FZ: "Eine vernünftige Basis" Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Freitag, 23. März 2012) zur Reform des Transplantationsgesetzes/Organspende
ID: 601894
Bundestag: Quer über Parteigrenzen hinweg diskutierten gestern
Parlamentarier engagiert und ernsthaft über ein Thema, das jeden
betreffen kann, auch wenn man es noch so gerne verdrängen möchte: die
Organspende. Ähnlich wie bei der Debatte über die
Präimplantationsdiagnostik sind Beobachter wieder schnell bei der
Hand gewesen, von einer "Sternstunde des Parlaments" zu schwärmen.
Das ist sicher übertrieben, aber gleichzeitig stimmt es auch traurig,
dass es offenbar erst solcher moralisch komplexer Themen bedarf, dass
die Abgeordneten einmal aus ihren juristisch rundgeschliffenen
Parteistanzen ausbrechen (dürfen), die längst zum Ritual gewordenen
gehässigen Seitenhiebe auf den politischen Gegner beiseite lassen und
stattdessen mit emotionaler Anteilnahme und echter Leidenschaft für
eine Sache argumentieren. Dass ein Politprofi wie SPD-Fraktionschef
Frank-Walter Steinmeier seine persönliche Betroffenheit beim Thema
Organspende öffentlichkeitswirksam ins Spiel bringt, mag man ihm in
diesem Fall nachsehen. Inhaltlich schafft der parteiübergreifende
Antrag zur Reform des Transplantationsgesetzes eine vernünftige
Basis. Gewiss: Menschen, die gerade verzweifelt auf ein Spenderorgan
warten, hätten sich sicher gewünscht, dass der Entscheidungsfreude
potenzieller Organspender mit mehr Druck auf die Sprünge geholfen
würde. Aber die Bedenken der Gegenseite haben ebenfalls Gewicht: In
einer solch sensiblen Frage darf es keine Art von Zwang geben.
Niemand darf sich gedrängt fühlen, etwas zu unterschreiben, was
seinen religiösen Überzeugungen oder Empfindungen widerspricht oder
er vielleicht nicht bis zum Ende durchdacht hat. Der Gedanke, dass
dubiose Organhändler und Geschäftemacher überstürzte Entscheidungen
verunsicherter Patienten oder Angehöriger ausnutzen könnten, ist
unerträglich. Deshalb ist so wichtig, was künftig im Gesetz stehen
wird: Jeder muss sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen -
und sei es, dass er das Schreiben der Krankenkasse am Ende
durchreißt. Die Beschäftigung mit dem Thema an sich ist schon ein
Wert - vor allem dann, wenn sie dazu führt, sich auch mit verwandten
Bereichen wie etwa der Patientenverfügung zu befassen. Und zwar
rechtzeitig, bei klarem Verstand und ohne dass ein Arzt, ein
Angehöriger, eine Krankenkasse oder sonstwer dem Betreffenden
hineinredet.
Pressekontakt:
Fuldaer Zeitung
Bernd Loskant
Telefon: 0661 280-445
Bernd.Lofkant@fuldaerzeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.03.2012 - 20:29 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 601894
Anzahl Zeichen: 2777
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Fulda
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 344 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"FZ: "Eine vernünftige Basis" Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Freitag, 23. März 2012) zur Reform des Transplantationsgesetzes/Organspende"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Fuldaer Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Christoph Ahlhaus ist seit 2023 Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft: "Mit großem Anspruch hat die Bundesregierung Entlastungsmaßnahmen angekündigt - doch in der Praxis bleiben sie weit hinter dem zurück, was mittelständische Unternehmen jetzt dringe
Dreist und wenig wirksam / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Samstag, 18. April, zu den angekündigten Reformen der Bundesregierung ...
Quantitativ hat die Bundesregierung in dieser Woche wahrscheinlich mehr geliefert als in den Monaten zuvor: Entlastungsbeschlüsse wegen der hohen Energiepreise, Lockerungen beim Verbrenner-Aus, Einigung auf eine Einkommensteuerreform, ja sogar ein Gesundheitsreförmchen ist nun geplant. Nach den qu
Dreist und wenig wirksam / Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Samstag, 18. April, zu den angekündigten Reformen der Bundesregierung ...
Quantitativ hat die Bundesregierung in dieser Woche wahrscheinlich mehr geliefert als in den Monaten zuvor: Entlastungsbeschlüsse wegen der hohen Energiepreise, Lockerungen beim Verbrenner-Aus, Einigung auf eine Einkommensteuerreform, ja sogar ein Gesundheitsreförmchen ist nun geplant. Nach den qu
Weitere Mitteilungen von Fuldaer Zeitung
Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zu Bosch ...
Anders als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der bereits lange vor seinem Abtritt von Piranhas aus dem eigenen Vorstand ins Visier genommen wird, sind Machtkämpfe bei Bosch verpönt - erst recht solche, die in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Das zeigt sich auch darin, dass mit Bernd Bo
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur rechtlichen Vaterschaft ...
Umgang ja, eine garantierte rechtliche Vaterschaft nein: Aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ergibt sich eine weitere dicke Hausaufgabe für den deutschen Gesetzgeber. Und die dreht sich vor allem um den Begriff »Vater«. Ist im Gesetz von eben jenem die Rede, ist
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Wahl im Saarland ...
Heute kommt Angela Merkel erneut ins Saarland. Im 20 000-Einwohner-Nest Dillingen im Landkreis Saarlouis wird die Bundeskanzlerin im Lokschuppen erwartet. Es ist bereits ihr zweiter Auftritt in einem ansonst schlappen Wahlkampf. Denn im Saarland steht die neue Landesregierung seit Wochen eigentli
Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Frankreich/Toulouse ...
Frankreich befindet sich im Ausnahmezustand - emotional wie politisch. Mitten in Trauer und Entsetzen über die Mordtaten des mutmaßlichen »Gotteskriegers« fällt die spektakuläre Polizeiaktion, die mit dem Tod des Mannes endet. Der Polizeieinsatz wirft Fragen auf. Warum feuert ein Scharfsch




