Rio minus 20? EU und Deutschland müssen Umweltgipfel retten
ID: 662239
Deutschland (BUND) hat davor gewarnt, dass 20 Jahre nach dem ersten
Weltumweltgipfel der Aufbruch zu mehr Nachhaltigkeit, zu mehr Umwelt-
und Klimaschutz zum Stillstand kommen oder dass es in Rio sogar ein
Rollback geben könnte. "Wird die Abschlusserklärung in ihrer jetzigen
Form verabschiedet, kommt dies einer Bankrotterklärung für den
Rio-Prozess gleich", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Der
von der brasilianischen Regierung vorgelegte Entwurf enthalte bisher
keinerlei konkrete Nachhaltigkeitsziele. Bundesumweltminister Peter
Altmaier und die EU müssten sich in den kommenden drei Tagen auf dem
Rio-plus-20-Gipfel für deutliche Verbesserungen beim globalen
Umwelt-und Naturschutz einsetzen, forderte Weiger.
Die derzeitige Abschlusserklärung öffne der Förderung der
Atomkraft und fossilen Energieträgern, beides verpackt hinter dem
Begriff "grüne Umwelttechnologien", Tür und Tor. Damit könne die
Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen nicht gestoppt werden.
"Die Welt hat mit der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ein
inakzeptables Schuldenniveau erreicht. Anstatt jetzt gegenzusteuern,
droht ein ´Weiter so´. Dieser Weg führt in ungeahnte Katastrophen.
Einer wachsweichen Rio-plus-20-Erklärung müssen Deutschland und die
EU ihre Stimme verweigern. Stattdessen müssen sie sich für einen
`Weltrettungspakt` einsetzen, der diesen Namen auch verdient", sagte
der BUND-Vorsitzende in Rio.
Zu einem solchen Pakt gehörten verbindliche Ziele zum Schutz der
Meere, zum Stopp der Waldzerstörung sowie ein klares Nein zur
Atomkraft und zum Bau von Großstaudämmen. Dringend erforderlich sei
auch die Abkehr von fossilen Energieträgern. Die Ausweitung der
Agro-Gentechnik und der Produktion von Agro-Sprit müssten ebenfalls
gestoppt werden, sagte Weiger.
Das Konzept der auf dem Rio-plus-20-Gipfel debattierten "Grünen
Wirtschaft" greife zu kurz. "Ein grün angestrichenes Wirtschaften
wird den Herausforderungen der Umwelt-, Klima- und
Nahrungsmittelkrise nicht gerecht. Wenn in Brasilien mit Gen-Soja,
Biosprit und Futtermitteln für den Export die biologische Vielfalt
und die Ernährungssicherheit gefährdet werden, dann sind auch jene
daran beteiligt, die in Europa spritfressende Autos oder die
Massentierhaltung zulassen und fördern", sagte der BUND-Vorsitzende.
Zur Abwehr von Umwelt-, Klima- und Naturkrisen müsse in Rio die
Kluft zwischen politischen Absichtserklärungen und politischem
Handeln geschlossen werden. Dafür sei auch die Aufwertung des
Weltumweltprogramms UNEP zu einer eigenständigen UN-Organisation wie
beispielsweise der UNESCO überfällig.
Weiger: "Rio muss klare Signale aussenden: Die Welt braucht mehr
erneuerbare Energien, keine umweltschädlichen Subventionen, Reformen
in der Landwirtschaft und eine ökologische Neuausrichtung des
Verkehrs. Nur wenn der Gipfel dies beschließt, hat er sich gelohnt."
Einen 7-Punkte-Aufgabenkatalog des BUND für Bundesumweltminister
Peter Altmaier in Rio finden Sie im Internet unter:
www.bund.net/pdf/7_forderungen
Ein BUND-Hintergrundpapier zu "Rio+20" unter:
www.bund.net/pdf/rioplus20_position
Pressekontakt:
Antje von Broock, BUND-Expertin für internationale Umweltpolitik:
Tel: 030-27586-434 bzw.
Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher:
Tel. 030-27586-425, Fax: -440
E-Mail: presse@bund.net
Internet: www.bund.net
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Datum: 19.06.2012 - 10:45 Uhr
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