlecht, bestellen die Chinesen weniger Druckmaschinen in Heidelberg. Sinkender Bedarf in den Staaten an bedruckten Etiketten made in China. Kein Land agiert alleine in der Welt. Und somit ist es
Brüderle im Wunderland ...
"Die Bundesregierung lässt sich vom Konjunkturstrohfeuer des letzten Jahres blenden. Die Erhöhung der Wachstumsprognose für das laufende Jahr ist unseriös. Eine Politik, die keinen Beitrag für höhere Löhne leistet, darf sich keine Hoffnungen auf einen konsumgestützten Aufschwung machen&




