Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Deutschland in Zeiten der Energiewende
Schneller Umdenken
MATTHIAS BUNGEROTH
ID: 581594
Augen: "Deutschland nahe am Blackout", titelten die Zeitungen vor
einigen Tagen. Will heißen: Um ein Haar hätten weite Teile des Landes
- zumindest zeitweise - ohne Strom dagestanden. Mitten im Winter
keine Elektroheizung, kein Licht, keine Möglichkeit jedwede Art
elektrischer Geräte zu benutzen. Unvorstellbar. Noch unvorstellbarer
als dieses Szenario ist der Fakt, dass die Bundesnetzagentur als
oberste Wächterin über die Deregulierung und Liberalisierung des
Strommarkts derzeit nicht ausschließen will, dass schlichtes Kalkül
der Stromhändler zu dieser Situation geführt hat, die die
Aufsichtsbehörde als "sehr, sehr ernst" bezeichnet. Motto: Halte die
Kalkulation knapp, damit man nicht zuviel von dem derzeit so teuren
weil mehr denn je gefragten Strom einkaufen muss. Der Strommarkt
"eines der leistungsfähigsten und wirtschaftlich erfolgreichsten
Länder der Welt", wie die Bundesrepublik im Bericht "Wirtschaft,
Wachstum, Wohlstand" des Bundeswirtschaftsministeriums genannt wird,
wird zum Spielball von Spekulanten. Ein GAU in der Stromversorgung
durch diese Zockerei nicht ausgeschlossen. Ob sich hierfür letztlich
nun handfeste Beweise finden lassen oder nicht: Allein der Verdacht
eines solch fahrlässigen Handelns den die höchste Aufsichtsbehörde
äußert zeigt, in welchem Umbruch sich der Energiemarkt in Deutschland
befindet. Die Nabelschnur, an der diese Industrienation hängt, ist
dünner und brüchiger geworden. Seit Fukushima, jener
Katastrophenserie in mehreren japanischen Kernkraftwerken im März
2011, ist die Welt der Strom- und Energieversorgung in Deutschland in
Auflösung und Umbruch begriffen. So will es die von der
schwarz-gelben Koalition in Berlin ausgerufene Energiewende.
Zentraler Punkt: Bis Ende 2022 soll Deutschland vollständig auf die
Produktion von Strom aus Kernkraft verzichten. Heute werden noch etwa
23 Prozent des Stroms durch Atomkraftwerke produziert. Niemals hätten
die vier großen Energieerzeuger Eon, Vattenfall, RWE und EnBW ohne
das Unglück in Japan mit einer solchen Politikwende einer
CDU/CSU-FDP-Bundesregierung gerechnet. Doch die Branche erwacht nun
aus der Schockstarre. Es zieht mehr Wettbewerb ein auf dem
Strommarkt, die Zeiten der Energieknappheit werden dazu genutzt,
kurzfristig Profite über die Strombörse EEX in Leipzig einzufahren.
Die großen Energieverbraucher der Industrie befinden sich im Süden
und Südwesten der Republik, große alternative Energieproduzenten wie
die Offshore-Windanlagen jedoch an der Nordsee. Das Leitungsnetz ist
- insbesondere - zu Hauptlastzeiten - längst am Ende seiner
Kapazitäten angekommen. Doch auch die Politik tut sich schwer mit dem
neuen Energie-Zeitalter. Die Solarförderung schon zum 9. März um bis
zu 29 Prozent zu kürzen, ist eine Entscheidung nach dem
Hauruckverfahren. Das Umdenken muss zwar schneller gehen, aber mit
Augenmaß erfolgen und plausibel sein.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.02.2012 - 19:13 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 581594
Anzahl Zeichen: 3383
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 301 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Deutschland in Zeiten der Energiewende
Schneller Umdenken
MATTHIAS BUNGEROTH"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Verdi-Chef sieht Angriff auf alle Bereiche des Sozialstaats ...
Bielefeld. Der Chef der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, Franke Werneke, warnt davor, Reformen auf dem Rücken der Beschäftigten durchzusetzen. "Es gibt gerade einen Angriff auf praktisch alle Bereiche des Sozialstaats - auf Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Wahlkampf in Russland Kriegerische Töne GEORG LÖWEN ...
Russland erlebt zur Zeit einen Wahlkampf, der diesen Namen halbwegs verdient. Seit Dezember gehen Hunderttausende auf die Straße und protestieren gegen Wladimir Putin. Er und seine Partei "Einiges Russland" sehen sich gezwungen, darauf zu reagieren. Sie mobilisieren die Massen. Werksa
Westdeutsche Zeitung: Minister mit Schrammen = von Frank Uferkamp ...
Minister Kutschaty hat schnell gehandelt und den Gefängnisdirektor gefeuert. Nach der peinlichen Ausbruchserie blieb ihm kaum etwas anderes übrig. Der erste Ausbrecher konnte problemlos eine Panzerglasscheibe aus dem Rahmen heben, der zweite durfte außerhalb der Mauern arbeiten gehen, der dri
Mittelbayerische Zeitung: Der Preis für den Geiz ...
Von Stefan Stark Ein Suppenhuhn für 1,50 Euro, der Liter Milch, der billiger ist als eine Flasche Mineralwasser, ein Kilo Fleisch, das weniger kostet als Tomaten: Viele Verbraucher tun bei Lebensmitteln etwas, das in anderen Konsumbereichen für sie tabu wäre. Sie greifen bedenkenlos zu, o
Mittelbayerische Zeitung: Die Großmacht übt - aber am falschen Objekt ...
Von Norbert Mappes-Niediek Dass Deutschland in der Euro-Krise auf dem europäischen Parkett so viel machtbewusster auftritt als früher, ist eigentlich kein Wunder. Schließlich geht es für alle ums Ganze, und außerdem braucht Europa ja auch wirklich Führung; seine Probleme warten nicht, bi




