Neues Deutschland: Kommentar zur Wahl Joachim Gaucks zum Bundespräsdienten
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Wahl des Bundespräsidenten! Alle ans Religiöse grenzenden
Habachtbekundungen gegenüber der Würde des Amtes wirken deplatziert
nach den letzten verkürzten Amtsperioden, die wie im Zeitraffer
Anspruch und Wirklichkeiten bundesdeutscher Realpolitik
aufeinanderprallen ließen. Und sie wirken deplatziert, wenn man
Anspruch und Wirklichkeit der Kandidatenkür beobachtet hat. Zum
Glück! Viel erhellender für den Zustand der Gesellschaft als jeder
Heiligenschein über einem Amt sind doch die Bekenntnisse der
Gerechten, die ihren Kandidaten hineinhieven wollen. Und siehe, da
waren nur Parteien. Ein Kandidat, über den gesagt wird, er müsse noch
viel lernen als Präsident, ist offenbar bedingt geeignet, seine
Unterstützer sind offenbar bedingt interessiert an der Würde des
Amtes. Mit Joachim Gauck sind überdies die Einschränkungen
akzeptiert, die seine Achtung gegenüber Teilen der Bevölkerung
mindern, weil sie Freiheit anders erleben, als er es für richtig
hielte. Wie fest gefügt die Lager dieser repräsentativen Demokratie
sind, zeigt das Ergebnis, das von gerade drei Stimmen für Klarsfeld
aus den Reihen der Unterstützer Gaucks zeugt. Aber auch einen Teil
der 108 Enthaltungen darf sich Klarsfeld im Stillen gutschreiben.
Beide Kandidaten schöpften Anerkennung wie Ablehnung aus dem Umgang
mit Vergangenheit. Das hat Vergleiche provoziert. Unzutreffende wie
zutreffende, über manchen ist noch nicht entschieden. Das
Präsidialamt wird nun also Gaucks Behörde.
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Datum: 18.03.2012 - 17:37 Uhr
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