Weser-Kurier: Der Bremer WESER-KURIER schreibt zum Thema Zwangsabgabe für Reiche:

Weser-Kurier: Der Bremer WESER-KURIER schreibt zum Thema Zwangsabgabe für Reiche:

ID: 678696
(ots) - Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den
Dächern: Der erste Blick täuscht, Bremen ist nicht das Griechenland
an der Weser. Wegen der starken Wirtschaftskraft, der innovativen
Firmen, der ertragreichen Häfen und der Spitzen-Universitäten. Aber
säße das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nicht definitiv
und verbürgt in Berlin, müsste man meinen, es säße in Bremen: Hier
wohnen die Schulden und das Geld Tür an Tür. Unglaubliche hohe
Schulden, erstaunlich viel Geld. Nur: Die Schulden gehören
gewissermaßen uns allen, das Geld gehört allein den Reichen. Eine
Zwangsabgabe könnte das Missverhältnis begradigen - da ist sich das
Institut mit Adam Riese und allen einig, deren Herzen links schlagen.
Es kann nie schaden, an den Gemeinsinn zu appellieren. Staatstragend
zu werden und an J. F. Kennedy zu erinnern: Frage nicht, was dein
Land für dich tun kann - frage, was du für dein Land tun kannst. Oder
an Otto von Bismarck, den Vater des Solidaritätsprinzips: Jeder
hilft, wo und wie er kann. Folgerichtig mag der DIW-Vorschlag demnach
sein, rührend goldherzig ist er sicher, nur durchdacht ist er nicht.
Weil es mit dem Steuersystem schon ein hochkomplexes Instrument gibt,
das eigentlich schon einer gerechten Verteilung der finanziellen
Lasten dienen soll. Auch, weil finanzielle Solidarität schon längst
praktiziert wird - durch Mäzenatentum, Stiftungen, Spenden aller Art.
Der Bürger gilt als größter Finanzier der Kultur in Europa, mit
vielen kleinen, aber auch manchen großen Summen. Die Kunsthalle, die
Jacobs University, der Bürgerpark - ohne Spenden längst geschlossen
oder nur auf Pump am Leben erhalten. Vor allem aber mangelt es dem
Vorschlag des Instituts an Realismus: Verantwortungsbewusstsein lässt
sich nicht erzwingen. Wer rücksichtslos und ungeniert nur im Sinn
hat, sein Schäfchen ins Trockene zu bringen, hat noch immer einen Weg


gefunden. Schwarze Konten in der Schweiz, Strohfirmen in Monaco,
kleine Tricks und große Betrügereien: Fehlt es schon an der Einsicht,
gefälligst Kindergärten, Lehrer, Studienplätze, Krankenhäuser und
Altenheime mitzufinanzieren, braucht man auf Verständnis fürs
Euroretten nicht zu hoffen.



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Datum: 11.07.2012 - 20:32 Uhr
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