BERLINER MORGENPOST: Eine Studie zum Nachdenken für alle - Leitartikel von Jochim Stoltenberg

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ID: 586356
(ots) - Warum nicht einmal mit dem Positiven beginnen?
Insgesamt fühlen sich Muslime wohl in Deutschland, obwohl es ihnen
die Deutschen nach eigenem Empfinden nicht immer leicht machen. Zu
der erfreulichen Erkenntnis der Studie des Bundesinnenministeriums
zählt weiter, dass sich die hier lebenden Muslime mehrheitlich vom
islamistischen Terrorismus distanzieren und sich integrieren wollen.
Es steht also nicht so schlecht um die Integration, wie oft
beschrieben und beklagt. Wäre es anders, stellte sich die Frage,
warum Deutschland als Immigrationsland weiter ein so offenkundig
attraktives ist. Dass eine Minderheit dennoch Anlass zur Sorge um den
gesellschaftlichen Frieden im Lande gibt, bestätigt die Studie
allerdings auch. Dabei geht es um jene Radikalisierungstendenzen, die
aus "traditioneller Religiosität" und "autoritären Einstellungen"
gespeist werden. Die daraus erwachsende Bereitschaft zur Gewalt
vornehmlich bei jungen Immigranten differenziert sich nach deren
Stand des "Ankommens" in unserer Gesellschaft. Fast jeder vierte
junge nicht deutsche Muslim zwischen 14 und 32 Jahren ist zu einem
solchen Rechtsbruch bereit. Von den jungen Muslimen mit deutscher
Staatsangehörigkeit dagegen nur 15 Prozent. Das sind zweifellos
besorgniserregende Werte. Der eine weit mehr als der andere.
Allerdings erlauben sie keine einseitige Interpretation. Sie
relativieren sich nämlich im Vergleich zum Gefährdungspotenzial im
nationalen rechtsextremen Spektrum. Im Zusammenhang mit der
Einrichtung der gestern im Bundestag diskutierten Neonazi-Datei
schätzt das Bundesamt für Verfassungsschutz, dass in Deutschland etwa
9500 gewaltbereite Rechtsextremisten leben. Weniger dramatisch, aber
auch höchst bedenklich, dass nach einer anderen Untersuchung fast
jeder dritte Deutsche zu ausländerfeindlichen Aussagen neigt. Es ist
unzulässig, das eine Unheil gegen das andere aufzurechnen. Aber es


ist eben auch unzulässig, das existente Gewaltpotenzial bei einem
Teil der jungen muslimischen Generation isoliert zu bewerten und
nicht als Teil der gesamten Gewaltszene im Lande. Anders als die
Rechtsextremisten sind übrigens mutmaßlich gefährliche Islamisten
hierzulande schon länger in einer Anti-Terror-Datei verbucht. Die
Studie darf nicht Anlass sein, sich über die Gefahren muslimischer
Gewalt zu empören, wie es der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl
erwartungsgemäß tat, noch zu verharmlosen, wie es der
FDP-Integrationsexperte Serkan Tören mit der Bemerkung versuchte,
dass das religiöse Bekenntnis vielfach nur eine "leere Hülse" sei.
Wohl aber bietet die Untersuchung Handlungsempfehlungen nicht allein
für die Politik, deren Befolgung Defizite im verständlichen
Miteinander abbauen würden. Also Schluss mit der
Pauschalverurteilung, alle Muslime seien potenzielle Terroristen oder
mit dem Vorurteil, Islam und Terrorismus gehörten irgendwie doch
zueinander. Vielmehr gilt es, die Vielfalt auch der hiesigen
muslimischen Lebenswelten stärker als bisher in der Politik, in den
Schulen und in den Medien herauszustellen. Das allein wird uns nicht
von Gewalt und Missverstehen befreien. Aber unser Zusammenleben würde
es zweifellos fördern.



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Datum: 01.03.2012 - 18:53 Uhr
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