Schwäbische Zeitung: Ringen um den rechten Glauben - Leitartikel

Schwäbische Zeitung: Ringen um den rechten Glauben - Leitartikel

ID: 641667
(ots) - Katholikentage sollen ein Fest des Glaubens
sein. Aber auch jetzt in Mannheim sind Misstöne und Streit nicht zu
überhören. Ungeduldige Reformer suchen die große Bühne ebenso wie
Erzkonservative, denen jeder Wandel gegen den Strich geht. Verdient
hat die Kirche solche Kraftproben nicht. Sie sind oft weit entfernt
von der Liebe zu Gott und den Mitmenschen.

Logisch, Dialog wäre wichtig. Aber wenn so viele böse Worte fallen
wie im Vorfeld des heurigen Katholikentags wird redliches Ringen um
den richtigen Weg schwierig. Dies, obwohl die Regeln des
Christenglaubens eigentlich so einfach wären: Den Nächsten wichtig
nehmen, mit allen Licht- und Schattenseiten. Verstehen und Verzeihen
gehören dazu, auch die Standhaftigkeit in der eigenen Überzeugung.
Gastgeber Erzbischof Robert Zollitsch hat recht: Kirchentage sind
keine Parlamente. Der gemeinsame Glauben verbietet das Taktieren und
Lavieren nach dem Muster der Politik. Über die zehn Gebote lässt sich
nicht streiten wie über Gesetze. Aber es sollte kein Tabu sein,
darüber zu reden, was Menschen aus diesen Geboten gemacht haben. Die
Not der wiederverheirateten Geschiedenen, die Sehnsucht vieler Frauen
nach gleichberechtigter Teilhabe in der Männerwelt der
Kirchenhierarchie - das alles ist leidenschaftliche Debatten wert und
findet auch Sympathie einer Mehrheit der deutschen Bischöfe. Aber
auch sie können keine Wunder wirken, auf die Ungeduldige hoffen.

Die Sorge, dass im lauten Streit das Erlebnis des gemeinsam
gefeierten Glaubens auf der Strecke bleibt, ist überaus berechtigt.
Sie sollte auch Streitbare wie den Kölner Kardinal Joachim Meisner
zur Mäßigung bewegen. Seine Kritik, dass Kirchentagen die
"katholische Mitte" fehle, ist ebenso daneben wie die Vorwürfe, dass
die Amtskirche den Dialog nicht wünscht. Mannheim beweist das
Gegenteil. Es ist nun mal nicht der Streit, der für die große


Mehrheit der Teilnehmer Kirchentage ausmacht. Es ist vielmehr die
Sehnsucht nach Gemeinschaft in einer zunehmend kirchenfernen Welt.



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Datum: 18.05.2012 - 21:15 Uhr
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